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Deniz Naki: "Özil sollte über Rassismus in der Türkei sprechen"

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Deniz Naki: "Özil sollte über Rassismus in der Türkei sprechen"

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Der deutsch-kurdische Fußballspieler Deniz Naki hat nach dem überraschenden Rücktritt Mesut Özils aus der deutschen Nationalmannschaft gesagt, dass wenn der Starspieler sich wirklich um Rassismus sorgen würde, er seine Kritik gegen die Türkei richten sollte.

Özil hatte Ende Juli seinen Rückzug aus der deutschen Nationalmannschaft angekündigt und eine Debatte über Rassismus in Deutschland und im deutschen Fußball losgetreten. Vor der WM in Russland war Özil für sein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vielfach kritisiert worden, hatte aber zunächst nicht Stellung genommen.

Nach der Weltmeisterschaft, die für Deutschland in der Gruppenphase ein vorzeitigen Ende fand, sah Özil sich als Sündenbock des Deutschen Fußball-Bunds und beklagte sich über rassistische Kommentare von DFB-Präsident Reinhard Grindel.

"Wenn wir gewinnen, bin ich Deutscher – wenn wir verlieren, bin ich Einwanderer", sagte Özil in der Begründung seines Rücktritts, die er auf Twitter veröffentlichte.

Als Reaktion auf Özils Erklärung, schrieb der ehemalige Spieler der Nationalmannschaften U-16, U-17, U-18, U-19, U-20 und U-21 Deniz Naki seine eigene Sicht der Sachlage. Er bezeichnete den Arsenal-Mittelgfeldspieler als Heuchler. Wenn Özil über Rassismus sprechen will, sollte er über Rassismus im türkischen Fußball sprechen, so Naki.

Im Gespräch mit Euronews erklärte Naki, was er damit meinte.

"Ich war in Deutschland nie Rassismus ausgesetzt"

Naki sagte im Interview mit Euronews, er habe im deutschen Fußball nie wegen seiner Herkunft Probleme bekommen. Nakis hat kurdisch-türkische Eltern und wurde in Düren, in Nordrhein-Westfalen geboren.

"Als in Deutschland geborene und aufgewachsene Person, die in deutschen Nationalmannschaften gespielt hat, sage Ihnen ehrlich, ich war nie Rassismus ausgesetzt", so Naki.

"Weder Druck noch Diskriminierung im Verband und in den Vereinen, für die ich in Deutschland spielte."

Im Gegensatz dazu sei er in der Türkei mit Rassismus konfrontiert gewesen, sagte der 29-jährige Mittelfeldspieler.

"In der Türkei war ich Diskriminierung und Rassismus ausgesetzt. In der Türkei läuft alles über die Entscheidungen eines einzigen Mannes. Er kann Sie zum Terroristen erklären oder Sie mit großem Respekt behandeln, wenn er will", behauptete er.

Naki, der von 2015 bis 2018 für den türkischen Zweitligisten Amed SK spielte, wurde im Januar für drei Jahre und sechs Monate vom Profifußball ausgeschlossen, für die Verbreitung "separatistischer und ideologischer Propaganda" über Kurden.

Im vergangenen Jahr war er zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten wegen "Verbreitung terroristischer Propaganda" zur Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans verurteilt worden.

Nakis Auto wurde Anfang des Jahres auf der deutschen Autobahn A4 beschossen. Naki sagte anschließend es sei ein politisch motivierter Angriff auf seine Ansichten gewesen.

Die separatistische PKK, die einen drei Jahrzehnte währenden Aufstand gegen den türkischen Staat geführt hat, wird von der Türkei, den USA und der Europäischen Union als terroristische Organisation eingestuft. Mehr als 40.000 Menschen, die meisten von ihnen Kurden, sind gestorben, seit sie im weitgehend kurdischen Südosten zu den Waffen griffen.

"Özil sollte zum Geschehen in der Türkei Stellung nehmen"

Es sei falsch von Özil, sich als "eine Person zu präsentieren, die sich gegen jegliche Form von Rassismus einsetzt".

"Gibt es Rassismus in Deutschland? Natürlich. Aber es ist nicht nur das Problem Deutschlands, sondern ein globales Problem", sagte Naki.

Wenn Özil gegen Rassismus protestieren wolle, solle er "auf das reagieren, was in der Türkei passiert".

"Ich respektiere, dass er sagt, er sei Türke. Also frage ich ihn, siehst du die Ungerechtigkeiten in der Türkei nicht als Fußballspieler türkischer Abstammung? Siehst du nicht die Unterdrückung und Verfolgung von Menschen kurdischer Herkunft auf dem Spielfeld und in anderen Gebieten?Warum darüber schweigen?"

"Erhebe deine Stimme dagegen und unterstütze sie. Sei eine Stimme gegen die Diskriminierung in deinem eigenen Land und dann werden wir über die Probleme in Deutschland sprechen."

Naki zufolge arbeitet der deutsche Fußballverband "professionell", während er in der Türkei der Politik untersteht.

"Ich kann jetzt in der Türkei nicht mehr Fussball spielen, ich kann verhaftet werden, auch wenn ich in mein eigenes Land gehe", sagte er.

"Ich habe keine Antwort bekommen"

Naki sagte, er habe versucht, mit Özil über die 'Heuchelei zu sprechen, indem er Fragen auf Türkisch, Deutsch und Englisch an ihn richtete.

"Ich habe bis heute keine Antwort bekommen. Ich glaube, ich halte es nicht mehr aus. Denn wenn er mir antwortet, wird er gegen alle seine Worte verstoßen", sagte er.

"Alles war in Ordnung, als er die deutsche Nationalmannschaft und nicht die türkische Nationalmannschaft wählte, aber jetzt ist die plötzlich schlecht? Bisher hat er gesagt, dass er sich wie ein Deutscher fühlt. Was ist jetzt passiert und was hat sich geändert?", fragte er.

Euronews hat den türkischen Fußballverband sowie Özils über seinen Verein Arsenal um Stellungnahme gebeten. Zum Zeitpunkt des Schreibens lage keine Antwort vor.