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Airbus-Spitze wird ausgetauscht - neuer Chef (aus Deutschland?) gesucht

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Airbus-Spitze wird ausgetauscht - neuer Chef (aus Deutschland?) gesucht

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Wenn zwei sich streiten…. bekommt Airbus in den nächsten anderthalb Jahren ein neues Top-Management. Nach wochenlangen Personalspekulationen und Gezerre hinter den Kulissen leitet Europas größter Luftfahrtkonzern einen umfassenden Führungswechsel ein, mit einem Doppel-Abgang des deutschen Konzernchefs Tom Enders und des französischen Verkehrsflugzeug-Chefs Fabrice Brégier.

Während Enders' Abschied 2019 wie ein regulärer Wechsel zum Vertragsende aussehen könnte – allerdings hatte der 58-Jährige noch vor wenigen Monaten eine Vertragsverlängerung fest angesteuert - erscheint der kurzfristige Ausstieg Brégiers als der heftigere Einschnitt. Er war für die zivile Flugzeugsparte zuständig, die für den Großteil des Konzernumsatzes und -gewinns steht, wird laut der Entscheidung des Verwaltungsrats im kommenden Februar sein Amt niederlegen und – nach Medienberichten („FAZ“) - durch Airbus Helicopters-Chef Guillaume Faury ersetzt. Würde heißen: Neuer Chef aus Deutschland gesucht. Zumindest bisher gab es an der Airbus-Spitze immer ein Wechselspiel von Deutschen und Franzosen. Ob sich Faury als auch für den Posten an der Konzernspitze warmlaufen soll, ist Spekulation. Offiziell sucht Airbus intern und extern nach Kandidaten für den Chefposten.

BYE BYE "MAJOR TOM"

Enders war von Mai 2004 bis August 2007 Vorstandsvorsitzender der EADS (heutige Airbus Group). Im August 2007 wurde er zum Unternehmensleiter des europäischen Flugzeugherstellers Airbus ernannt. Seit 2012 ist er Vorstandsvorsitzender der Airbus SE.

Ab 2003 war Brégier CEO von Eurocopter, wurde im Herbst 2006 zum COO von Airbus (seinerzeit die Zivilflugzeugsparte der damaligen EADS) bestellt und diente von 2012 bis 2016 als CEO dieses Bereichs. Im Zuge einer Umorganisation ist er seit 2017 COO des inzwischen als Airbus firmierenden Gesamt-Konzerns und Präsident des Zivilflugzeuggeschäfts.

BEOBACHTER SEHEN TIEFE KRISE

Nach Ansicht von Beobachtern befindet sich Airbus in der tiefsten Krise seit mehr als einer Dekade. Die Fluktuation im Management ist hoch wie nie, nach Korruptionsermittlungen drohen hohe Geldstrafen. Seit Anfang der 2000er Jahre waren immer wieder einschlägige Vorwürfe erhoben worden, unter anderem von Transparency International. Die aktuellen Vorwürfe betreffen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit externen Beratern im Verkehrsflugzeug-Geschäft.

«Der Konzern steht vor einer dreifachen Krise - ethisch, strategisch und beim Management», schrieb die Zeitung «Le Monde».

Wirtschaftlich geht es dem Unternehmen grundsätzlich gut, trotz chronischen Ärgers mit dem Militärtransporter A400M. Im zentralen Verkehrsflugzeugbereich sichert der Auftragsbestand die Produktion für viele Jahre.

Die Europäische Aktiengesellschaft (SE) Airbus SE, von 2000 bis 2013 EADS (European Aeronautic Defence and Space), ist Europas größter Luft- und Raumfahrt- sowie (nach BAE Systems) zweitgrößter Rüstungskonzern. Deutschland und Frankreich sind mit je rund elf Prozent beteiligt und haben zusammen mit dem spanischen Staat (4,20 %, SEPI) eine Sperrminorität. Die deutsche Bundesregierung trat dem Eindruck entgegen, sie wolle Einfluss auf Enders’ Nachfolge nehmen. “Bis 2019 ist er ja noch im Amt”, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Das Vorschlagsrecht habe der Verwaltungsrat von Airbus.

Der Einfluss der Politik war vor vier Jahren beschnitten worden - vor allem auf Betreiben eines Beraters des französischen Präsidenten. Sein Name: Emmanuel Macron.

Sigrid Ulrich mit Reuters, dpa