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Jubiläum in Krisenzeiten: Papst redet EU ins Gewissen


Vatikanstadt

Jubiläum in Krisenzeiten: Papst redet EU ins Gewissen

Anlässlich des 60. Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge hat Papst Franziskus die Europäische Union eindringlich zu Solidarität und Zusammenhalt aufgerufen.

Bei einer Audienz für 27 Staats- und Regierungschefs der EU im Vatikan sagte der Papst, Solidarität sei das wirksamste Heilmittel gegen die modernen Formen des Populismus. Und weiter:

“Europa findet zu neuer Hoffnung, wenn der Mensch im Mittelpunkt der europäischen Institutionen steht. Ich bin der Überzeugung, dass dies dazu führen könnte, dass die Erwartungen mit achtsamer Aufmerksamkeit erhört werden. Die Erwartungen von Einzelpersonen, der Gesellschaft und all jener, aus denen die Union besteht. Traurigerweise bekommt man regelmäßig den Eindruck, dass sich ein wachsender Spalt zwischen den Bürgern und den europäischen Institutionen auftut.”

Franziskus appellierte an die Staats- und Regierungschefs, die Flüchtlingsbewegungen auch als Herausforderung für das ideelle und geistige Erbe Europas zu begreifen. Die heutige Rückkehr nach Rom dürfe nicht bloß eine Reise in die Erinnerungen sein, mahnte der Papst.

Europaparlamentspräsident Antonio Tajani erklärte:“Wir können den Terrorismus besiegen, das Problem der Migration lösen und die andauernde wirtschaftliche Krise inklusive der Jugendarbeitslosigkeit verbannen. Das gelingt aber nur, wenn wir die Gründe, die uns zusammengeführt haben, würdigen und neu entdecken.”

Bei der Audienz waren auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und weitere EU-Spitzen dabei. Die britische Premierministerin Theresa May nimmt nach der Brexit-Entscheidung ihres Landes an den Jubiläumsfeiern nicht teil.

Am Jahrestag selbst, dem 25. März, wird auf einem EU-Gipfel in Rom unter anderem darüber beraten, wie es nach dem Brexit weitergehen soll.