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Wahl in Serbien: Ein Favorit, neun Oppositionelle und ein Komiker


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Wahl in Serbien: Ein Favorit, neun Oppositionelle und ein Komiker

Serbien wählt am 2. April einen neuen Staatspräsidenten. Als Favorit gilt Ministerpräsident Aleksander Vucic. Er wird auch vom Ausland unterstützt. Die Opposition spricht von undemokratischen Wahlen.

In Belgrad soll ein neues, modernes Viertel direkt am Wasser entstehen. “Belgrade Waterfront” wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziert und ist eine Vision des Ministerpräsidenten Aleksander Vucic. Umfragen sehen ihn und seine Serbische Fortschrittspartei SNS mit rund 52 Prozent der Stimmen vorne.

Der 47-jährige Vucic dominiert die Innenpolitik. Die Opposition ist heillos zerstritten. Nicht weniger als zehn Kanidaten treten gegen ihn an. Sie befürchten Wahlbetrug.

Der politische Analyst Dragomir Andjelkovic erklärt:

Nicht deutet auf einen Machtmissbrauch hin. Die Regierung reagiert auf diese Vorwürfe. Sie sagt, dass jene, die von Wahlbetrug sprechen, nur alles vorbereiten wollen, um die Wahl anzuzweifeln und zu protestieren.

Der Kandidat Vuk Jeremic scheint skeptisch zu sein:

Zum ersten Mal wurde die OSCE nicht eingeladen, um die Wahlen zu beobachten. Und das bei einem Wahlkampf, in dem der Kandidat der Regierungspartei 120 Mal mehr Berichterstattung in den Medien bekommen hat als alle Oppositionskandidaten zusammen.

Mehrere Oppositionskandidaten haben keine Partei, die sie unterstützt. Sie klagen, dass die Europäische Union auch keine große Hilfe sei.

Sasa Radulovic, Anführer der Bewegung “Enough Is Enough” bemängelt:

Wir haben einen Ministerpräsidenten, der im Rennen um das Amt des Präsidenten ist. Ich kenne keine Demokratie, in der so etwas vorkommt. Aber anscheinend ist es kein Problem für die europäischen Staats- und Regierungschefs. Sie helfen ihm, sich selbst zu vermarkten, denn sie laden ihn während dem Wahlkampf in seiner Funktion als Regierungschef zu sich ein.

Die serbische Intelligentsia unterstützt den früheren Bürgerbeauftragten Sasa Jankovic. Sie halten ihn für fähig, Korruption und Vetternwirtschaft zu bekämpfen.

Jankovic strebt eine neue Beziehung zwischen den Bürgern und den Politikern an:

Direkt mit den Bürgern reden, ohne Bodyguards oder Kameras. Ich möchte wieder eine Verbindung zwischen den Bürgern und dem Staat herstellen. Der Staat und die Politik haben sich komplett vom täglichen Leben entfremdet.

Die Überraschung in diesem Wahlkampf kommt jedoch aus einer kleinen, einst industriellen Stadt im Süden von Belgrad. Eine Gruppe Studenten, die sich selbst als satirische Guerilla beschreibt, setzt sich für Frieden und Netzdemokratie ein. Das öffentliche Geld, das jedem Kandidaten zusteht, haben sie abgelehnt. Ihr Anführer Luka Maksimovic ist ein Komiker, der einst in die Rolle des Politikers Beli schlüpfte und nun auch als Beli antritt.

Er betont:

Ich möchte mit niemandem verglichen werden. Ich bin Beli-der Weiße. Wir brauchen nicht viel Geld. Wir haben allein mit Spenden rund 8000 Euro gesammelt. Zwei Drittel des Geldes ging an Notare, die die Unterschriften unserer Unterstützer beglaubigt haben. Den Rest haben wir für den Wahlkampf ausgegeben und unserer ist besser als der der anderen Kandidaten.

Mit ihrem originellen Wahlkampf begeistern sie vor allem junge Wähler, die sonst wahscheinlich den Urnen fern geblieben wären.

Unsere Korrespondentin Ivana Miloradovic fasst zusammen:

Für den serbischen Ministerpräsidenten ist die Wahl am Sonntag ein Vetrauensbeweis in seine Reformen. Für die Opposition geht es darum, in die zweite Runde zu kommen und den Weg, der zum Sitz des Präsidenten führt, ein wenig beschwerlicher zu machen.