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Jesiden und Kurden schlagen Alarm: Angst vor weiteren Luftschlägen der Türkei in Sinjar


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Jesiden und Kurden schlagen Alarm: Angst vor weiteren Luftschlägen der Türkei in Sinjar

Vor einigen Tagen hat die Armee der Türkei begonnen, die Kurden- und Jesidengebiete an der Grenze zwischen dem Irak und Syrien zu bombardieren. Nicht nur Bewohner dieser Regionen und ihre Familien fordern ein Ende der türkischen Militäraktionen. Bei den Luftangriffen, die inzwischen mehrere Staaten verurteilt haben, soll es zahlreiche Tote gegeben haben. Besonders betroffen von den türkischen Bombardierungen ist die Heimatregion der Jesiden, das Sinjar-Gebirge – auch Sindschar oder Shingal genannt.

Sowohl der Irak als auch Syrien beklagen die Verletzung ihrer staatlichen Hoheit. Aber Kritik kommt auch aus Washington: Die Angriffe seien weder mit den USA noch mit der Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak abgesprochen gewesen, erklärte ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington. Er rief Ankara dazu auf, alle militärischen Schritte mit den Partnern zu koordinieren. Dies sei
schon allein nötig, um die Sicherheit der Koalitionskräfte zu
gewährleisten.
Die YPG ist in Syrien wichtigster Partner des Westens im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Jets der US-geführten internationalen Koalition unterstützen eine von der YPG angeführte Offensive auf die IS-Hochburg Al-Rakka. Die Miliz kontrolliert im Norden Syriens zudem große Teile der Grenze zur Türkei;

Sowohl der Irak als auch Syrien beklagen die Verletzung ihrer staatlichen Hoheit. “Syrien bekräftigt, dass diese Aggression internationales Recht, die UN-Charter und das Prinzip guter nachbarschaftlicher Beziehungen verletzt”, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana einen Mitarbeiter des Außenministeriums.

Das russische Außenministerium bezeichnete die Angriffe der Türkei im Irak als “inakzeptabel”. Auch ein Sprecher des iranischen Außenministeriums verurteilte die türkischen Luftangriffe gegen das Sinjar-Gebiet.

Die türkische Regierung hat die Luftangriffe gegen die PKK am Dienstag bestätigt. Es sollen bis zu 15 Luftschläge gegeben haben. Dabei wurden offenbar sechs Menschen getötet; es soll sich um sechs Peschmerga-Kämpfer und um einen Zivilisten handeln.

Die USA hatten vor kurzem Soldaten in die Gegend von Manbij geschickt, um dort Kämpfe zwischen den Kurden und der Türkei zu verhindern. Washington hat aber bisher nicht auf die Forderung aus Ankara reagiert, die amerikanische Unterstützung für die syrische Kurdenmiliz YPG zu beenden. Die Türkei stuft die YPG, die mit der PKK verbündet ist, als Terrororganisation ein, die es zu bekämpfen gibt. Bisher gilt Westen der Kampf gegen den sogenannten “Islamischen Staat”, gegen den die YPG vorgeht, als vorrangiges Ziel.

Jets der internationalen Militärkoalition unter Leitung der USA arbeiten mit der YPG zusammen in deren Offensive auf die IS-Hochburg Al-Rakka in Syrien.

Laut jesidischer Internetseiten wie “Ezidi Press” wurde bei den türkischen Angriffen im Irak auch das Ausbildungslager ihrer Kämpfer – der sogenannten YBS – zerstört, die in der Heimatregion der Jesiden für den Kampf gegen die IS-Dschihadisten trainiert werden. Im Lager “Dewreshe Evdi” werden schon seit 2014 jesidische Kämpfer ausgebildet.

Auch in den sozialen Medien macht die Forderung der Kurden die Runde, die ein Ende der türkischen Luftangriffe verlangen.

Während die Jesiden und Kurden gegen die Angriffe protestieren, hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Luftschläge verteidigt. Die Türkei werde nicht zulassen, dass das Sinjar-Gebirge eine Basis der Terrororganisation PKK werde, hieß es aus Ankara.

Die Agentur Anadolu hat das Video des türkischen Luftangriffs veröffentlicht.

In der Türkei unterstützt offenbar auch die größte Oppositionspartei die Angriffe auf die von Kurden und Jesiden bewohnten Gebiete.

Laut der Internetseite von ANF NEWS hat die Türkei in den vergangenen Wochen ihre Militärpräsenz an der Grenze zu Syrien verstärkt – und angeblich auch einen geheimen Militärkorridor eingerichtet

Einer Analyse der Jerusalem Post zufolge geht es bei dem Konflikt grundsätzlich auch um das Machtvakuum, das der schwindende Einfluss der IS-Dschihadisten in der Region zwischen Syrien und dem Irak hinterlässt.

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