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Materadio bringt Radio auf die Bühne

Materadio bringt Radio auf die Bühne
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Das italienische Matera, die diesjährige Kulturhauptstadt Europas, brachte vom 11. bis zum 15. September drei Tage lang das Liveprogramm des staatlichen Radiosenders Rai Radio 3 auf die Bühne.

Die Veranstaltung „Materadio“ fand bereits zum neunten Mal statt. Diesmal allerdings wurde nicht nur die atmosphärische Innenstadt als Schauplatz genutzt, sondern auch der neue, beeindruckende Veranstaltungsort Cava del Sole, ein Kalktuffsteinbruch vor den Toren Materas.

Vor dieser beeindruckenden Kulisse präsentierten die Moderatoren Ehrengäste, Vortragende und Musiker im Rahmen zahlreicher Events, die im ganzen Land live übertragen wurden.

Das diesjährige Materadio fand unter dem Motto „Der Süden“ statt und beschäftigte sich mit den Traditionen, Vorstellungen und sich verändernden Landschaften eines konzeptuellen Südens, der geografische Grenzen hinter sich lässt und sich auf Wege konzentriert, die Menschen vereinen und mitnehmen.

Einer der Ehrengäste war Aktivist und Gewerkschafter Aboubakar Soumahoro, der mit dem Autor und Aktivisten Goffredo Fofi darüber sprach, wie der Mittelmeerraum zu einem Ort der Unsicherheit geworden sei und wie oft Geflüchtete nicht den Schutz bekämen, den sie bräuchten.

Dieses Thema wurde ebenfalls von dem Theaterprojekt „629. Men in Cages“ aufgegriffen, das die Geschichte der 629 Menschen erzählt, denen an Bord der Aquarius im Juni 2018 die Hafeneinfahrt verweigert wurde.

Inmitten des originellen Museums Essenza Lucano, das die Geschichte des regionalen Likörs Amaro Lucano erzählt, erweckte die Singer-Songwriterin Teresa De Sio bei ihrem Konzert „Reason and Feeling“ die Klänge des Südens zum Leben.

Weitere musikalische Highlights waren das „Concerto Italiano“, das eine Stunde antiker Musik für Flöte, Geige, Cello und Cembalo bot, sowie zwei „Musiklektionen“, die sich mit dem musikalischen Dialog und der zeitübergreifenden Inspiration zwischen Musikschaffenden befassten. Zuerst wurde die Musik von Mozart und Haydn in den Mittelpunkt gestellt; die zweite Lektion thematisierte Beethoven und Brahms.

Im Rahmen des Kulturprogramms „Filo Rosso“ (roter Faden) von Rai Radio 3 wurde anhand von acht traditionellen Objekten über drei Tage die Geschichte von Italiens südlichen Regionen erzählt. Zu diesen Objekten gehörten maritime Gegenstände wie Fischfangnetze, ein Kompass, Korallen und Amphoren, die die reiche Geschichte des Mittelmeers erzählen, aber auch Alltagsobjekte wie Lampen und Kerzen.

I pupi (die Puppen) erzählte die Geschichte dieser fast lebensgroßen Marionetten, die in der Welt des Theaters über eine lange Tradition verfügen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfreuten sich die pupi in Inszenierungen von mittelalterlichen Rittergeschichten großer Beliebtheit, aber auch heute noch finden sie regen Anklang. 2008 schafften sie es sogar auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Die Historiker Alessando Vanoli und Amedeo Feniello wurden auf ihrer „Filo Rosso“-Entdeckungsreise von dem Gitarristen Carlo Mascilli Migliorini begleitet. Die letzten der acht Objekte waren le Valigie (die Koffer). Die Vortragenden befassten sich nicht nur mit den physischen Aspekten des Reisens, sondern erzählten auch von den Lebensgeschichten und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, mit denen sich Generationen von Menschen mit Migrationshintergrund auf ihre Reisen begeben haben.

Ein weiteres Highlight war der Livestream von „Hollywood Party“, einer regelmäßigen Sendung auf Rai Radio 3, in der Fachleute und Gäste über das Kino und die neuesten Filme reden. In Matera finden solche Diskussionen ganz besonderen Anklang, da ein Teil der Beliebtheit der Stadt daher kommt, dass sie neuerdings als Kulisse in der Filmwelt sehr gefragt ist.

Viele der Gebäude der Stadt wurden mit dem Stein aus der naheliegenden Materaschlucht gebaut und bis vor einigen Jahrzehnten lebte ein Großteil der Stadtbevölkerung in Höhlenbauten, die bis zum heutigen Tag erhalten sind und sogar renoviert wurden. Daher bietet Matera idealen Ersatz für antike Städte wie beispielsweise Jerusalem und wurde sogar in Mel Gibsons „Die Passion Christi“ als Drehort verwendet.

Jan Garbarek

Ein aktueller Film, der Matera als Hintergrund nutzt, ist der neueste James-Bond-Film „No Time to Die“ (voraussichtliches Erscheinungsdatum 2020), weshalb sich diese Sonderausgabe von „Hollywood Party“ mit James Bond und seinen unterschiedlichen Verkörperungen im Laufe der Jahre beschäftigte.

Das Ziel, Kulturen näher zusammenzubringen, wurde auch von den verschiedenen Konzerten mit internationalen Musikschaffenden aufgegriffen. Ein Höhepunkt dürfte dabei die Performance des norwegischen Jazz-Saxofonisten Jan Garbarek gewesen sein, der zusammen mit dem renommierten indischen Perkussionisten Trilok Gurtu auftrat.

Außerdem wurden Brücken zwischen Matera und ähnlichen Städten auf der ganzen Welt geschlagen. Die Veranstaltung „Matera and Bamiyan, Twins in History“ (Matera und Bamiyan, geschichtliche Zwillinge) verglich die Geschichte der beiden Städte, die es erst nicht leicht hatten, schließlich aber doch ihre jeweiligen Erfolge feiern konnten. Nach der Zerstörung der beiden riesigen, 1500 Jahre alten Buddastatuen im afghanischen Bamiyan durch die Taliban 2001 erwachten die dortigen archäologischen Ausgrabungen zu neuem Leben und in Matera gelang es den früher armen Sassi-Höhlensiedlungen, zu einer Touristenattraktion zu werden.

Im Rahmen der Veranstaltungen wurden auch italienische Persönlichkeiten wie die Astronautin Samantha Cristoforetti, der Autor Andrea Camilleri und der Radsportler Fausto Coppi sowie Traditionen wie die „Pizzica“ geehrt – ein lokaler Volkstanz, der von dem Orchester La Notte della Taranta in der Cava del Sole aufgeführt wurde.

Modena City Ramblers

Am Sonntag, dem 15. September, endete das Programm um die Mittagszeit mit dem „Gran Final“ auf der Piazza San Francesco. Die italienische Volksmusikgruppe Modena City Ramblers übergab den metaphorischen Staffelstab der Kulturhauptstädte Europas an Galway (Irland), das 2020 diesen Titel tragen darf. Die Modena City Ramblers, die für ihre keltischen Einflüsse bekannt sind, wurden auf der Bühne von den irischen Volksmusikern Gearóid Ó Murchú, Ruairi Liam Mac Con Iomaire und Rebecca Ní Éallaithe unterstützt, bekannten Gästen des Traidphicnic, Galways wichtigstem Festival für traditionelle irische Musik.

Dies waren nur einige der zahlreichen Events im Rahmen des Jahresprogrammes, das mit seinen Ausstellungen, Performances und Vorträgen schätzungsweise über eine Million Besucher anlocken wird.

Der Matera 2019 Passport ist die ideale Möglichkeit, das gesamte Programm zu erleben. Für 19 € erhält man freien Eintritt zu allen Veranstaltungen des Jahresprogramms und darf den öffentlichen Nahverkehr unbegrenzt kostenlos nutzen. Für einen kurzen Besuch in Matera gibt es außerdem das Ein-Tages-Ticket für 10 €.