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Der "gute" Tourismus von morgen

Die Welt-Tourismus-Organisation sucht nach Formen des sanften Tourismus, der allen zugutekommt.

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Der "gute" Tourismus von morgen

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Wie kann man Tourismus nachhaltig gestalten und dennoch zur Entwicklung eines Landes beitragen? Experten der Vereinten Nationen berieten darüber in Chengdu im Westen Chinas. Die Hauptstadt der Provinz Sichuan ist berühmt für ihre Pandabären – nicht nur eine Touristenattraktion, sondern hier auch ein wichtiges Forschungsgebiet, da die Riesenpandas bis vor kurzer Zeit als vom Aussterben bedroht galten. Inzwischen wurden sie auf “gefährdet” heruntergestuft – nicht zuletzt auch dank des erfolgreichen Aufzuchtprogramms, das die Stadt Chengdu durchführt.





Und vor dem Hintergrund solcher Projekte hofft die Welt-Tourismus-Organisation der UN auf Fortschritte in der Frage, wie man Tourismus für die Entwicklung eines Landes einsetzen kann, ohne dem Planeten und seinen Bewohnern zu schaden. Nicht umsonst hat die UN-Generalversammlung das Jahr 2017 zum Internationalen Jahr des Nachhaltigen Tourismus für Entwicklung erklärt. Der Appell von UN-WTO-Generalsekretär Taleb Rifai an die Vertreter aus über 130 Ländern: “Bei Nachhaltigkeit geht es um das Leben künftiger Generationen. Keine Gesellschaft, keine Gemeinschaft darf dabei zurückgelassen werden. Das Leben von morgen steht auf dem Spiel. Und wenn wir heute nichts dafür tun, dann ist unser Morgen verloren.”



Tourismus erwirtschaftet laut der Weltorganisation etwa zehn Prozent des globalen Bruttosozialproduktes und ist für etwa jeden elften Job verantwortlich. Aber, so fasst es Perus Vize-Tourismusminister Rogers Valencia Espinoza zusammen: “Die Tourismusbranche muss die Bevölkerung miteinbeziehen und die Armut bekämpfen. Wir stehen vor einer großen Herausforderung, mit 30 Prozent Armutsrate. Es muss da einen positiven Umweltaspekt geben und ein vernünftiges Geschäft, das ausländischen Besuchern ein Qualitätsprodukt anbietet.”

Tourismusministerin Catherine Abelema Afeku aus Ghana: “Tourismus wird in Ghana als Instrument für die Entwicklung genutzt. Die wichtigsten Elemente sind Armutsbekämpfung und Bildung.”

Auch in China ist der Kampf gegen Armut von zentraler Bedeutung. Chengdu kombiniert in seinem Entwicklungsprogramm “Tourismus Plus” den Tourismussektor mit anderen Branchen, erläutert Duo Yang Na Mu von der Stadtverwaltung: “Zum Beispiel Tourismus plus Gesundheitsprogramm und Rehabilitation, Tourismus plus Sport, Tourismus plus Ökologie, Tourismus plus Kultur.”

Mit Tourismus Kulturerbe schützen – das ist ein Ansatz in Portugal. Das Land restauriert mit einem 200-Millionen-Euro-Programm sein kulturelles Erbe, auch um den Tourismus anzukurbeln. Staatssekretärin Ana Mendes Godinho: “Es ist unglaublich, zu sehen, wie dynamisch örtliche Gemeinden Projekte ins Leben gerufen haben, die die Identität der Region in den Mittelpunkt stellen, die regionalen Produkte, und diese Erzeugnisse in Produkte für den Tourismus umwandeln.”

In Japan versucht man, mit Tourismus der alternden Bevölkerung mehr Kontakt zu ermöglichen. Senioren werden als Stadtführer angeworben oder als Gastgeber für Besucher aus dem Ausland. Mamoru Kobori von der japanischen Nationalen Tourismusorganisation: “Die Menschen können ihren Lebensstil und ihre Kultur bewahren, indem sie mit den Besuchern interagieren und befruchtende Gespräche führen, indem sie kommunzieren können.”

Bei der Konferenz in Chengdu verständigte man sich auf eine Rahmenkonvention, die von Umweltverträglichkeit bis zu den Rechten der Tourismusbeschäftigen reicht.