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Facebook-Chef Zuckerberg soll im US-Kongress "gegrillt" werden

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Facebook-Chef Zuckerberg soll im US-Kongress "gegrillt" werden

Facebook-Chef Zuckerberg soll im US-Kongress "gegrillt" werden
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Mark Zuckerberg übt eine neue Rolle – Bescheidenheit. Der Facebook-Gründer und -Chef stellt sich

An diesem Dienstag und Mittwoch Fragen im US-Kongress. Der 34-jährige hat dafür zusätzlich zur rund 500 Mitarbeiter starken Facebook-Politik- und Kommunikationsabteilung nach Medienberichten ("New York Times") die Hilfe von externen Beratern der Kanzlei WilmerHale eingekauft, die ihn auf das zweitägige "Grillen" im Kongress vorbereitet sollen. Zunächst ist er als Zeuge bei einer gemeinsamen Sitzung des Rechts- und des Handelsausschusses im Senat geladen (ab 20.15 Uhr MESZ am Dienstag). Am Mittwoch steht eine weitere Befragung im Ausschuss für Energie und Handel des US-Abgeordnetenhauses an (ab16.00 MESZ).

Zuckerberg kann sich auf harte Fragen einstellen: Mehrere Senatoren und Abgeordnete kündigten in den vergangenen Tagen bereits an, dass sie den Facebook-Chef hart rannehmen wollen.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor über vier Jahren Informationen von Nutzern unrechtmäßig an die Analyse-Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei ging es nicht nur um die Daten der
Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde.

Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein - darunter potenziell von gut 70 Millionen Amerikaner. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen

Nutzern erhalten. Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Daten-Weitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass sie vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht.

Was Cambridge Analytica mit den Profilen angestellt hat, ist noch nicht klar. Die Firma machte zwar Wahlkampf für US-Präsident Donald Trump, bestreitet aber, die Facebook-Daten für dessen Kampagne genutzt zu haben. Zudem steht der Vorwurf im Raum, die Profile seien für die Brexit-Kampagne der EU-Gegner verwendet worden. Auch das bestreitet Cambridge Analytica.

SIEBEN MILLIARDEN DOLLAR "ÄRMER"

Im Dezember 2010 sagte Zuckerberg seine Beteiligung bei "The Giving Pledge" zu und gab damit das Versprechen, einen Großteil seines Reichtums für wohltätige Zwecke zu spenden. Seit Bekanntwerden des Datenskandals gibt er unfreiwillig – sein Vermögen schrumpfte wegen des fallenden Aktienkurses seit Jahresbeginn um gut 7 Milliarden Euro – da passen Osram oder Axel Springer rein, Puma oder die Metro, Hugo Boss oder Sixt sowieso. Der einst fünftreichste Mensch (71 Milliarden US-Dollar Vermögen, «Forbes») rutschte auf Platz 7 ab (64 Milliarden Dollar Vermögen, Bloomberg Billionaires Index).

Zu lernen hat Zuckerberg viel: Der Umgang der Menschen mit ihren Daten habe sich stark geändert, erzählte er in besseren Zeiten. Die Menschen würden sich wohl fühlen, ihre persönlichen Informationen mit vielen Menschen zu teilen.

Persönlich ist ihm Persönlichkeitsschutz allerdings schon bisher Einiges wert: Er kaufte alle vier Grundstücke um seine Villa in Kalifornien, um sich vor den Blicken neugieriger Nachbarn zu schützen.

Sigrid Ulrich mit dpa