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Attentat von Nizza: Neuer Tätertyp

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Attentat von Nizza: Neuer Tätertyp

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Innerhalb von anderthalb Jahren wurde Frankreich mehrmals zum Schauplatz verheerender Attentate, zu denen sich der so genannte Islamische Staat bekannte. Mehr als 230 Menschen wurden bei den Angriffen auf die Redaktion der Satire-Zeitung “Charlie Hebo”, bei den zeitgleichen Attentaten vom 13. November und in Nizza getötet.

Warum trifft es wieder und wieder Frankreich? Etwa 600 Franzosen haben sich dem Islamischen Staates im Irak und in Syrien angeschlossen.

Dort beteiligt sich Frankreich an den Luftangriffen – als zweitwichtigster Alliierter der internationalen Koalition unter Führung der USA. In der Sahelzone stehen französische Soldaten Dschihadisten gegenüber, die regelmäßig Anschläge gegen Blauhelmsoldaten verüben und die Gegend von Ougadougou bis nach Grand Bassam unsicher machen.

Professor Peter Neumann ist Direktor des International Centre for the Study of Radicalisation. Er erklärt,
“Frankreich ist wohl das europäsche Land, das sich aufgrund seiner Außenpolitik am meisten an Auslandseinsätzen vor allem in der muslimischen Welt beteiligt.”_ Er meint weiter, Dschihadisten beschuldigen Frankreich, islamfeindlich zu sein.

“Sie hassen Frankreich, denn für sie ist das Land nicht nur eine Kreuzfahrernation wie andere europäische Staaten, sondern eine Nation mit einer verschärft islamfeindlichen Agenda,” so Prof. Neumann.

Das Département Alpes-Maritimes mit Landeshauptstadt Nizza gab Ende vergangenen Jahres bekannt, mehr als 230 Personen stünden unter Beobachtung.

Politikwissenschaftlerin Dr. Yasmina Touaibia fügt erklärend hinzu, “Alpes-Maritimes ist eins der Départements, aus denen die meisten Dschihadisten stammen. Und der Grund liegt auf der Hand: In den 90er Jahren errichteten die Islamische Heilsfront FIS und die Islamische Gruppe GIA Stützpunkte in Südfrankreich, in der Region um Paris sowie Lyon.”

Nach dem Attentat von Nizza steht den Ermittlungen zufolge fest, dass die Tat geplant war. Allerdings fällt Mohamed Lahouaiej Bouhlel als Attentäter aus dem Rahmen: Der 31-Jährige war wenig religiös, trank, aß Schweinefleisch und surfte auf Porno-Seiten im Internet. Für den so genannten Islamischen Staat interessierte er sich erst seit kurzem.

Dieser neue Tätertyp erschwert die Arbeit der Anti-Terror-Einheiten: Denn diese konzentrieren ihre Ermittlungen vor allem auf radikalisierte Syrien-Heimkehrer.

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