Eilmeldung

Eilmeldung

Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican bekommt den Friedensnobelpreis

Sie lesen gerade:

Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican bekommt den Friedensnobelpreis

Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican bekommt den Friedensnobelpreis
Schriftgrösse Aa Aa

Die Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican (International Campaign to Abolish Nuclear Weapons) hat in Oslo den Friedensnobelpreis bekommen. Ican, die «Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen», kämpft seit 2007 gegen den Widerstand der Atommächte und vieler anderer Länder dafür, Atomwaffen perinternationalem Vertrag zu verbieten. Die Organisation wirkte maßgeblich am UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen mit, der im Juli unterzeichnet wurde und von 122 Staaten unterstützt wird.

"Die Geschichte der Atomwaffen wird ein Ende haben und wir entscheiden, wie das aussieht. Wird es das Ende der Atomwaffen sein? Oder von uns?"

Beatrice Fihn Ican-Direktorin

Beatrice Fihn, Direktorin der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN):

"Die Geschichte der Atomwaffen wird ein Ende haben und es liegt an uns zu entscheiden, wie das aussieht. Wird es das Ende der Atomwaffen sein? Oder wird es das Ende von uns sein? Eines davon wird passieren. Der einzige vernünftige Weg ist, nicht mehr unter Bedingungen zu leben, wo die gegenseitige Zerstörung nur einen Impuls entfernt ist."

Die westlichen Atommächte USA, Großbritannien und Frankreich schickten zur Nobelpreisverleihung keine Botschafter, sondern weniger hochrangige Repräsentanten. Für die Absage gibt es laut Nobelpreiskomitee politische Gründe. Die französische Botschaft sagte norwegischen Medien, man wolle so seine Vorbehalte in Bezug auf das Atomwaffenverbot deutlich machen. Nach Angaben des Senders NRK schickten von den Atommächten nur Russland und Israel ihre Botschafter nach Norwegen.

Solange es Staaten gebe, die Atomwaffen als militärisches Mittel ansehen und Europa davon bedrohtsei, bestehe die Notwendigkeit einer nuklearen Abschreckung, hatte die deutsche Bundesregierung dazu erklärt.

ICAN wurde 2007 bei der Konferenz des Atomwaffensperrvertrags in Wien von der IPPNW – "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" -  und anderen Organisationen ins Leben gerufen und in zwölf Ländern gestartet. 2011 hatte die Kampagne 200 Mitgliedsorganisationen in 60 Ländern, 2017 sind es 468 Organisationen in 101 Ländern.

Die 85jährige Setsuko Thurlow, ICAN- Aktivistin, erzählte bei der Preisverleihung vom Blitz der US-Atombombe über Hiroshima im August 1945 und den tödlichen Folgen, die sie als Teenager mitansehen musste: "Für alle in diesem Saal und alle, die rund um die Welt zuhören, wiederhole ich jene Worte, die ich in den Ruinen von Hiroshima gehört habe: Gib nicht auf, dränge weiter, bewege dich weiter....schau ins Licht."

Am Ende sang John Legend den "Redemption Song"  von Bob Marley, mit "atomic energy" leicht abgewandelt.

DRUCK FÜR VERBOTSVERTRAG

Der Friedensnobelpreis für Ican setzt vermutlich die neun Atommächte und ihre Partner unter Druck. Sie und fast alle Nato-Staaten - darunter Deutschland - tragen den Verbotsvertrag nicht mit. «Der Vertrag hat mächtige Gegner, doch die Idee, Atomwaffen zu verbieten und abzuschaffen, ist weder neu noch naiv», betonte Nobeljurorin Berit Reiss-Andersen. Das Nobelkomitee glaube, ein Verbot könne der entscheidende Schritt zu einer Welt ohne Atomwaffen sein.

DIE IDEE VON ALFRED NOBEL

Der Friedensnobelpreis gilt als wichtigste politische Auszeichnung der Welt. Ins Leben gerufen wurde er vom 1896 gestorbenen schwedischen Dynamit-Erfinder Alfred Nobel. Er beauftragte das norwegische Parlament in seinem Testament, jährlich bis zu drei Persönlichkeiten oder Organisationen für ihre Verdiensteum die Menschheit zu ehren. Die Auszeichnung für Frieden wird als einziger der fünf Nobelpreise im norwegischen Oslo statt in Schwedens Hauptstadt Stockholm vergeben.

Der Preisträger wurde bereits im Oktober bekanntgegebenen, erhält Medaille und Urkunde traditionell aber erst am Todestag Nobels, dem 10. Dezember. Dazu gibt es ein Preisgeld von neun Millionen

schwedischen Kronen (rund 900 000 Euro).

su mit dpa