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Zahl der Waldbrände in Europa verdreifacht - Exklusiv


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Zahl der Waldbrände in Europa verdreifacht - Exklusiv

Exklusiv: Die Zahl der Waldbrände in der EU hat sich in diesem Jahr bereits verdreifacht. Nach Statistiken, die Euronews exklusiv vorliegen, enstpricht das einer Fläche der Größe von Luxemburg.

Im laufenden Jahr gab es 677 Brände – eine enorme Zunahme verglichen mit 215 Feuern, die es in Europa im Durchschnitt in den letzten acht Jahren gab.

Experten machen den Klimawandel für den Anstieg verantwortlich.

Immer öfter werden in Europa in Zukunft Waldbrände wüten, mehr und mehr Flächen werden von ihnen verschlungen, warnen Experten. Die traditionelle Waldbrandsaison habe sich zudem verlängert.

In Portugal, Italien und Kroatien herrschten in den vergangenen Tagen und Wochen hohe Temperaturen. Weil es zudem wenig Niederschläge gibt, steigt die Gefahr für Waldbrände.

Vor weniger als einem Monat kamen mehr als 60 Menschen bei Waldbränden in Portugal ums Leben.

Immer früher, immer länger

Thomas Curt, Wissenschaftler am britischen Forschungsinstitut für Wissenschaft und Technologie für Umwelt und Landwirtschaft, erklärte: “Die globale Erwärmung war ein Faktor für das tödliche Feuer in Portugal. Durch den Klimawandel hat sich die Waldbrandsaison von zwei auf bis zu fünf Monate verlängert”.

Alexander Held, ein Experte am European Forest Institute (EFI), unterstützte Curts Aussage. Brände fingen immer früher an und dauerten immer länger.

“Wir werden viel mehr Brände sehen, und das in Gegenden, in denen es vorher noch nie gebrannt hat”, so Held gegenüber Euronews. “In Spanien brennt es, aber dort ist es keine Überraschung. Wir werden immer mehr und vor allem intensivere Waldbrände im Mittelmeerraum sehen. Aber auch in Ländern, in denen man es absolut nicht erwartet hätte.”

Deutschland, die Niederlande, Dänemark, Österreich und die Schweiz gehören laut Held zu den Ländern, in denen Waldbrände zunehmen werden.

In einer im vergangenen Jahr von der Universität im britischen Leicester ausgeführten Studie wurden allerdings noch Katalonien, Madrid und Valencia als die europäischen Regionen mit der höchsten Gefahr für Waldbrände genannt.

Vorbeugen ist besser als löschen

“Ich würde sagen, dass das Wetter für diese Entwicklungen verantwortlich ist – und Wetter ist letztendlich Klima. Wir haben immer mehr extreme Wetterlagen, also ist es letztendlich der Klimawandel”, so Held.

Allerdings fügte der Wald- und Brandexperte auch hinzu, Klimawandel sei immer eine Art “Ausrede”. Held verlangt mehr Prävention. Um Waldbrände zu verhindern, müssten die Böden besser verwaltet werden.”

Wie der Experte angab, gehörte der Wald, der in Portugal lichterloh brannte, einer privaten Forstfirma, die ihre Profite nicht durch die Einrichtung von Feuerschutzstreifen habe mindern wollen.

Waldbrand-Politik

“In Europa gibt es niemanden, der sich zum Einen für mehr Hubschrauber und Feuerbekämpfung einsetzt, aber zum Andern fordert, 10 Prozent des Budgets in eine strategische Verwaltung der Vegetation zu investieren”, so Held.

“Feuerbekämpfung ist teuer, vor allem Fahr- und Löschflugzeuge. Es würde nur einen Bruchteil kosten, dieses Geld in das bessere Verwaltung der Böden zu investieren.”

Denkbar sei es auch, “Landbesitzer zu entschädigen, die Feuerschutzstreifen einrichten oder eine Risikobewertung durchführen lassen.”

“Das wird momentan vernachlässigt”, so Held. “Tatsächlich ist Feuerbekämpfung politisch und von wirtschaftlichen Interessen getrieben, vor allem in Bezug auf Hubschrauber und Flugzeuge”.

“Wenn man als Politiker mehr Hubschrauber bestellt, wird man als aktiver Politiker bewundert. Aber wenn man Geld investiert in Rodung beispielsweise, dann zeigen die Medien kein Interesse an der Präventionsarbeit.”

Hören Sie hier das Interview mit Alexander Held in voller Länge (auf Englisch)