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Drohende US-Strafzölle: Europäer pilgern für den Freihandel nach Washington

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Drohende US-Strafzölle: Europäer pilgern für den Freihandel nach Washington

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In einer konzertierten Aktion versuchen europäische Politiker wie EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier in Washington, kurz vor Inkrafttreten von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium noch Ausnahmen für die EU-Länder zu erwirken. Zuvor hatte auch der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire auf eine einheitliche europäische Lösung gedrungen:

Meinung

"Wie immer unsere Antwort aussieht, sie muss global sein. Es wäre nichts schlimmer für Europa, als wenn jedes europäische Land einzeln mit den USA verhandelt"

Bruno Le Maire Französischer Wirtschafts- und Finanzminister

"Wie immer unsere Antwort aussieht, sie muss global sein. Es wäre nichts schlimmer für Europa, als wenn jedes europäische Land einzeln mit den USA verhandelt, um seine Einzelinteressen auf Kosten der kollektiven europäischen Interessen zu wahren."

Offensichtlich strebt die EU an, dass sie in einem ersten Schritt vorläufig von den Strafzöllen ausgenommen wird, um Zeit für Verhandlungen zu gewinnen. Ausgenommen davon sind bislang nur Kanada und Mexiko, zudem hat Trump für Australien eine Ausnahmeregelung in Aussicht gestellt.

Altmaier sieht Chancen nach einem Treffen mit US-Handelsminister Wilbur Ross.

Peter Altmaier, deutscher Wirtschaftsminister:

„Wir sind übereingekommen, dass Gespräche, sehr intensive Gespräche zwischen Europa und den USA unverzichtbar sind und diese Woche gebraucht werden, um einen Handelskonflikt zu vermeiden, der die vitalen Interessen beider Seiten schädigen könnte. "

Die von Amerikas Präsident Donald Trump verhängten Import-Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl und 10 Prozent auf Aluminium sollen an diesem Freitag in Kraft treten.

US-Präsident Donald Trump will damit die klassische Industrie nach Amerika zurückholen. Die Zölle könnten eine „Kettenreaktion von negativen Konsequenzen für die US-Wirtschaft auslösen und Vergeltungsmaßnahmen provozieren, die Exporte von Landwirtschaft, Waren und Dienstleistungen beeinträchtigen, die Kosten für Unternehmen und Konsumenten in die Höhe treiben“, warnten 45 amerikanische Wirtschaftsverbände, die auch die größten Konzerne des Landes wie Apple, IBM, Nike, Walmart und Googles Mutterkonzern Alphabet vertreten.

Altmaier hat die Hoffnung noch nicht verloren.

Peter Altmaier, deutscher Wirtschaftsminister:

"Es gibt auf beiden Seiten wichtige Punkte, die es ermöglichen würden, einen Kompromiss zu definieren, und das wollen wir erreichen, keine einseitigen Maßnahmen, sondern vereinbarte Maßnahmen zwischen der Europäischen Union und den USA."

USA DRITTGRÖSSTER EXPORTEUR VON STAHL

Laut der Handelskarte des ITC (International Trade Centre) von UNO und WTO ist die Europäische Union als Ganze der größte Exporteur von Stahl. Im Jahr 2016 exportierte sie Stahl im Wert von 109 Milliarden US-Dollar (88,3 Milliarden Euro). Trotz des größten Wertrückgangs seit 2011 blieb China der zweitgrößte Stahlproduzent und exportierte im Jahr 2016 Stahl im Wert von 51,8 Milliarden US-Dollar (42 Milliarden Euro). Die USA sind mit 17,4 Milliarden Dollar (14,1 Milliarden Euro) der drittgrößte Exporteur von Stahl, gefolgt von Südkorea mit 11,1 Milliarden Dollar (9 Milliarden Euro) und Japan mit 9,4 Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro).

Die EU war im Jahr 2016 auch der größte Stahlimporteur der Welt. Tatsächlich steigerte sie ihre Importe gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Milliarden Dollar auf 92,4 Milliarden Dollar (74,9 Milliarden Euro). An zweiter Stelle kamen die USA, die im Jahr 2016 Stahl im Wert von 33,5 Milliarden Dollar (27,1 Milliarden Euro) importierten.

su mit Reuters, dpa, AFP