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Höhere Job-Qualität kann Wettbewerbsfähigkeit steigern

Länder in Nordeuropa machen es vor: Bessere Arbeitsbedingungen steigern die Produktivität, sagt Arbeitsmarktexperte Paolo Falco.

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Höhere Job-Qualität kann Wettbewerbsfähigkeit steigern

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Bezahlung ist natürlich ein Kriterium für die Qualität eines Arbeitsplatzes. Doch hinzu kommen Aspekte wie Sicherheit des Arbeitsplatzes, Fortbildungsmöglichkeiten, das Arbeitsumfeld – messbare Kriterien, wie Paolo Falco, Wirtschaftswissenschaftler und Arbeitsmarktexperte bei der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erläutert.

Meinung

Job-Qualität geht nicht auf Kosten von Job-Quantität. Es gibt Länder, die sowohl ein hohes Niveau an Job-Qualität haben, als auch eine ziemlich effiziente Wirtschaft, die viele Arbeitsplätze schafft.

Paolo Falco Arbeitsmarktexperte bei der OECD

Paolo Falco:
“Wir arbeiten bei der OECD mit einem neuen Messsystem für Job-Qualität, das wir über die vergangenen Jahre entwickelt haben. Es definiert Arbeitsplätze nach den Charakteristika, die die wichtigsten für das Wohlbefinden der Arbeitnehmer sind. Und wir stellen fest – für einige vielleicht überraschend – dass Job-Qualität nicht auf Kosten von Job-Quantität geht. Man kann beides gleichzeitig haben. Es gibt Länder, die sowohl ein hohes Niveau an Job-Qualität haben, als auch eine ziemlich effiziente Wirtschaft, die viele Arbeitsplätze schafft.”

Sophie Claudet, euronews:
“Was sind die besten Zutaten für Zufriedenheit am Arbeitsplatz?”

Paolo Falco:
“Bezahlung, natürlich. Sicherheit des Arbeitsplatzes. Und die Qualität des Arbeitsumfeldes – ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Anforderungen, die ein Arbeitsplatz an den Arbeitnehmer stellt, und den Ressourcen, die dem Arbeitnehmer gewährt werden, um diese Anforderungen zu erfüllen. Wir stellen zum Beispiel fest, dass Fortbildungsmöglichkeiten bei einem Arbeitsplatz ein fundamentaler Aspekt der Job-Qualität sind. Denn sie geben dem Arbeitnehmer Mittel an die Hand, mit Aufgaben zurechtzukommen, die ansonsten vielleicht als stressiger, komplizierter und anspruchsvoller empfunden werden.”

Sophie Claudet:
“Welche Länder in Europa hinken besonders hinterher bei der Erkenntnis, dass Wohlbefinden sowohl für Arbeitnehmer als auch für die Arbeitgeber wichtig ist?”

Paolo Falco:
“Zuerst einmal würde ich sagen, dass die Lage sehr heterogen ist. Länder mit hoher Job-Qualität finde ich mit dem Messsystem, das ich eben nannte, also zum Beispiel in Bezug auf ein ausgewogenenes Verhältnis zwischen den Anforderungen an die Arbeitnehmer und den Ressourcen, die man ihnen zur Verfügung stellt, vor allem in Nordeuropa, in Skandinavien.”

Sophie Claudet:
“Sind Sie zuversichtlich, dass sich künftig in mehr und mehr Ländern Europas die Erkenntnis durchsetzt, dass das Wohlbefinden der Arbeitnehmer im Interesse von Arbeitgebern und der gesamten Gesellschaft ist?”

Paolo Falco:
“Ich denke ja, wenn Firmen, die diesen Trend setzen, beweisen, dass sie damit Erfolg haben. Unternehmen der Wissensgesellschaft wie Google zum Beispiel, die verstanden haben, dass sie nur mit motivierten Mitarbeitern in der Innovation konkurrieren können. Und wenn wir über das Prinzip hinwegkommen, dass Wettbewerbsfähigkeit darauf beruht, dass man seine Arbeitnehmer so hart wie möglich arbeiten lässt und so schlecht wie möglich bezahlt. Dann werden diese Unternehmen und Länder, die zeigen, dass sie auch so ihre Produktivität steigern können, den anderen den Weg weisen und vielleicht einen breiteren Wandel einläuten.”