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Klassenzimmer in Abstellkammer: Afghanische Mädchen lernen in geheimen Schulen

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Von Euronews  mit AFP
Geheime Schule in Kabul
Geheime Schule in Kabul   -   Copyright  AP Photo/Ebrahim Noroozi   -  

Seit ihrer Machtübernahme vor einem Jahr haben die Taliban die Rechte von Mädchen und Frauen in Afghanistan massiv eingeschränkt. Eine der brutalsten Entbehrungen: Hunderttausende Mädchen wurden vom Unterricht in weiterführenden Schulen ausgeschlossen.

Doch trotz der Risiken sind im ganzen Land geheime Schulen hinter verschlossenen Türen entstanden. Meist in privaten Wohnhäusern.

Nafeesa geht in die 10. Klasse und berichtet, ihr Bruder sei ein Taliban, er würde ihr nicht erlauben, hierherzukommen. Sie gehe morgens in die Madrasa, die Koranschule, damit ihr Bruder keinen Verdacht schöpfe, als Ablenkungsmanöver und damit sie seine Fragen beantworten könne. Wenn nicht, würde er es schnell herausfinden.

Nur ihre Mutter und ihre ältere Schwester wissen, dass sie am Unterricht teilnimmt. Nafeesa träumt davon, Ärztin zu werden. Doch ohne Sekundarschulabschluss können weder sie noch ihre Mitschülerinnen auf ein Studium hoffen.

Für ihre Zukunft kämpft Tamkin, die an einer der Geheimschulen unterrichtet - und unter der ersten Taliban-Herrschaft 1996 bis 2001 gezwungen war, ihre Lehrerausbildung abzubrechen.

"Ich will nicht, dass es diesen Mädchen so ergeht wie mir. Sie sollen eine bessere Zukunft haben. Derzeit werden wieder viele minderjährige Mädchen zur Heirat gezwungen. Ich wurde im Alter von 12 Jahren zwangsverlobt. Ich musste mir meine Ausbildung hart erkämpfen. Ich möchte nicht, dass sie so viel durchmachen müssen."

Tamkin hat eine Abstellkammer in ihrem Haus zu einem Klassenzimmer umgewandelt und eine Kuh verkauft, um Schulbücher für die Mädchen anzuschaffen, die zumeist aus bettelarmen Familien stammen.

Aktuell unterrichtet sie rund 25 Schülerinnen in Englisch und Naturwissenschaften.