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"Frauen können das nicht": Geschlechterkluft bleibt - zu viele Klischees

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"Frauen können das nicht": Geschlechterkluft bleibt - zu viele Klischees

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Chancengleichheit für Frauen und Männer, für Mädchen und Jungen bis 2030?

Fehlanzeige, warnt die Organisation "Plan International", die sich für Kinderschutz und insbesondere für die Rechte von Mädchen einsetzt. Sie fordert anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos die Entscheidungsträger in der Wirtschaft auf, gezielt dagegen anzugehen. Gerade der private Sektor spiele dabei eine zentrale Rolle.

Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung sieht als ein Ziel "Geschlechtergleichstellung und Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen" bis zum Jahr 2030 vor.

Doch kein Land in der Welt, auch nicht diejenigen, die sonst bei der Gleichstellung schon fortschrittlicher seien, werde dieses Ziel erreichen, schlägt "Plan International" Alarm:  Diskriminierende Stereotypen würden bis 2030 und darüber hinaus Mädchen und Frauen behindern. In allen Gesellschaften seien Mädchen und Jungen von Geburt an bestimmten Geschlechternormen unterworfen - Einstellungen und Erwartungen über ihre Rolle, ihren Wert, ihr Verhalten. Und gerade bei Mädchen wirke sich dies eher negativ aus.

 

Die Organisation nennt ein paar Beispiele:

  • In Deutschland halte es immerhin knapp ein Drittel (32 Prozent) der Männer für gerechtfertigt, dass ein Mann seine Frau oder Partnerin unter bestimmten Umständen schlägt. Ein Fünftel der deutschen Männer meine immer noch, dass sie in Zeiten knapper Arbeitsplätze mehr Anrecht auf eine Stelle hätten als Frauen.
  • In Belgien kümmerten sich 81 Prozent der Frauen täglich ums Kochen und den Haushalt, aber nur ein Drittel (33 Prozent) der Männer.
  • In Finnland seien nicht einmal ein Viertel (23 Prozent) der Studenten in den MINT-Fächern Frauen.
  • In Australien, den USA und Dänemark berichte mehr als die Hälfte der befragten Frauen, körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt zu haben (Australien 57 Prozent,  USA 55 Prozent, Dänemark 50 Prozent).

Anne-Birgitte Albrectsen, Chefin bei Plan International: "Länder wie Deutschland, die Schweiz und die USA sind Vorreiter bei der Geschlechtergleichstellung, dank ihrer exzellenten Anti-Diskriminierungsgesetze und -politik und dank eines hohen Frauenanteils im Arbeitsleben. Doch das reicht nicht. Selbst in diesen Ländern werden Mädchen und Frauen weiterhin durch schädliche Geschlechterstereotypen ausgebremst. Sie erleiden ein erschreckend hohes Maß an sexueller Gewalt, tragen die Hauptlast der Hausarbeit und hinken Jungen und Männern bei den digitalen Kenntnissen hinterher."

In den über fünfzig Entwicklungsländern, in denen Plan International arbeite, sei die Lage noch schlimmer, klagt die Organisation.

Geschlechternormen, die die Ungleichheit weiter förderten, seien:

  • die Überzeugung, dass der Mann die Führung bei Partnerschaft und Sex übernehmen solle
  • die Einstellung, dass Männer mehr Recht auf einen Job haben als Frauen
  • der Glaube, dass Haushalt und Pflege von Kindern und Angehörigen Frauensache sei.
  • das Klischee, dass Technologie und Wissenschaft eine Männerdomäne seien.

Es werde schätzungsweise 85 bis 100 Jahre dauern, bis die Kluft zwischen den Geschlechtern geschlossen wird, warnt die Organisation, die sich auf eine Studie des Weltwirtschaftsforums beruft - Tendenz steigend. Ihr Appell an die Prominenz aus der Wirtschaft, die sich jetzt in Davos einfindet, insbesondere an privaten Sektor:

  • Null Toleranz gegenüber Belästigung und geschlechterspezifische Gewalt
  • Schaffung eines Arbeitsumfeldes, in dem Frauen ohne Angst vor Nachteilen solche schädlichen Stereotypen anprangern können, und flexibler, familienfreundlicher Arbeitsbedingungen, unter denen auch mehr Männer die Kinderbetreuung übernehmen
  • keine Werbung, die die Stereotypen noch verstärkt
  • Mentoren-Programme für Mädchen und Frauen insbesondere in Informatik, Wissenschaft, Telekom und Technologie
  • Überprüfung der Personalpolitik (Rekrutierung und Beförderung) auf Frauendiskriminierung  "Nur wenn Unternehmen, Zivilgesellschaft, Regierung und die Medien zusammenarbeiten, können wir echte Veränderungen bewirken“, so Albrectsen.

Mehr zum Bericht "The Missing Target" von Planet International hier.