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"Kartell" deutscher Autobauer: BMW bestreitet Manipulation


Wirtschaft

"Kartell" deutscher Autobauer: BMW bestreitet Manipulation

Das Erdbeben ist da: Zu Medienberichten («Spiegel») über ein womöglich seit vielen Jahren bestehendes Kartell deutscher Autobauer sagte Branchenguru Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft, Universität Duisburg-Essen: “Der Schritt von der Legalität zur Illegalität ist eine Erschütterung für die Autoindustrie.”

Jetzt wartet die Branche – von der nach deren eigener Überzeugung in Deutschland jeder siebte Job abhängt – auf den Tsunami.

Bisher hat nur BMW reagiert und alle Manipulationsvorwürfe zurückgewiesen: “Fahrzeuge der BMW Group werden nicht manipuliert und entsprechen den jeweiligen gesetzlichen Anforderungen.” Das schrieb der Münchner Autobauer am Sonntag in einem Statement.


Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe:

“Der deutschen Umwelthilfe liegen verschiedenen Dokumente vor, die sehr starke Indizien enthalten, dass es eben nicht zufällige ähnlichkeiten zwischen dem Abgasverhalten verschiedener Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller gibt, sondern dass es abgesprochen ist.”


Der ADAC will “schnellstmögliche Aufklärung”. Aktionärsverbände drohen mit “Milliardenklagen, die das bisher Geschehene noch übertreffen könnten.” Die Grünen fordern eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses im Bundestag – noch vor dem «Nationalen Forum Diesel» in Berlin (2. August). Oliver
Krischer, Ex-Obmann im Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags:
«Das Ganze entwickelt sich zur Fortsetzung des Abgasskandals in neuer
Dimension.”


Dudenhöffer: Entweder muss man die IAA (Internationale Automobil-Ausstellung 16. bis 24. September 2017 in Frankfurt) absagen oder dort in acht Wochen echte Aufklärung und einen Neuanfang starten.“

WIE DASKARTELLFUNKTIONIERT HABEN KöNNTE

Beim Verband der Automobilindustrie gibt es ja auch technische Arbeitskreise, da treffen sich die Autobauer und Ingenieure von Zeit zu Zeit – alles legal,” so Dudenhöffer. “Vielleicht hat man dann in der Pause gesagt – na ja, vielleicht können wir ja ein Stückchen näher zusammenrücken.”

DAS SCHWEIGEN DER KONZERNE

Das Schweigen der Konzerne bei einem Verdacht dieser Tragweite alarmiert
Politiker, Experten, Kritiker: Ein weit verzweigtes Kartell deutscher
Autobauer soll sich zum Schaden von Kunden und Lieferanten in
verschiedenen Fragen abgesprochen haben. Die Recherche des
Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» hat inzwischen auch
die EU-Kommission in Brüssel als oberste Wettbewerbsbehörde im
europäischen Binnenmarkt auf den Plan gerufen.

Darum geht es: Seit den 1990er Jahren sollen Vertreter von Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler geheime Absprachen getroffen haben, die zum Beispiel die Preise für Verbraucher künstlich hoch gehalten haben könnten.
Autobauer könnten auch ihre Macht über Zulieferer genutzt haben, um
gemeinsam Einkaufspreise zu drücken. Die kniffeligste Frage: Begünstigte das
Kartell womöglich die Entstehung der Diesel-Affäre?

Laut «Spiegel» könnte es sehr wohl eine Verbindung zwischen der Abgas-Affäre
und dem Kartell-Krimi geben. Demnach einigten sich die Autobauer auf
besonders kleine AdBlue-Tanks – und damit auf eine möglichst billige
Reinigungstechnik. Das spezielle Harnstoffgemisch AdBlue hilft,
schädliche Stickoxide in Wasserdampf und Stickstoff aufzuspalten.
Der Verdacht: Mit günstigen und (zu) kleinen Tanks sei eine
hinreichende Abgasreinigung nicht machbar gewesen. Ein Problem, das
Ingenieure kreativ werden ließ….

MILLIARDENSCHADEN MöGLICH

Neben dem Imageschaden könnte ein Kartell für die beteiligten
Hersteller unmittelbar Geld kosten. Die Behörden können Strafen von
bis zu zehn Prozent des letzten Jahresumsatzes verlangen. Macht maximal an die 50 Milliarden Euro.

Twitter-Sarkasmus




Sigrid Ulrich mit dpa, Reuters