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Die Vereinigten Arabischen Emirate: "Wir haben null Toleranz für Intoleranz."


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Die Vereinigten Arabischen Emirate: "Wir haben null Toleranz für Intoleranz."

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Amal Al Qubaisi ist die Präsidentin des Parlaments der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Politikerin gehört zu den 50 einflussreichsten arabischen Frauen und sie wirbt für Offenheit und Toleranz. Direkt nach dem Terroranschlag in Brüssel hat sie sich mit der Europäischen Kommission getroffen.

Euronews:
“Sie haben die EU-Außenbauftragte Federica Mogherini zum ersten Mal in Brüssel, kurz nach dem Terroranschlag getroffen. Wie haben Sie diese Tage erlebt?”

Amal Al Qubaisi:
“Manche Menschen haben uns geraten nicht nach Brüssel zu reisen. Es sei noch zu gefährlich, wir sollten lieber warten bis sich die Lage beruhigt habe und die Wunden der Menschen seien noch frisch. Sie sagten, dass es vielleicht nicht der richtige Ort und Zeitpunkt wäre für den Besuch eines muslimischen Anführers.
Ich aber habe darauf bestanden, die Reise zu machen. Für mich war es sehr wichtig. Ich wollte mich erstens solidarisch zeigen, zweitens mein Beileid ausdrücken und vor allem allen zeigen, dass die Terroristen uns nicht auseinanderbringen können.”

Euronews:
Zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und der EU gibt es ein gemeinsames Verständnis. Worauf haben sie sich geeinigt?

Amal Al Qubaisi:
“Wir haben über unsere Situation im Nahen Osten diskutiert. Ich habe erklärt, dass es für uns sehr frustrierend ist, denn leider sind Extremismus und Terrorismus mit dem Islam verbunden. Wir können dieses Missverständnis aus der Welt räumen. Wir haben das Gefühl, dass unsere Religion der Islam uns geraubt wurde. Terroristische Milizen und Gruppen machen sich die Religion für ihre eigene politsche Agenda zunutze. Sie wollen die guten Beziehungen, die wir mit dem Westen und dem Osten haben, zerstören. Und leider wollen sie auch die Stabilität in unserer Welt zerstören. Wir müssen sie davon abhalten.
Denn wenn wir das zulassen, wenn wir glauben, dass der Islam dahintersteckt und dass Muslime wirklich die Bösen sind, dann wird das allein ein riesiger Erfolg für sie sein.
Wir haben ein gemeinsames Programm. Wir führen beide einen Krieg gegen den Terrorismus. Wir müssen auch eine Immunität entwickeln gegen die Ideologie des Terrors, die uns umgibt. Wir müssen verhindern, dass unsere Jugendlichen und Kinder benutzt werden. Das ist eine tickende Zeitbombe. Sie dürfen Terrorismus und Extremismus nicht in die anderen Länder exportieren. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten.
Über all das habe ich mit Mogherini diskutiert. Sie meinte, dass ich als Muslimin in dieser Position ein sehr gutes Beispiel sein kann. Ich kann dieses Missverständnis aus der Welt räumen und zeigen, dass unsere Religion für den Frieden ist und dass wir gegen das sind, was derzeit passiert. Denn wir haben null Toleranz für Intoleranz.”

Euronews:
“Aufgrund der Islamisten haben Muslime in Europa und im Rest der Welt einen schlechten Ruf. Was können die Vereinigten Arabischen Emirate dagegen machen?”

Amal Al Qubaisi:
“Wir müssen besser und stärker mit dem Ausland kommunizieren. Wir müssen uns vereinen und uns einig sein, um gemeinsam zu kämpfen, gegen die Vorurteile und die falsche Auffassungen, die die Menschen in die Irre führen. Unschuldige Menschen weltweit zahlen den Preis dafür. Wir müssen also mehr zusammenkommen und mehr Verantstaltungen organisieren, bei denen Menschen aus verschiedenen Kulturen sich treffen, damit sie den jeweilig anderen besser verstehen und damit sie die anderen Kulturen kennenlernen.
Wenn sie mich persönlich kennen, wenn sie meine Familie kennen, wenn sie wissen, wer ich bin, dann wissen sie auch, dass ich niemandem etwas zu Leide tun kann. Wir werden Freunde werden. Und wenn meine und deine Kinder Freunde werden, dann kann sie niemand gegeneinander aufhetzen und zu Feinden machen. Das wird sie schützen.”

Euronews:
“Können die Vereinigten Arabischen Emirate außer der humanitären Hilfe noch etwas anderes machen, um die syrische Krise zu lösen?”

Amal Al Qubaisi:
“Wir glauben, dass eine politische Lösung die einzige Lösung ist. Die Einheit des syrischen Territoriums sollte erhalten bleiben. Es ist sehr wichtig die Hoffnung nicht aufzugeben. Das ist insbesondere im Interesse der syrischen Kinder, sie sind am schwächsten. Und es ist auch wichtig für die Zukunft unserer Region und die Zukunft der ganzen Welt.”

Euronews:
“Vor kurzem wurde hier in Abu Dhabi der erste Gipfel abgehalten, an dem 50 Parlamentspräsidentinnen teilgenommen haben. Haben sie sich auf etwas geeinigt?”

Amal Al Qubaisi:
“Es gibt mehr als 50 Parlamentspräsidentinnen. Wir repräsentieren mehr als 25 Prozent der Parlamente weltweit. Das allein ist schon sehr viel Macht.
Und das ist noch lange nicht alles. Wir die Frauen versuchen Gutes für unsere Bürger zu machen. Denn wir wollen, dass die Bürger glücklicher und auch sicherer sind.”

Euronews:
“Was planen Sie für die Zukunft?”

Amal Al Qubaisi:
Wir warten nicht darauf, dass die Zukunft uns gestaltet. Wir arbeiten vielmehr daran die Zukunft zu gestalten. Denn wir wissen, dass es in der Zukunft Gutes und Schlechtes geben wird. Die Zukunft ist nicht rosig, nicht alles ist gut, es warten viele Herausforderungen auf uns, mehr als heute.”

Euronews:
“Die Medien der Vereinigten Arabischen Emirate haben mehrmals gesagt, dass “Amal Al Qubaisi Geschichte schreibt.” Was war der erste Erfolg in Ihrer Karriere?”

Amal Al Qubaisi:
“Als ich mich zum ersten Mal als Kandidatin bei den Wahlen aufstellte und gewann. Ich war die erste und einzige Frau die damals gewann. Ich schreibe Geschichte für mein Land, nicht für mich. Und danach, nur zehn Jahre später, bin ich Präsidentin des Parlaments geworden. Das war ein große Leistung. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind wir darauf sehr stolz, denn in vielen Ländern weltweit hat es lange gedauert bis Frauen wählen durften, bis sie sich bei Wahlen aufstellten konnten. Und es dauerte Jahrzehnte bevor sie Parlamentspräsidentinnen werden konnten. In den Vereinigten Arabsichen Emiraten haben wir die Erwartungen übertroffen.”

Euronews:
“Was kann getan werden, damit die Frauen noch mehr Einfluss bekommen?”

Amal Al Qubaisi:
“Das was uns so besonders macht ist, dass wir uns von ganz alleine weiter entwickelt haben. Wir haben es uns erarbeitet und verdienen Respekt. International gesehen stehen die Frauen der Vereinigten Arabischen Emirate in punkto Respekt an erster Stelle. Und in der arabischen Welt sind wir auch an erster Stelle bei der Förderung und Bevollmächtigung von Frauen. Die Kluft zwischen den Geschlechtern ist kleiner geworden.”

Euronews:
“Es gibt also keine Ungleichheit mehr zwischen den Geschlechtern?”

Amal Al Qubaisi:
“Nein, es gibt keine Ungleicheit mehr. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, den anderen zu helfen, damit genauso erfolgreich wie wir sind.”

Euronews:
Alle Länder weltweit, meinen Sie?

Amal Al Qubaisi:
“Ja, in der Welt und insbesondere in unserer Region. Die Parlamente spielen dabei eine große Rolle und die öffentliche Meinung. Wir müssen vor allem eng mit den Medien zusammenarbeiten. Die Medien müssen gerecht sein. Sie müssen das gesamte Bild zeigen. Aus diesem Grund habe ich so viel Respekt für ihren Sender euronews.”

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