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Südsudan: Kiir ruft Waffenruhe aus, Ban fordert Waffenembargo

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Südsudan: Kiir ruft Waffenruhe aus, Ban fordert Waffenembargo

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Fünf Tage nach dem Ausbruch neuer Kämpfe im Südsudan hat Staatspräsident Salva Kiir eine Waffenruhe ausgerufen. Sie sollte um 18 Uhr MEZ in Kraft treten. Seit vergangenem Freitag liefern sich die Armee und Soldaten des Vizepräsidenten und früheren Rebellenführers Riek Machar Gefechte. Gut 300 Menschen kamen ums Leben, darunter auch ein Blauhelmsoldat.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief den Sicherheitsrat dazu auf, umgehend ein Waffenembargo gegen den Südsudan zu verhängen. Außerdem müsse die UN-Mission in dem Land (UNMISS) verstärkt werden, so Ban. Der Vorsitzende des Sicherheitsrats, Japans UN-Botschafter Koro Bessho, sagte:

“Die Mitglieder des Sicherheitsrats betonen, dass Angriffe auf Zivilisten und UN-Einrichtungen Kriegsverbrechen darstellen können. Der Sicherheitsrat ist bereit, die Mission im Südsudan auszuweiten, um sicherzustellen, dass die Mission und die internationale Gemeinschaft weitere Gewalt in Südsudan verhindern oder angemessen darauf reagieren können.”

Der Südsudan ist seit 2011 unabhängig, 2013 stürzte das Land in einen Bürgerkrieg. Zehntausende kamen seither ums Leben, rund 2,5 Millionen Menschen sind laut der UNO auf der Flucht. Viele leben in Kenia in Flüchtlingslagern.

Interview: “Der Südsudan sollte einmal ein Land der Hoffnung sein”

Euronews-Reporterin Sarah Chappell:
“Fünf Jahre nachdem der Südsudan seine Unabhängigkeit erklärte und Afrikas längster Bürgerkrieg endete, bleibt das Land zerrissen. Der Gewaltausbruch in der Hauptstadt zwischen Anhängern von Präsident Salva Kiir und Unterstützern von Vizepräsident Riek Machar schüren Ängste, dass das Land kurz vor seinem eigenen Bürgerkrieg steht. Für mehr Infos sind wir mit unserem Africanews-Journalisten Michael Dibie verbunden. Hallo Michael, warum ist die Regierung der nationalen Einheit gescheitert, was sind die Gründe, warum gibt es keine funktionierende Führung für das Land?”

Africanews-Reporter Michael Dibie:
“Die Regierung der nationalen Einheit ist sicherlich nicht arbeitsfähig. Meiner Meinung nach hat das mit der Machtteilung zu tun, die nicht bis in die Fraktionen reicht. Von Vizepräsident Riek Machar wird berichtet, er hätte – trotz einiger Terminüberschreitungen – das Abkommen widerstrebend unterzeichnet. Es wurde ein neues Kabinett beschlossen, 16 Ministerien gingen an die Regierung, 10 an die größte Opposition, zwei an die Gruppe, die als “Frühere Gefangene” bekannt ist und zwei an weitere Oppositionsparteien. Es heißt jedoch, Kiir verlegt seine Truppen 25 Kilometer aus der Hauptstadt heraus, eine wesentliche Voraussetzung für die Bildung der Regierung der nationalen Einheit.”

Euronews-Reporterin Sarah Chappell:
“Sowohl Präsident Kiir als auch Vizepräsident Machar haben zur Ruhe aufgerufen, aber besitzen sie noch die vollständige Kontrolle über ihre eigenen Kräfte?”

Africanews-Reporter Michael Dibie:
“Es gibt offensichtlich ein großes Misstrauen zwischen Kiir und Machar und ihren Truppen. Vielleicht tun sich beide sogar schwer, ihre eigenen Kräfte zu kontrollieren. Eine Reihe von Friedensabkommen wurde unterzeichnet. Bis jetzt hat das zu keiner dauerhaften Stabilität geführt.”

Euronews-Reporterin Sarah Chappell:
“Wie sind Ihrer Meinung nach die Aussichten auf ein rasches Ende der Gewalt und einen dauerhaften Frieden?”

Africanews-Reporter Michael Dibie:
“Der Südsudan sollte fünf Jahre nach der Erlangung der Unabhängigkeit ein Land der Hoffnung sein. Stattdessen steckt das Land in einer von Menschen ausgelösten schlimmen humanitären Krise. Meiner Meinung ist es notwendig, dass die beteiligten Fraktionen zusammenkommen und daran arbeiten, wie man alle zufriedenstellen und einen dauerhaften Frieden erreichen kann – Frieden für das Land.”

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden.euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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