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Zu wenig Elektroauto-Ladestationen: "Politik gefährdet Industriestandort"

Auf der IAA stellen deutsche Autohersteller Elektroautos nach vorn. Für Autoexperten Dudenhöffer hat die Politik den Technologiewechsel sträflich vernachlässigt

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Zu wenig Elektroauto-Ladestationen: "Politik gefährdet Industriestandort"

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Mit einer Offensive bei Elektrofahrzeugen – zu sehen auf der Auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt, IAA (14. bis 24. September), die von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet wird, versuchen die deutschen Autobauer die Diesel-Krise hinter sich zu lassen. Volkswagen plant bis zum Jahr 2025 mehr als 80 neue Autos mit Elektromotor und investiert 20 Milliarden Euro. BMW will dem US-Elektroautobauer Tesla – auf der IAA nicht zu sehen – demnächst mit einem Elektro-Coupé Paroli bieten. Daimler stellt seine Kleinwagenmarke Smart komplett auf elektrische Antriebe um.


Für den Autoexperten Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Universität Duisburg-Essen, reicht das allein nicht, um die Verunsicherung durch den Dieselskandal zu beenden.

“Wenn diese Krise etwas Positives hat, dann, dass alle gemerkt haben, dass man mit dem Verbrennungsmotor und mit dem Diesel nicht in die Zukunft gehen kann. Die Frage ist, wie gut sind die Länder? Deutschland ist sehr schlecht aufgestellt. Als großes Industrieland fahren wir in Europa hinterher. Selbst Holland ist weiter in der Elektromobilität als Deutschland.

Wir haben jetzt mehr als 12 Jahre eine Bundesregierung, die viel versprochen, aber nichts gehalten hat. Die Lade-Infrastruktur ist katastrophal in deutschen Großstädten. Diese “eine Million Elektroautos” (bis 2020) sind als Wahlkampfansage rausgegangen – mehr nicht. Und wenn man schaut, was jetzt in der Zukunft gemacht wird: Das sind Wahlversprechen wie “300 Millionen Euro in Lade-Infrastruktur”. Aber ein konkreter Plan, wie das denn aussehen könnte, in welchen Großstädten wann welche Ladesäulen existieren – den gibt es nicht. Das ist ein jämmerliches Zeichen. Also: Deutschland muss schneller werden. Die Politik, Berlin ist zu langsam und gefährdet damit den Industriestandort Deutschland.”


Laut Experten vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln, und vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verunsichert die lückenhafte Infrastruktur: Sollten 2020 tatsächlich eine Million Fahrzeuge mit Batterie-Antrieb auf deutschen Straßen rollen, müsse die Zahl der Stromtankstellen rund fünf Mal so hoch sein wie heute. 35.000 öffentliche und sogenannte halböffentliche Ladepunkte, etwa beim Einkaufen, würden gebraucht. Zusätzlich seien bis zu 4.000 Schnellladesäulen für den Alltagsverkehr empfehlenswert – davon gibt es derzeit nur knapp 300.


Sigrid Ulrich