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Staatsbankrott, Hyperinflation, Jobkrise - Argentinien bittet IWF nach Achterbahnfahrt wieder um Hilfe

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Staatsbankrott, Hyperinflation, Jobkrise - Argentinien bittet IWF nach Achterbahnfahrt wieder um Hilfe

Staatsbankrott, Hyperinflation, Jobkrise - Argentinien bittet IWF nach Achterbahnfahrt wieder um Hilfe
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Der argentinische Peso steht unter starkem Druck, er verlor in der vergangenen Woche acht Prozent gegenüber dem US-Dollar. Anleger ziehen ihr Geld aus den Schwellenländern ab, um es im wieder
lukrativeren US-Markt zu investieren. Die argentinische Regierung hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Unterstützung gebeten.

"Wir gehen den einzigen möglichen Weg, um eine große Wirtschaftskrise zu verhindern"

Mauricio Macri Präsident Argentiniens

Zur Höhe des angepeilten Hilfspakets äußerte sich die Regierung in Buenos Aires zunächst nicht. Analysten rechneten mit einem Volumen von bis zu 20 Milliarden Dollar (knapp 17 Milliarden Euro).

ZEHN JAHRE EISZEIT

Der IWF und Argentinien haben ein wechselhaftes Verhältnis.

Vor siebzehn Jahren hatte eine vom IWF unterstützte Wirtschaftspolitik Argentinien in die Knie gezwungen. Der Fonds unterstützte das südamerikanische Land mit milliardenschweren Hilfspaketen, bis der ehemalige Präsident Néstor Kirchner (2003-2007) die Beziehungen abbrach und den Schuldendienst einstellte.

Für viele Argentinier ist „Fonds“ seither ein Schimpfwort. Sie assoziieren es untrennbar mit dem sozialen und wirtschaftlichen Chaos, das durch den Staatsbankrott im Jahr 2001 und den Schuldenausfall von 100 Milliarden US-Dollar (84 Milliarden Euro) entstanden war. Mehr als 20 Menschen starben bei Protesten und Plünderungen. In nur zwei Wochen hatte das Land fünf aufeinanderfolgende Präsidenten. In der Folge verlor einer von fünf Argentiniern seinen Job. Der Peso, der an den Dollar gebunden war, verlor zwei Drittel seines Wertes. Banken froren Einlagen ein.

STAATSBANKROTT, HYPERINFLATION, JOBKRISE

Die argentinische Wirtschaft hängt traditionell stark von der Landwirtschaft ab. Bis in die 1950er Jahre wurden fast ausschließlich Agrargüter exportiert. Erst danach setzte eine gelenkte Industrialisierung ein. Die Auslandsverschuldung stieg unter der Militärdiktatur von unter 8 Milliarden US-Dollar im Jahr 1967 auf das 20fache (160 Milliarden US-Dollar) im Jahr 2001.
Nach der Rückkehr zur Demokratie 1983 kam die Hyperinflation. Eine 1:1-Bindung des argentinischen Peso an den US-Dollar stoppte sie, würgte aber die Exporte ab. Die Schulden wuchsen immer weiter.

Das Wohlstandsniveau der 1950er Jahre wurde nie wieder erreicht

Seit dem Amtsantritt von Präsident Mauricio Macri hat sich das Verhältnis zum IWF wieder gebessert. Macri: «Wir gehen den einzigen möglichen Weg, um dem Stillstand zu entkommen und eine große
Wirtschaftskrise zu verhindern, die uns allen schaden würde.»

Sigrid Ulrich mit dpa