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Der Botschafter-Mörder von Ankara im Profil

Wer war der Polizist, der den russischen Botschafter Andrej Karlow erschossen hat?

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Der Botschafter-Mörder von Ankara im Profil

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Ruhig und scheinbar gelassen steht Mevlüt Mert Altintas hinter seinem Opfer, bevor er seine Waffe zückt und den russischen Botschafter in der Türkei hinterrücks mit neun Schüssen niederstreckt. Gleißendes Neonlicht in der Kunstgalerie, in der Botschafter Andrej Karlow gerade vor laufenden Kameras und Mikrofonen eine Ausstellung eröffnet, lassen den Tatort in Ankara beinahe unwirklich erscheinen.

Später kommt heraus: Todesschütze Mevlüt Mert Altintas war seit zweieinhalb Jahren Mitglied einer Sondereinheit der türkischen Polizei. Und: Die Bluttat war offenbar geplant.

Der 22-Jährige hatte sich mit seinem Dienstausweis Zutritt in das Kulturzentrum für Zeitgenössische Kunst verschafft. Aus Kreisen der Galerie hieß es, Altintas habe das Gebäude bereits am Freitag vor der Attacke besucht – möglicherweise zur Vorbereitung der Tat.

Die Nacht vor dem Mord verbrachte Altintas in einem Hotel unweit der Kunstgalerie. Stunden vor den Schüssen hatte er sich bei seinem Arbeitgeber krankgemeldet. Ein Attest wollte er später vorlegen. Anschließend legte der Mann, der in einem Vorort der türkischen Hauptstadt lebte, die kurze Strecke zur Galerie zu Fuß zurück.

Die Überwindung des Sicherheitschecks mit einer Schusswaffe war durch den Dienstausweis unproblematisch. Auch seine Positionierung direkt hinter dem Botschafter erweckte offenbar kein Misstrauen.

Er steht rund zehn Meter hinter Karlow, bevor er sich leicht nach links bewegt, und ab und zu in Richtung seiner Innentasche blickt. Sekunden später feuert Altintas die neun tödlichen Schüsse ab. Kurz darauf wird er von Kollegen getötet.

Bereits 90 Minuten nach der Tat streut Ankaras Bürgermeister Melih Gökcek den Verdacht, Altintas sei womöglich ein Gülen-Anhänger gewesen. Der in den USA lebende Prediger Fethullah Gülen wird von Ankara für den Putschversuch in der Türkei im vergangenen Sommer verantwortlich gemacht.

Gegen seine Gülen-Anhängerschaft sprechen Slogans wie “Allahu Akhbar”, “Vergesst nicht Aleppo” und “Vergesst nicht Syrien”, die Altintas nach Abgabe der Schüsse gerufen hat.

Die Dschihadisten-Oragnisation Jabhat Fatah al-Sham, früher Al-Nusra Front, veröffentlichte eine Miteilung aus der hervorgeht, dass Altintas ein er ihrer Kämpfer war.

Altintas stammt aus der Kleinstadt Söke an der türkischen Mittelmeerküste, wo seine Eltern leben. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete an diesem Mittwoch, insgesamt seien im Zusammenhang mit dem Mord zwölf Verdächtige festgenommen worden. Nach Anadolu-Angaben vom Dienstag waren darunter die Eltern, eine Schwester und andere Verwandte sowie der Mitbewohner des Attentäters.

Fethullah Gülen verurteilte die Ermordung des russischen Botschafters in der Türkei scharf:“Ich entsende der Familie Karlow und dem russischen Volk mein zutiefst empfundenes Beileid für diesen tragischen Verlust”, erklärte Gülen in einer Mitteilung. “Ich bitte Gott den Erbarmer, die Wurzeln des Terrorismus auszutrocknen und die Welt in eine Zeit von Frieden und Ruhe zu führen”.