Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Wo sind denn die Syrer?

*Vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich stellen wir in loser Folge in Partnerschaft mit den örtlichen Medien französische Wähler vor. Diesmal besucht Bertrand Enjalbal, Journalist bei der Webseite Rue89Lyon, in Salles-Arbuissonnas, einer Gemeinde inmitten der Weinberge des Beaujolais nicht weit von Lyon, den Rentner Alain Peulet.

Alain stammt auf dem Nordosten von Lyon, ist 71 und war als Offizier der Handelsmarine auf den Meeren der Welt unterwegs. Seit 2000 ist er im Ruhestand. Er hat sich mit seiner Lebensgefährtin im Beaujolais niedergelassen. Frankreich schwächelt, findet er: “Ich sehe ein Land, das dabei ist, zu verschwinden. Unsere Traditionen…. vieles… Liegt das nun an der Globalisierung? Oder an der Europäischen Union? Das kann ich wirklich nicht sagen. Hängen beide zusammen?
Man sieht es zum Beispiel an den Städten hier in der Gegend: Villefranche-sur-Saône, Belleville oder Mâcon: Die Innenstädte veröden, die Läden machen dicht, alles steht zum Verkauf. Wohingegen außen um die Stadt herum, vor allem bei Villefranche, dort, wo es früher enorm viel Landwirtschaft gab, und Gemüsegärtner, da sind stattdessen jetzt überall große Hallen, Gewerbegebiete, Industriegebiete, die wie die Pilze aus dem Boden schießen.”

“Wir haben schon unsere Probleme mit der Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig lassen wir noch alle Welt hinein. Das ist doch unlogisch! Ist das jetzt böse, wenn ich sage, man soll sie nicht aufnehmen? Man muss wohl alle Welt aufnehmen, scheint es. Also ich, ich bin damit ganz und gar nicht einverstanden!”

Bertrand Enjalbal:
“Finden Sie, dass wir wirklich zu viele Menschen aufgenommen haben, vor allem die Migranten aus Syiren, im Vergleich zu anderen Ländern Europas oder der Türkei?”

Alain Peulet:
“Aber was wir heute hier sehen, das sind doch gar keine Syrer! Ich weiß nicht, wo sie sind, die Syrer! Ich weiß es wirklich nicht! Ich – ich sehe vor allem Schwarzafrikaner, und Nordafrikaner – Maghrebiner. In den Dörfern sieht man jetzt viele Afrikaner, mehr und mehr! Und bei denen gibt es keinen Krieg!”

Bertrand Enjalbal:
“Aber das sind vielleicht ganz einfach Franzosen?”

Alain Peulet:
“Nein, nicht wirklich, nein nein! Ich finde, dass es nicht ihre Bestimmung ist, hier zu sein.”

Bertrand Enjalbal:
“Wenn Sie vor dem nächsten Präsidenten oder der nächsten Präsidentin stünden, was würden Sie als erstes sagen, was wäre das Vorrangigste, um das er oder sie sich kümmern sollte?”

Alain Peuleut:
“Das Erste ist schon mal, sich mit den richtigen Leuten zu umgeben. Vetternwirtschaft zu vermeiden, sich mit kompetenten Menschen zu umgeben. Den Stier bei den Hörnern zu nehmen und, selbst wenn das weh tun kann, radikale Maßnahmen zu ergreifen. Es müssen wieder rundum geordnete Verhältnisse geschaffen werden! Das ist keine Revolution. Ich glaube nicht, dass die Franzosen da groß revoltieren werden, die Politiker risikieren also nichts. Glauben Sie, dass sie Franzosen sich da auflehnen werden?”

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 lag die Wahlbeteiligung in Salles-Arbuissonnas-en-Beaujolais bei der ersten Runde bei 92 Prozent.

Producer: Olivier Péguy, euronews
in Zusammenarbeit mit Bertrand Enjalbal, Rue89Lyon
Schnitt: Emma Belay

euronews powered by Google News Lab.

ALL VIEWS

Tap to find out
Sponsoring muss zu erkennen sein - Soziale Medien in den USA abgemahnt

USA

Sponsoring muss zu erkennen sein - Soziale Medien in den USA abgemahnt