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US-Strafzölle: China holt zum Gegenschlag aus – mit eigenen Zöllen

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US-Strafzölle: China holt zum Gegenschlag aus – mit eigenen Zöllen

US-Strafzölle: China holt zum Gegenschlag aus – mit eigenen Zöllen
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Die Angst vor einem globalen Handelskrieg hat Asiens Börsen abrutschen lassen. Besonders kräftig ging es in Japan abwärts – minus 4,5 Prozent - nachdem der Yen auf den höchsten Stand seit einem Jahr gestiegen war. In China fiel der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Werten des Festlands um 2,9 Prozent. Der Goldpreis ist wegen der Sorge vor einem globalen Handelskrieg kräftig gestiegen.

«Wenn China Schwierigkeiten hat, haben wir als Lieferant von China Schwierigkeiten»

Martin Wansleben Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

Als Reaktion auf milliardenschwere Strafzölle hat China die USA vor Vergeltung gewarnt und eigene Strafen angekündigt, geplant seien Zölle im Umfang von 3 Milliarden Dollar.

Insgesamt könnten 128 Produkte, darunter Schweinefleisch, Stahlrohre, Früchte und Wein mit Zöllen – die Rede ist von 15 Prozent - belegt werden – wenn keine Einigung mit den USA gefunden wird. «Unter keinen Umständen wird China sich zurücklehnen. Wir sind bereit, unsere legitimen Interessen zu verteidigen», so das Handelsministerium.

Der Pekinger Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou hält Zölle auf weitere US-Agrarprodukte wie Sojabohnen auch für denkbar – sie könnten US-Landwirte hart treffen, unter ihnen viele Trump-Wähler. Auch könnten die Chinesen den US-Flugzeugbauer Boeing ins Visier nehmen und künftig mehr Aufträge an den europäischen Konkurrenten Airbus vergeben.

Cui Tiankai, Chinas Botschafter in den USA:

"Das wird sicher Auswirkungen auf das tägliche Leben der amerikanischen Mittelschicht haben. Es wird sich auf die Bilanz der amerikanischen Unternehmen auswirken. Es wird sich auf die Finanzmärkte auswirken."

Die USA hatten zuvor angekündigt, ihren Rivalen China mit milliardenschweren Strafzöllen belegen zu wollen. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete ein entsprechendes Dekret und begründete dies mit unfairen Handelspraktiken und Diebstahl geistigen Eigentums. Das Paket werde Zölle und andere Maßnahmen im Volumen von etwa 60 Milliarden US-Dollar enthalten, sagte Trump. Details sollen innerhalb von zwei Monaten auf dem Tisch liegen.

Laut Berichten von US-Medien soll vor allem der chinesische Telekom- und Technologiesektor ins Visier
genommen werden. Laut Trump soll sich das Handelsdefizit mit China dadurch sofort um 100 Milliarden
US-Dollar reduzieren. Die Zeiten seien vorbei, in denen China auf Kosten der USA wirtschafte. Der US-Präsident hatte zuvor bereits Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte angekündigt, von denen China
anders als die EU nicht ausgenommen werden soll.

Vertreter der deutschen Industrieverbände haben besorgt auf die Ankündigung der US-Regierung reagiert, China mit milliardenschweren Strafzöllen belegen zu wollen. «Wir alle sind auch ein bisschen China», sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, nach Medienberichten („ARD-«Morgenmagazin»). «Wenn China Schwierigkeiten hat, haben wir als Lieferant von China Schwierigkeiten.»

Das Außenhandelsdefizit Amerikas gegenüber der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt war im ersten Amtsjahr des Präsidenten Donald Trump merklich gestiegen - laut chinesischer Zollverwaltung wuchs der Überschuss Chinas im Handel mit den Vereinigten Staaten 2017 um ungefähr neun Prozent auf knapp 278 Milliarden Dollar (225 Milliarden Euro).

Sigrid Ulrich mit dpa