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St. Petersburg: "Diese Ruhe hat sich jetzt als Illusion herausgestellt"


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St. Petersburg: "Diese Ruhe hat sich jetzt als Illusion herausgestellt"

Was ist in St. Petersburg passiert und was bedeutet der Anschlag in der U-Bahn für Russland? Fragen an Andrey Kolesnikov, Leiter der Abteilung Innenpolitik beim Carnegie-Zentrum in Moskau.

Galina Polonskaya, euronews:

“Kann man vermuten, dass es eine Verbindung gibt zwischen Putins Besuch in Sankt Petersburg und der Explosion in der U-Bahn?”

Andrey Kolesnikov:

“Ich glaube nicht, dass Terroristen sich nach dem Terminkalender des Präsidenten richten. Dies ist natürlich eine Hypothese, aber da würde man sie, glaube ich, überschätzen.”

Euronews:

“Warum geschah das genau in diesem Moment?”

Andrey Kolesnikov:

“Warum sind die Terroranschläge in Nizza, Brüssel oder München passiert wie sie passiert sind? Warum nicht an irgendeinem anderen Tag? Das ist Terroristen-Logik oder vielmehr das Fehlen von Logik. Ich glaube nicht, dass Terroristen in Sankt Petersburg klüger oder anspruchsvoller sind als in Brüssel oder Paris. Sie alle haben ihre eigene Logik, aber ich glaube nicht, dass es eine direkte Verbindung zu politischen Ereignissen gibt.”

Euronews:

“Russland war zum letztenmal im Jahr 2013 Angriffsziel. Was in St. Petersburg passiert ist, sah aus wie eine sehr gut geplante Operation. Was sagen Sie dazu? Ist das ein Trend oder eine neue Ausgangslage?”

Andrey Kolesnikov:

“Es gibt keine neue Sachlage. Gerade diese Ruhe hat sich aber jetzt als Illusion herausgestellt. Lange sah es so aus, als wären wir bei den globalen Prozessen außen vor, als ob sie nichts mit uns zu tun hätten und als wäre unser Inlandsgeheimdienst FSB der beste der Welt. Diese These ist jetzt zusammengebrochen und der Vertrauensvorschuss für den FSB, der kürzlich noch zugenommen hatte, eben weil die Menschen Angst hatten vor Terrorismus, wird wahrscheinlich schwinden. Aber noch einmal – das sind nur Vermutungen.”

Euronews:

“Wie reagieren die Menschen in Russland?”

Andrey Kolesnikov:

“Ich meine, in der aktuellen politischen Lage ist das Vertrauen in die Regierung sehr anfällig. Die Krim-Euphorie könnte kippen. So könnten Vertrauen und Zustimmung für die Regierung sinken. Wir sprechen hier nicht über Putins Rating, er ist da irgendwie außen vor, er ist ein Symbol für Russland, kein normaler Mensch. Aber die Wertschätzung der Regierung könnte nach unten gehen, da die Regierung zwar ihre eigene Sicherheit garantieren kann, aber nicht die Sicherheit der Menschen.”

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