Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Vier Jahre nach Russlands Angriff: Warum Orban in Ungarn die Ukraine als Feind sieht

Das Werbefahrzeug der Nationalen Widerstandsbewegung in Győr am Tag der Pressekonferenz zur Ankündigung der Plakatkampagne am 15. November 2025.
Das Werbefahrzeug der Nationalen Widerstandsbewegung in Győr am Tag der Pressekonferenz zur Ankündigung der Plakatkampagne am 15. November 2025. Copyright  MTI/Vasvári Tamás
Copyright MTI/Vasvári Tamás
Von Rácz K. Bence & Magyar Ádám
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Eines der wichtigsten Themen im Wahlkampf in Ungarn ist der Krieg in der Ukraine. Die Partei von Ministerpräsident Viktor Orban wirft der Oppositonspartei Tisza vor, von Kyjiw finanziert zu werden.

Vor vier Jahren startete Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Zunächst waren die Folgen wohl für kaum jemanden ersichtlich, als die ersten Panzer auffuhren. Aber der Krieg im Nachbarland ist in den Mittelpunkt des ungarischen Wahlkampfs gerückt.

WERBUNG
WERBUNG

Hauptbotschaft von Ungarns Regierungspartei Fidesz ist, dass nur sie Frieden und Sicherheit garantieren und die Menschen in Ungarn vor einem Abgleiten in den Krieg bewahren könne. Die Opposition könne dies nicht und würde ungarische Soldaten in die Ukraine schicken. Am 3. April 2022 errang Fidesz einen größeren Sieg als je zuvor, und Viktor Orbán sprach in seiner Rede am Wahlabend auch über die Ukraine.

"Dieser Sieg wird uns vielleicht für den Rest unseres Lebens in Erinnerung bleiben, weil wir gegen die größte Übermacht ankämpfen mussten. Die Linke zu Hause, die internationale Linke rundherum, die Bürokraten in Brüssel, das ganze Geld und die Organisationen des Soros-Imperiums, die internationalen Mainstream-Medien und am Ende sogar der ukrainische Präsident. Wir hatten noch nie so viele Gegner auf einmal", behauptete der Regierungschef.

Unüberbrückbare Differenzen über russische Energie

Im Jahr 2026 dauert der Krieg weiter an, und Fidesz hat die Ukraine erneut in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfs gestellt. Der Unterschied besteht darin, dass der Ton in vier Jahren viel schärfer geworden ist. 2022 nannte Orbán den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij einen Gegner, aber vor einigen Wochen bezeichnete er die Ukraine in Szombathely nicht als Gegner, sondern als Feind.

Die Ukrainer müssen verstehen, dass sie das permanente Fordern in Brüssel aufgeben müssen, auch dass sie ständig dafür sorgen wollen, dass Ungarn von der billigen russischen Energie abgeschnitten wird. Solange die Ukraine das tut, ist die Ukraine, ich bitte um Entschuldigung, ich muss es sagen, unser Feind.
Viktor Orbán
Ungarns Ministerpräsident

Der Hauptvorwurf der Regierung an die Ukraine lautet, sie wolle Ungarn von der billigen russischen Energie abschneiden, um die Einnahmen Moskaus zu schmälern. Dabei schreckt sie auch nicht davor zurück, die ungarischen Gas- und Öllieferungen zu gefährden. Die Druschba-Ölpipeline liefert seit fast einem Monat kein russisches Gas mehr nach Mitteleuropa, nachdem Ende Januar ein russischer Drohnenangriff den ukrainischen Abschnitt der Pipeline traf.

Laut Ungarns Außenminister Péter Szijjártó ist der Schaden inzwischen behoben, aber die ukrainische Regierung nehme die Öllieferungen absichtlich nicht wieder auf, um Druck auf Ungarn auszuüben. Die ukrainische Regierung bestreitet dies und sagt, die Pipeline sei derzeit nicht bereit, Öl zu transportieren.

Nie dagewesene Maßnahmen gegen die Ukraine

Als "Vergeltungsmaßnahme" hat Ungarn die Lieferung von Diesel gestoppt. Szijjártó zufolge werden die ungarischen Exporte erst dann wieder aufgenommen, wenn russisches Öl über die Druschba-Pipeline ankommt. Die Slowakei hat eine ähnliche Entscheidung getroffen und ihre die Stromexporte in die Ukraine ausgesetzt.

Die ungarische Regierung hat außerdem angekündigt, dass sie das 20. Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland blockiert und sich nicht an dem 90-Milliarden-Euro-Kriegskredit für die Ukraine beteiligt, obwohl Ungarn aus dem Kredit aussteigen könnte. Orbán begründete den außergewöhnlichen Schritt auch damit, dass der ukrainische Öltransit gestoppt werden sollte.

In einem Schreiben an den Präsidenten des Europäischen Rates Antonio Costa erklärte Ungarns Regierungschef, die Ukraine werde die Öllieferungen aus politischen Gründen nicht wieder aufnehmen.

Oppositionspartei Tisza gegenüber der Ukraine zurückhaltend

Im eigenen Land beschuldigt Orbán den Hauptherausforderer von Fidesz, die Tisza-Partei, von Kyjiw und Brüssel finanziert zu werden und die Interessen der Ukraine und nicht die Ungarns zu vertreten. Diese Anschuldigungen hat Péter Magyar, der Tisza-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, zurückgewiesen. Dennoch sind die Straßen in Ungarn seit Monaten mit Plakaten übersät, die auf ein enges Bündnis zwischen Péter Magyar, Ursula von der Leyen und Wolodymyr Selenskyj hinweisen.

Die Tisza-Partei nimmt eine vorsichtige Haltung zur Ukraine ein. So haben ihre Abgeordneten im Europäischen Parlament nicht für den 90-Milliarden-Euro-Kredit gestimmt, und auch im offiziellen Parteiprogramm heißt es, dass sie einen beschleunigten Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union nicht unterstützt.

Oppositionspolitikerin Anita Orbán äußerte sich dazu, als Péter Magyar sie als Tisza-Kandidatin für das Amt der ungarischen Außenministerin vorstellte.

"Hier ist Russland der Aggressor und die Ukraine das Opfer. Wir unterstützen und respektieren die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine, und es ist in unserem Interesse, eine unabhängige Ukraine an unseren Grenzen zu haben. Aber es ist sehr wichtig zu wissen, dass auch wir einen beschleunigten Beitritt der Ukraine zur EU nicht unterstützen. Es wird ein Referendum geben, falls und wenn es dazu kommt, aber wir sehen nicht, dass es in absehbarer Zeit dazu kommt."

Hohe Ablehnung des EU-Beitritts der Ukraine

Die Tatsache, dass der Krieg in der Ukraine in den letzten vier Jahren nicht nur ein außenpolitisches, sondern auch ein innenpolitisches Thema war, hatte sicherlich einen großen Einfluss auf die öffentliche Meinung. Laut einer Eurobarometer-Umfrage vom Herbst 2025 befürworten nur 30 Prozent der Befragten in Ungarn den EU-Beitritt der Ukraine, das ist der niedrigste Wert in der gesamten Europäischen Union. Die Zustimmung lag 2024 bei 42 Prozent.

Im Januar 2026 wurde eine weitere Umfrage zu diesem Thema von Századvég, einer regierungsnahen Organisation für internationale Zusammenarbeit, veröffentlicht. Dieser Umfrage zufolge sind 43 Prozent der Befragten in Ungarn gegen eine EU-Mitgliedschaft der Ukraine, während 56 Prozent dafür sind (und 6 Prozent von ihnen auch einen beschleunigten Beitritt der Ukraine befürworten). Mit diesem Ergebnis liegt Ungarn nicht auf dem letzten, sondern auf dem fünften Platz in der EU-Rangliste.

Die Meinungsumfragen zeigen also kein klares Bild zur Ukraine. Sie zeigen aber auch: erstens, dass die ungarische Gesellschaft in ihrer Wahrnehmung der Ukraine extrem gespalten ist, und zweitens, dass die Unterstützung für die EU-Mitgliedschaft der Ukraine im europäischen Vergleich sehr gering, wenn nicht gar am geringsten ist.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

"Warum hassen Sie die Ukraine?": Ungarn-Minister im Streit mit Journalisten

Nur gegen Öl: Ungarn blockiert EU-Ukraine-Darlehen und Sanktionen gegen Russland

Vier Jahre nach Russlands Angriff: Warum Orban in Ungarn die Ukraine als Feind sieht