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Brustkrebs-Studie: Künftig mehr Hormon- statt Chemotherapien?

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Brustkrebs-Studie: Künftig mehr Hormon- statt Chemotherapien?

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REUTERS/Eric Gaillard/File Photo
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Brustkrebs im Frühstadium kann möglicherweise auch ohne Chemotherapie erfolgversprechend behandelt werden. Wissenschaftler in den USA entwickelten einen Gentest, der bereits im Vorfeld erkennen lassen soll, welchen Frauen eine Chemo nützt oder eher abträglich ist. Diese Möglichkeit der eindeutigen Identifizierung gibt es bislang nicht.

Präsentiert wurde die TAILORx-Studie von der "American Society of Clinical Oncology" (ASCO) und der Fachzeitschrift "The New England Journal of Medicine".

Demzufolge könnten künftig statt derzeitig rund 50 Prozent fast zwei Drittel der entsprechenden Patientinnen ohne die toxische Therapie auskommen. Im Kern wird durch den Test das Rückfallrisiko der Patientinnen innerhalb von zehn Jahren prognostiziert.

An der zehn Jahre dauernden Studie beteiligten sich 10.253 Frauen zwischen 18 und 75 Jahren mit dreifach negativem Mammakarzinom, bei denen sich der Brustkrebs noch nicht in die Lymphknoten ausgebreitet hatte.

Onkologe Dr. Richard Schilsky von der ASCO erläuterte:

"Ich denke, dass Frauen, denen die Brustkrebs-Diagnose im Frühstadium gestellt wird, in Zukunft routinemäßig diesem molekulardiagnostischen Test unterzogen werden. Wenn sie dann ein sehr geringes Risiko für ein erneutes Auftreten haben, erhalten diese Frauen eine unterstützende Hormontherapie. Wenn ein hohes Rückfall-Risiko besteht, erhalten diese Frauen eine Chemotherapie mit ihrer Hormontherapie. Und die Gruppe der Frauen, die die größte Gruppe darstellt, die dieses Zwischenergebnis haben, diese Frauen können jetzt sicher nur mit der Hormontherapie behandelt werden und brauchen keine Chemotherapie. Das war es, was die Ungewissheit ausmachte, und jetzt haben wir den endgültigen Beweis, dass sie keine Therapie brauchen."

Ein weiteres Ergebnis der Studie: viele Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium würden vorschnell einer Chemotherapie unterzogen, weil dies medizinischer Standard sei.

Allerdings hätten einige Patientinnen unter 50 Jahren trotzdem von der Chemo profitiert, was eigentlich im Widerspruch zur Studie stehe. Der Grund dafür sei unklar.

Dr. Harold Burstein vom Dana-Farber Cancer Institute:

"Für aktive, gesunde Frauen ist das mit großer Müdigkeit verbunden, die die Lebensqualität, die Arbeit und die Verantwortung für die Familie einschränken kann. Wir begleiten Frauen andauernd durch Chemotherapien und viele von ihnen haben dabei wirklich nur minimale Probleme. Es ist natürlich immer gut, wenn man in der Lage ist, eine Chemotherapie zu vermeiden, so sie denn unnötig ist."

In Zukunft könnte per Gentest also besser bestimmt werden, in welchen Fällen eine Chemotherapie eher belastend als hilfreich ist. An der Finanzierung der Studie beteiligten sich neben Pharmafirmen auch die Regierungen Kanadas und der USA.