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Amazonasbecken: Massaker an indigenem Stamm

Im Amazonasgebiet werden indigene Völker vertrieben und Tropenholz gerodet, im Kampf um mehr Anbauflächen und für die Rohstoffausbeutung. Die brasilianische Regierung unterstützt die Entwicklung offenbar.

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Amazonasbecken: Massaker an indigenem Stamm

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Die malerische Idylle über dem brasilianischen Teil des Amazonasbeckens trügt. Die weitgehend unberührte Region wird zusehends zum Spielball landwirtschaftlicher Interessen und illegalen Rohstoffabbaus im großen Stil. Zum Leidwesen der brasilianischen Ureinwohner. Die brasilianische Bundesanwaltschaft hat jetzt Ermittlungen aufgenommen, nachdem über ein mutmaßliches Massaker von Goldgräbern an Mitgliedern eines indigenen Stammes berichteten. Dieses habe sich im Bereich des Dreiländerecks zwischen Brasilien, Kolumbien und Peru abgespielt.

Carla de Lello Lorenzi von der Nichtregierungsorganisation Survival International sagte im euronews-Skype-Interview:“Ausgehend von Tonaufnahmen und mehreren Fotos der Minenarbeiter haben diese damit geprahlt, Kontakt zu vollkommen isolierten Ureinwohnern gehabt zu haben, die in dem Gebiet um den Jandiatuba-Fluss leben. Als die Goldsucher auf diesen Stamm getroffen sind, haben sie bis zu zehn Menschen umgebracht, darunter Frauen und Kinder. Sie haben die Leichen zerstückelt und die Leichenteile in den Fluss geworfen, damit sie nicht gefunden werden.

Diese Ländereien (im Amazonasbecken) sind sehr reich an Mineralien und bieten eine enorme biologische Vielfalt. In Kombination mit dem mangelhaften Schutz der indigenen Stämme verspricht das lukrative Geschäfte. Das gilt nicht nur für private Firmen, sondern auch für Teile der Regierung, die private Interessen inb der Region haben. Dabei spielen die Kongressabgeordneten aus den ländlichen Regionen eine wichtige Rolle. Und Präsident Temer steht ihnen nahe. Diese Abgeordneten sind anti-indigen, sie wollen das Land mit seinen Bodenschätzen ausbeuten.

Als Präsident fährt Michel Temer einen strengen anti-indigenen Kurs. In den vergangenen Monaten und im vergangenen Jahr haben indigene Völker in Brasilien viele Rückschläge hinnehmen müssen. Neue Gesetze, die für sie schädlich sind. Und die Ausstellung von Genehmigungen für Rohstoffabbau, speziell von Mineralien. Und schließlich Budgetkürzungen der FUNAI, der Nationalen Stiftung der indigenen Stämme.”

Survival International erklärte weiter, die Kürzung der Gelder sollte die “mächtigen Interessen derer besänftigen, die indigene Gebiete ausbeuten wollten – für Bergbau, Abholzung und Viehzucht”. Nur mit globaler Unterstützung könnten weitere Gräueltaten an der indigenen Bevölkerung verhindert werden. Offiziell gibt es in Brasilien 103 indigene Eingeborenenstämme.