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App "Pokémon Go" - wenn die Realität virtuell wird

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App "Pokémon Go" - wenn die Realität virtuell wird

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Das Spiel: Man sammelt per Smartphone Monster-Figuren wie Pikachu und Co. Das Besondere an der bisher nur in den USA, Australien und Neuseeland verfügbaren App: “Pokémon Go” versetzt die Comicfiguren in die echte Welt. Das Smartphone zeigt, wann und wo man eines der knuddeligen Monster fangen kann.

Das Realste an der Geschichte: In der Woche seit Freigabe der App sprang der Nintendo-Aktienkurs 56.65 Prozent nach oben. Gegenwert: rund 10 Milliarden Euro.

Spieler Freydo Cavero (28) Los Angeles:

“Es ist ein Spaß, ein einfaches Spiel, mit dem sich jeder identifizieren kann – Leute, die noch nie in Kontakt mit Pokemon waren oder es sogar als Kartenspiel gespielt haben, die kommen an und sagen, alles in Ordnung, es scheint irgendwie cool, ich kann das überall spielen, von zuhause aus.”

Die «Pokemon»-Geschichte, gestartet vor 20 Jahren, hat sich für Nintendo zu einem Dauerbrenner mit einer weltweiten Gemeinde aus Millionen Fans entwickelt. Wie in den traditionellen Spielen kann man die «Pokemon» mit Namen wie Pikachu, Rattfratz oder Bisasam gegeneinander in Kämpfen antreten lassen. Allein in der App kann man zur Zeit 96 «Pokemon» einsammeln, insgesamt gibt es hunderte.

Der aktuelle Pokemon-Hype reicht schon für die ersten spektakulären Geschichten. So hätten vier Jugendliche im Bundesstaat Missouri an einem der sogenannten «Poke-Stops», an denen man Monster-Fallen in
Form eines rot-weißen Balls nachladen kann, Spielern aufgelauert und sie mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt, berichtete die lokale Polizei bei Facebook.

Außerdem klagte ein Mann sein Leid in Online-Netzwerken, nachdem sein Haus versehentlich als Poke-Stop markiert worden war. Und eine australische Polizeistation gab den Tip: Man müsse nicht in die Wache, um “Pokeballs” einzusammeln. Und: “Schauen Sie hoch von Ihrem Telefon und nach rechts und links, bevor Sie über die Straße gehen.”

Am Wochenende fand eine 19-Jährige auf der Suche nach den «Pokemon» eine Leiche in einem Fluss im US-Bundesstaat Wyoming, wie das Portal
«County 10» berichtete.

Außerhalb der drei Länder kann man das Spiel nur über Tricks laden. Hacker nutzten das bereits, um Schadsoftware, die sich als «Pokemon Go» tarnt, im Netz zu platzieren. Sie könne komplett die Kontrolle über ein Smartphone übernehmen, warnte die IT-Sicherheitsfirma Proofpoint.

Ein Bericht über einen von «Pokemon Go» ausgelösten Verkehrsunfall erwies sich hingegen als Fälschung. Und Anti-Übergewicht-Aktivisten frohlocken, weil die Spieler zu Fuß auf weite Strecken geschickt werden.

In den USA wurde «Pokemon Go» nach einem Tag laut Experten auf etwa jedes 20. Android-Handy geladen. Und im iTunes-Store führt die App die Liste der Kostenlosen Programme vor Snapchat und anderen App-Hits an.

Die Entwickler – Nintendos Pokemon Company und die ehemalige Google-Tochter Niantic Labs – wurden von dem Ansturm überrannt. Die weltweite Markteinführung wurde abgebremst, um die Server zu schonen.

“Verboten, Pokemon Go zu spielen”

Nintendo stellt mit dem Sprung ins Geschäft mit Handy-Spielen sein bisheriges Erlösmodell in Frage – der Videospiele-Pionier ignorierte lange den Markt der Smartphone-Apps und verkaufte die Games mit
seinen beliebten Figuren wie Super Mario, Donkey Kong oder eben die «Pokemon» nur für eigene Spielekonsolen.

Während die Firma sonst gewohnt ist, 30 bis 60 Euro pro Spiel einzunehmen, kostet auch «Pokemon Go» für Android und iOS zunächst einmal nichts. Wer mitspielen will, muss aber zum Beispiel für einen Sack mit 1.200 Pokemünzen – der Währung in der App – 9,99 Euro zahlen. Dafür erhält man dann “nützliche Utensilien” – zum Beispiel 100 Pokebälle zum Fangen der Monster – für 460 Münzen.

Das Geschäftsmodell mit In-App-Käufen klappt aber so richtig gut nur bei wenigen Top-Hits.

su mit dpa

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