Eilmeldung

Katalonien: Unabhängigkeitsstreben spaltet Dörfer

Die Widersprüche des Konflikts werden anschaulich am Beispiel der nur durch ein Flussbett getrennten spanischen Dörfer San Rafael del Río und El Castell.

Sie lesen gerade:

Katalonien: Unabhängigkeitsstreben spaltet Dörfer

Schriftgrösse Aa Aa

San Rafael del Río, nördlicher Zipfel der Autonomen Gemeinschaft Valenciana, steht vor einem Problem. Das Dorf bildet eigentlich eine Symbiose mit der Gemeinde El Castell, die auf der südkatalanischen Seite des ausgetrockneten Flusses Senia liegt.

Die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien könnte das über Jahrzehnte gewachsene Miteinander zweier Gemeinden jetzt ins Wanken bringen. Bis vor kurzem hat kaum ein Anwohner den Grenzverlauf mitten im Flussbett überhaupt als solchen wahrgenommen.

Der Jugendliche Natziel sagte:“Wir sprechen hier tatsächlich von unterschiedlichen Orten, hier sind die Regionen Valenciana und Katalonien vertreten. Für uns ist es aber eine Ortschaft. Uns trennen nur 100 Meter. Da ist keine echte Grenze.”

Trotzdem ist die Unabhängigkeitsfrage Ortsgespräch. Allerdings wird eine offene politische Diskussion eher vermieden. Aus gutem Grund, meint Héctor, der Wirt eines Cafés in San Rafael del Río:“In meiner Familie sind ein Bruder und ein Neffe für die Unabhängigkeit. Auch einige Freunde. Wenn wir uns treffen, reden wir nicht darüber, weil sonst die Argumente hin und her fliegen. Das geht jetzt schon seit zwei oder drei Jahren so.”

Aber noch nie war die Lage ähnlich angespannt, wie jetzt, nach dem Referendum vom Sonntag, bei dem sich eine große Mehrheit der katalanischen Wähler für die Unabhängigkeit ausgesprochen hat.

Rein praktisch betrachtet steht einer Spaltung von San Rafael del Río und El Castell jedenfalls fast alles entgegen. Die Gemeinden teilen Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft, das Straßennetz, die Stromversorgung und sogar die Vorwahlnummer im – nationalen – Festnetz.