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Präsidentschaftwahl in Russland: Alles Wissenswerte im Überblick

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Präsidentschaftwahl in Russland: Alles Wissenswerte im Überblick

Präsidentschaftwahl in Russland: Alles Wissenswerte im Überblick
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Acht Kandidaten, darunter der amtierende Präsident Wladimir Putin, konkurrieren um das höchste Amt in Russland. Auch wenn der Gewinner fest steht, ist die Abstimmung für das Land dennoch wichtig, da sie die politische Diskussion in den Vordergrund rückt und Hinweise darauf gibt, wie stark Putins Macht wirklich ist.

Die Kandidaten

Die Nachwuchs-Generation

Xenija Anatoljewna Sobtschak

Früher TV-Journalistin jetzt in der Politik aktiv: Xenia Sobtschak

Eine 36-jährige TV-Moderatorin und IT-Girl die eine neue Karriere in der Politik anstrebt. Sie stammt aus einer elitären, politischen Familie. Ihr Vater war als Bürgermeister von St. Petersburg Chef Wladimir Putins. Sobtschak vertritt die Partei der liberalen Bürgerinitiative.

Maxim Suraykin

Der 39-Jährige führt die Partei der (weit linksgerichteten) Kommunisten Russlands an und sehnt sich nach der Wiederherstellung der Sowjetunion. Als fester Stalinist lautet sein Wahlslogan "10 Stalin-Schläge gegen den Kapitalismus".

Die alte Garde

Wladimir Schirinowski

Ein 71-jähriger Karrierepolitiker, der manchmal als Show-man in der russischen Politik beschrieben wird. Der Populist steht seit 1991 bei den Präsidentschaftswahlen an der Spitze der rechts-nationalistischen Liberal-Demokratischen Partei Russlands (LDPR).

Grigori Alexejewitsch Jawlinski, Wirtschaftswissenschaftler

Grigori Jawlinski

Ein 65-jähriger Ökonom und Führer der sozialliberalen Partei Jabloko. Er ist bereits mehrmals bei Präsidentschaftswahlen angetreten.

Wladimir Putin

Reuters
Russlands amtierender Präsident Wladimir PutinReuters

Ehemaliger Spion für Russland und amtierender Präsident: Wladimir Putin geht als unabhängiger Kandidat in das Rennen um sein Amt. Putin war früher Vorsitzenden Partei "Einheitliches Russland", die im Parlament die Mehrheit hat.

Der 65-Jährige ist zudem Gründer der Gesamtrussischen Volksfront - eine Dachorganisation von über 2.000 kleineren Parteien, Gewerkschaften und Interessengruppen, deren Hauptmitglied "Einheitliches Russland" ist.

Die Randfiguren

Sergey Baburin
Der 59-jährige Juraprofessor, der zum Politiker und Kandidat für die nationalistische Volksfront.

Pavel Grudinin
Ein 58-jähriger Erdbeer-Tycoon der Kommunistischen Partei Russlands. Der ehemalige Landwirt ist Chef der Lenin State Farm - Russlands größtem Erdbeerproduzenten - und erzielte zwischen 2011 und 2016 nach Angaben der russischen Wahlkommission Einnahmen in Höhe von 157,4 Millionen Rubel (2.250.000 Euro).

Boris Titov
Ein 58-jähriger Geschäftsmann und Präsidialkommissar für Unternehmerrechte. Als liberaler Befürworter der freien Marktwirtschaft und des Protektionismus der Mittelklasse geht Titov als Chef der Partei des Wachstums, die er 2009 gegründet hat, ins Rennen um die Präsidentschaft.

Neunundzwanzig weitere Kandidaten, darunter der Kreml-Kritiker Alexej Navalny, wurden aus verschiedenen prozeduralen Gründen von der Teilnahme am Präsidentschaftswettbewerb ausgeschlossen. Dazu gehörten Grüne Kandidaten, Monarchisten, Nationalisten und der Leiter einer Stripclub-Vereinigung in Russland.

Wer ist die Opposition?

Abgesehen von weniger bekannten rechten Politikern und den kommunistischen Parteien, ist eine der wenigen alternativen Kräfte bei der Wahl Jawlinski.

Doch dem Mitte-Rechts-Politiker fehlt es bisher an Unterstützung in der Bevölkerung. Im Jahr 2012 wurde sein Versuch, an der Präsidentschaftswahl teilzunehmen, blockiert. Er hatte nicht genügend nachweisbare Unterschriften gesammelt, um sich als Kandidat zu registrieren.

Sobtschak, die einzige weibliche Kandidatin, hat sich auch starke Anti-Establishment-Figur präsentiert, die "gegen alle" ist.

Aber was ist mit Alexei Nawalny?

Als offener Kreml-Kritiker ist die wichtigste Botschaft Nawalnys der Kampf gegen die Korruption. Die Anti-Establishment-Figur hat zahlreiche Proteste gegen die Regierung geführt, die oft zu seiner Verhaftung und Inhaftierung führten.

Der 41-Jährige kündigte seine Kandidatur für die Wahl Ende 2016 an und sammelte die erforderlichen 100.000 Unterschriften, die er für die Registrierung benötigte. Aber er wurde von der Wahlkommission mit Verweis auf sein Strafregister ausgeschlossen.

Nawalny klagte am Obersten Gerichtshof Russlands, aber sein Fall wurde abgelehnt, ebenso wie eine weitere Beschwerde beim Verfassungsgericht. Nawalny rief dann zum Boykott der Wahlen 2018 auf.

Reuters
Nawalny bei einer regierungskritischen Protestaktion in MoskauReuters

"Wenn" Putin gewinnt

Es wird die vierte Wahlperiode für den derzeitigen russischen Präsidenten sein. Er wurde erstmals im Jahr 2000 nach der Machtübergabe durch den damaligen Präsidenten Boris Jelzin gewählt, der sechs Monate vor Ablauf seiner Amtszeit zurücktrat.

Seither hat Putin vier Jahre als Ministerpräsident fungiert, um die verfassungsmäßige Grenze von zwei aufeinander folgenden Präsidentschaftswahlen einzuhalten. Nach dem Ausscheiden von Dimitri Medwedew aus der Präsidentschaft im Jahr 2012 wurde die Amtszeit des Präsidenten von vier Jahren auf sechs Jahre verlängert. So könnte Putin bis 2024 in Russland an der Macht bleiben, dann wäre er 72 Jahre alt.

Wahlergebnisse Wladimir Putins

Wie stimmen die Russen ab?

Es gibt fast 109 Millionen Wahlberechtigte in Russland, die in 94.500 Wahllokalen im ganzen Land ihre Stimmzettel abgeben. Weitere 1,8 Millionen Wähler leben im Ausland und 369 Wahllokale gibt es in Übersee.

Die Wähler müssen lediglich ein Kästchen neben dem Namen ihres bevorzugten Kandidaten ankreuzen und den Stimmzettel einreichen.

Die Kandidatinnen und Kandidaten müssen mehr als die Hälfte der Stimmen erreichen, um den Gesamtsieg zu erzielen, andernfalls rücken die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen in eine Stichwahl, die drei Wochen später stattfindet.