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Verzweifelte Suche nach vermisstem Tengelmann-Chef

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Verzweifelte Suche nach vermisstem Tengelmann-Chef

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Der Chef des Tengelmann-Konzerns Karl-Erivan Haub wird seit Samstag in den Schweizer Alpen vermisst. Nach Informationen der Zeitung Blick verständigten Angehörige die Polizei, als Haub zu einer Verabredung im Hotel in Zermatt nicht wie geplant erschien. Samstagabend hatte sein Handy offenbar das letzte Signal abgegeben.

Schlechte Wetterbedingungen

Die Suche nach dem 58-Jährigen an der Grenze zu Italien läuft auf Hochtouren. Haubs Familie erklärte sich bereit, diese mit einer großen Summe zu finanzieren. Die Suche gestaltete sich nach Angaben der italienischen Bergrettung aber schwierig. Grund seien schlechte Sicht und Lawinengefahr.

Brief des Bruders

Dass die Familie eine Belohnung ausgesetzt hat, wollte ein Unternehmenssprecher bisher nicht bestätigen.

Der Bruder Christian Haub hat einen Brief an die Angestellten des Tengelmann-Konzerns geschrieben, den das Handelsblatt veröffentlicht.

"Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

aus gegebenem Anlass muss ich Ihnen heute leider mitteilen, dass mein Bruder, Karl-Erivan Haub, am Samstag von einer Skitour in den Alpen nicht zurückgekehrt ist und seitdem vermisst wird.

Bergrettungsmannschaften im betroffenen Skigebiet suchen auf Hochtouren und mit allen verfügbaren Mitteln nach ihm. Mein Bruder ist ein sehr erfahrener Skitourengänger und Bergsteiger, so dass wir trotz der Zeit, die inzwischen verstrichen ist, die Hoffnung nicht aufgeben, ihn bald zu finden.

Dennoch stellen wir uns auf eine längere Abwesenheit meines Bruders ein. Natürlich hat sich unsere Familie auf eine solche Situation vorbereitet, so dass der Geschäftsbetrieb ganz ruhig und geordnet weiterlaufen wird.

Bitte halten Sie uns die Daumen, dass wir meinen Bruder schnell finden.

Sobald wir nähere Informationen haben, werden wir Sie umgehend informieren."

Erfolgreiche Geschäftsmänner

Das Unternehmen wurde 1867 gegründet und importierte zunächst Kaffee und weitere Güter aus den ehemaligen Kolonien.

Haub leitete es in fünfter Generation, er hatte dem Familienimperium Tengelmann in den vergangenen Jahrzehnten seinen Stempel aufgedrückt. Der am 2. März 1960 in den USA geborene Sohn des kürzlich gestorbenen Unternehmers Erivan Haub hatte Ende der 1990er Jahre die Führung übernommen und Tengelmann drastisch umgebaut.

Karl-Erivan Haub nahm harte Einschnitte vor. Schritt für Schritt zog er sich aus dem Lebensmittelhandel - der Keimzelle des Unternehmens - zurück. Den Abschluss bildete Ende 2016 der Verkauf der Supermarktkette Kaiser's-Tengelmann. Stattdessen investierte er in den boomenden Online-Handel.

Tengelmann ist eines der weltweit bedeutendsten Handelsunternehmen. Heute gehören zur Unternehmensgruppe 73 Beteiligungen, die einen Umsatz von etwa 30 Milliarden Euro erwirtschaften und mehr als 215 000 Mitarbeiter beschäftigen. Zum Firmenverbund zählen unter anderen der Textildiscounter Kik und die OBI-Baumärkte. Das Forbes Magazin schätzt das Familienvermögen auf rund 5 Milliarden Euro.