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Takata wird abgewickelt: Geschädigte könnten leer ausgehen


Wirtschaft

Takata wird abgewickelt: Geschädigte könnten leer ausgehen

112 Millionen Euro sind eine Menge Geld – aber nicht, wenn man das Achtfache an Verpflichtungen hat. Vertreter der Opfer defekter Airbags fürchten nach der Insolvenz des japanischen Airbagherstellers Takata genau das: Dass Takatas Rückstellungen nicht ausreichen, um alle Geschädigten zu entschädigen. Der Aufwand wird auf bis zu 895 Millionen Euro geschätzt.

„Es wird einfach nicht genug Geld da sein, um die Kosten zu decken“, fürchtet Entschädigungsspezialist Michael Duffy von Duffy & Duffy, New York.

„Takata hat eine feige Art und Weise gewählt, sich der Verantwortung zu entziehen,” so Kevin Dean von der Anwaltskanzlei Motley Rice, Mount Pleasant, South Carolina. Die Kanzler vertritt 25 Kläger in den USA.


INSOLVENZ

In einem der größten Insolvenzfälle Japans hatte sich der Autozulieferer Takata in Japan und in den Vereinigten Staaten unter Gläubigerschutz gestellt. Das Unternehmen präsentierte eine Grundsatzeinigung mit dem amerikanisch-chinesischen Autozulieferer Key Safety Systems, der für rund 1,4 Milliarden Euro den Großteil von Takata übernehmen will. Ausgenommen sind die Teile des Geschäfts, mit denen das Restunternehmen die Airbag-Rückrufe abwickeln will. Auch die finanziellen Ansprüche rund um die defekten Airbags bleiben dort. Takata hat gut acht Milliarden Euro Schulden.


Die Airbags des japanischen Zulieferers können unter Umständen bei einem Unfall zu stark auslösen und damit Fahrer und Mitreisende gefährden. Die Mängel werden für mindestens 16 Todesfälle und mindestens 180 Verletzte weltweit verantwortlich gemacht.

Weltweit musste Takata mehr als 100 Millionen Airbags zurückgerufen und fuhr zuletzt den dritten Jahresverlust in Folge ein. Das vergangenen Geschäftsjahr schloss mit minus 640 Millionen Euro.

DOMINO.-EFFEKT

Und wenn Takata in die Knie geht, könnte die Kostenlawine weiter rollen, in Richtung Autohersteller: Ihnen wird von einigen Beschwerdeführern vorgeworfen, defekte Airbags wissentlich installiert zu haben. Trotz gut 780 Millionen Euro in einem Takata-Entschädigungsfonds in den USA fürchtet Honda nach Medienberichten (AFP), auf Ausgaben sitzenzubleiben. Erst im Mai mussten vier andere Automobilhersteller, darunter Toyota und BMW, Autobesitzer für fehlerhafte Airbags mit 495 Millionen Euro entschädigen.

Sigrid Ulrich mit AFP