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Ungeliebte Jobs: Spaniens Gastgewerbe sucht 50.000 zusätzliche Arbeitskräfte, aber keiner reagiert

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Von Jaime Velazquez
Rasanter Kellner in Barcelona während der Corona-Kriese (November 2020)
Rasanter Kellner in Barcelona während der Corona-Kriese (November 2020)   -   Copyright  Emilio Morenatti/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.

Nach zwei harten Corona-Jahren bereitet sich Spanien auf den ersten Sommer ohne Einschränkungen vor. Doch der heiß ersehnte Aufschwung im Tourismus- und Gastgewerbe steht auf der Kippe: Denn es herrscht gravierender Personalmangel.

Juan José Blardony vom Wirtschaftsverband des Hotel- und Gaststättengewerbes Hostelería Madrid sagt: "Den Prognosen zufolge stehen die Zeichen im Tourismus auf Wachstum und dementsprechend werden wir mehr Personal brauchen. Wenn wir auf die Jobbörsen schauen und versuchen, neue Mitarbeiter zu rekrutieren, gibt es nicht genügend qualifizierte Fachkräfte in der Küche oder beim Servieren."

Schätzungen zufolge benötigt das spanische Gastgewerbe in diesem Jahr 50.000 zusätzliche Arbeitskräfte, um die wachsende Nachfrage zu decken. Der Arbeitskräftemangel wirkt sich auf alle Bereiche der Wirtschaft aus.

"Der Mangel an Bewerbern für bestimmte Berufe ist ein allgemeiner Trend in Europa und den Industrieländern", meint Euronews-Reporter Jaime Velazquez. "Aber Spanien hat auch eine der höchsten Arbeitslosenquoten in der Europäischen Union. Drei Millionen Spanier sind arbeitslos und reagieren nicht auf die Stellenangebote."

Millionen Menschen in den USA haben im Zuge der Pandemie freiwillig ihren Job quittiert, "The Great Resignation" heißt das Phänomen, das sich auch in anderen Teilen der Welt bemerkbar macht. Arbeitnehmer:innen kündigen en masse und suchen nach einem sinnvolleren Job zu besseren Konditionen.

Juanvi Martínez von Mercer Consulting erklärt dazu: "Die Flexibilität und die Nebenleistungen, die der Job bietet, spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung. Es geht darum, wie sich mein Job in meinen Lebensstil integrieren lässt, und nicht umgekehrt.

In Spanien erhalten 165.000 Arbeitnehmer:innen aus dem Gastgewerbe Arbeitslosenunterstützung. Einiges deutet darauf hin, dass sie das aktuelle Jobangebot nicht attraktiv genug finden oder vorhaben, in einen anderen Sektor zu wechseln.

"Statt von einer 'Great Resignation' sollten wir in Spanien eher einer 'Great Rotation' sprechen", bestätigt Martínez. "Wir stellen fest, dass Menschen auf der Suche nach anderen Arbeitsbedingungen freiwillig ihren Arbeitsplatz wechseln."

Experten rechnen in Spanien mit bis zu 700.000 neuen Arbeitsplätzen in naher Zukunft - die unbesetzt bleiben werden.