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"Zeitfenster für Zypern-Wiedervereinigung schließt sich"


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"Zeitfenster für Zypern-Wiedervereinigung schließt sich"

Seit 1974 ist Zypern faktisch geteilt, in den griechischsprachigen Süden, der EU-Mitglied ist, und den nur von der Türkei anerkannten türkischsprachigen Norden. Ein erster Anlauf zur Wiedervereinigung scheiterte 2004. Nun verhandeln beide Seiten wieder. Doch wie viel Zeit haben sie noch?
Wir sprachen mit der Politik- und Wirtschaftsberaterin Fiona Mullen von Sapienta Economics in Zypern.

Sophie Claudet, euronews:
“Wie steht es heute generell um die Unterstützung eines Friedensabkommens in Zypern?

Fiona Mullen:
“Die Umfragen zeigen, dass die meisten Menschen hier eine Lösung wollen. Das Problem ist, dass nicht so sehr viele Leute zuversichtlich sind, dass es auch eine Lösung geben wird. Denn die Frage steht nun schon seit gut vierzig Jahren im Raum. Man sieht auch einen Generationsunterschied: Interessanterweise befürworten die älteren Leute generell eher eine Lösung als die jüngeren, denn sie haben ja noch mit den Zyprern der anderen Seite zusammengelebt. Während die jüngere Generation mehr dazu erzogen wurde, die andere Seite eher als Feind anzusehen – insbesondere durch das Schulwesen.”



euronews:
“Als Beobachterin der zyprischen Politik: Was halten Sie für den größten Hemmschuh?”

Fiona Mullen:
“Ich denke, die Sicherheitsfrage ist der größte Hemmschuh. Vor allem, wenn man sie im weitesten Sinne versteht. Nicht nur als: Wird auf mich geschossen wie auf meine Familie in den Sechzigern oder Siebzigern, sondern als Sicherheit der Identität: Wird diese Regierung aus zwei Volksgruppen meine Identität als griechischer oder türkischer Zyprer verwässern oder gar auslöschen?

Dann geht auch um wirtschaftliche Sicherheit. Die Leute wollen wissen: Können wir uns die Wiedergutmachung leisten? Ich habe darüber viel geforscht und denke, wir können es. Aber es gibt Unmengen öffentliche Informationen darüber, wie wir das wohl schaffen werden. Dann geht es auch um die Sicherheit der Regierungsgestaltung: Wir wissen, dass das alles schon einmal in den frühen 1960ern auseinandergebrochen ist, und die Leute wollen sicher sein, dass es Mechanismen gibt, damit so etwas nicht wieder passieren kann. Es geht also um Sicherheit im weitesten Sinne. Aber selbst im engsten Sinne – Truppen und Garantien – wissen wir, dass dies die beiden Seiten am meisten spaltet.”



euronews:
“Kann man sagen, dass das Zeitfenster für diese einmalige Chance sich langsam schließt?”



Fiona Mullen:
“Ja, ich würde sogar sagen, es schließt sich gerade ziemlich schnell. Man hat ja nicht so oft solche Konstellationen, mit einer Türkei, die die föderale Lösung befürwortet – das war nicht immer so – und zwei politischen Führern, die echt versuchen, das Land wieder zusammenzubringen. Solche Gelegenheiten bieten sich nicht sehr oft, und wir haben wahrscheinlich schon eine Verzögerung, weil die Türkei ein Verfassungsreferendum abhält, und dann wird Präsident Anastasiades im Südteil Zyperns in weniger als einem Jahr in den Wahlkampf für seine Wiederwahl gehen, sich also mehr darum kümmern. Und so bleibt wirklich nur noch bis Ende April, danach, fürchte ich, wird es sehr, sehr schwierig werden.”


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