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Hinterhof Hindukusch, das vergessene Schlachtfeld


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Hinterhof Hindukusch, das vergessene Schlachtfeld

Afghanistan ist aus der Berichterstattung fast völlig verschwunden, während Syrien und der Irak die Schlagzeilen dominieren. Politisch und militärisch auf sich allein gestellt, droht Afghanistan weiter abzurutschen wie Anfang der 2000er Jahre.

Die IS-Miliz tauchte erstmals 2015 in Afghanistan auf. Drei Jahre nach der Geburtsstunde der radikalen Islamisten im Irak und in Syrien, hat ein Teil der Taliban-Deserteure sich dem IS-Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi angeschlossen. Sie sehen sich als Kämpfer des so genannten Islamischen Staates, einer historischen Region in Zentralasien im Gebiet der heutigen Staaten Afghanistan, Iran, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan.

Die Dschihadistenmiliz übt großen Druck auf die afghanische Regierung, auf Zivilisten, sowie auf ihre früheren “Brüder” aus den Reihen der Taliban aus. Das Massaker an den Mitarbeiten des Roten Kreuzes am 8. Februar im Norden des Landes war vermutlich ihre jüngste Bluttat in Afghanistan.

Warum Afghanistan?

Warum konnte es eine andere islamistische Bewegung schaffen, in der Hochburg von Taliban und Al-Kaida Fuß zu fassen? Der Journalist und Afghanistan-Spezialist Aziz Hakimi erklärt im Interview mit euronews
“Sie ähneln sich, allerdings sind sie zwei völlig getrennte Bewegungen. Die Taliban sind eine lokale Gruppe, die sich auf die afghanischen Grenzen beschränkt. Doch der so genannte IS will ein großes muslimisches Kalifat erschaffen. Die IS-Miliz in Afghanistan ist Teil eines weltweiten Dschihads.”

Geburtstunde

Nachdem der Talibanführer Mullah Mohammed Omar offiziell für Tod erklärt wurde, wurde die Bewegung durch Teilungen geschwächt, auch innerhalb des Führungszirkels. Während einige Mitglieder Friedensverhandlungen mit der Regierung nicht völlig abgeneigt waren, lehnte die Mehrheit jegliche Bemühungen um einen Dialog ab.
Während der Dschihad ohne entscheidenen Sieg fortgesetzt wurde, verloren die Taliban mehr und mehr an Ansehen und Zulauf angesichts der Salafistengruppe IS. Diese kontrolliert mittlerweile einen guten Teil des irakischen und syrischen Territoriums. Ihr Ziel: die Schaffung eines Kalifats mit den historischen Grenzen des Goldenen Zeitalters des Islams – von Spanien bis nach Westchina.
Im Januar 2015 kündigt das frühere Taliban-Mitglied und Ex-Guantánamo-Häftling Mullah Abdul Raouf die Gründung der IS-Dschihadistenmiliz in Ostafghanistan an. Nach Meinung von Nadschibullah Mani, Chef der Anti-Terror-Einheit des afghanischen Innenministeriums, sind die Extremisten in elf Provinzen des Landes aktiv.

Feindbilder

Während die Taliban sich auf Angriffe auf das afghanische und internationale Militär, sowie auf hohe Staatsdiener beschränken, nimmt die IS-Miliz auch Zivilisten, insbesondere die schiitische Minderheit Hasara ins Visier. Seit dem letzten Jahr gab es mehrere Attentate auf politische und religiöse Versammlungen der Hasara in Kabul. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet und verletzt. Die Taliban verurteilten die Angriffe.

Doppeltes Spiel?

Der so genannte Islamische Staat stellt eine wachsende Bedrohung für den Iran und Russland dar. Denn die Islamistengruppe will Teile des Irans und des Kaukasus einverleiben. Da die afghanischen und internationalen Armeen keine Kontrolle über die IS-Dschihadisten erlangen, unterstützt Teheran nach Meinung internationaler Experten den ehemaligen Todfeind, die Taliban, in ihrem Kampf gegen den IS.
Von Russland wird das gleiche vermutet: Obwohl Moskau von sich weist, die Taliban direkt zu unterstützen, erklärte der russische Botschafter in Kabul Alexander Mantitski den afghanischen Senatoren im Februar 2016, die Verbindungen zu den Taliban zielten darauf ab, die Sicherheit in Zentralasien zu stärken. Seine Begründung: Die Taliban bekämpfen die Dschihadistenmiliz.
“Die Interessen der Taliban stimmen mit unseren überein”, sagte Zamir Kabulov, Russlands Sonderbeauftragter für Afghanistan, während einer Moskauer Konferenz zu Afghanistan im Januar 2016. Russland fürchtet ein Überschwappen terroristischer Gruppen nach Zentralasien.

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