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Ein uraltes Fest - Novruz in Aserbaidschan

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Ein uraltes Fest - Novruz in Aserbaidschan

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Auf den Straßen wird getanzt, Streit wird geschlichtet und Schulden werden beglichen – Novruz, das Fest zum Frühlingsbeginn, das persische Wurzeln hat, wird seit mehr als dreitausend Jahren gefeiert. In Baku, in der Hauptstadt Aserbaidschans, dauern die Feierlichkeiten nicht weniger als eine ganze Woche an. “Aserbaidschan ist bekannt für seine Traditionen. Einen besonderen Platz darunter nimmt das Novruz-Fest ein”, erläutert der Minister für Kultur und Tourismus, Abulfas Garajew. “Die Feierlichkeiten gibt es seit uralten Zeiten. Immer schon haben die Menschen die Wiedergeburt der Natur, das Erwachen neuen Lebens gefeiert. Diese Tradition ist bei uns fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Selbst als es verboten war, den Festtag zu begehen, hielt sich niemand daran.”

Ganz in der Nähe von Baku ist ein Naturwunder zu besichtigen: Der Feuerberg. Zu seinem Namen verhalf ihm das Erdgas, das ihm entströmt, und das brennt. “Yanar Dagh, der Feuerberg, brennt bei jedem Wetter, ob es regnet oder schneit”, sagt Matanat Nabijewa, die als Reiseleiterin arbeitet. “Die Flammen erlöschen nie. Sie sind das Nationalsymbol Aserbaidschans. Das Wort ‘Aserbaidschan’ bedeutet ‘Feuerland’. Die Symolik des Feuers wiederum ist ein wichtiger Teil des Novruz-Festes.” Das ‘Feuerland’ ist seit Jahrtausenden ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen. Auf ihrem langen Weg durch die Geschichte blieben die Menschen dieser Region immer ihren Vorfahren treu, die das Feuer verehrten. Lange vor dem Christentum und dem Islam war der Zoroastrismus oder Zarathustrismus die in Zentralasien verbreitete monotheistische Religion. Der Feuertempel stammt aus dieser Zeit. Das Novroz-Fest geht angeblich auf den Religionsstifter Zarathustra zurück. “Das moderne Novruz-Fest, das heute gefeiert wird, hat seine Wurzeln im Zarathustrismus”, erläutert Raschid Babai, Direktor des Denkmals. “Eine ganze Reihe von Novruz-Traditionen stammen aus jener Zeit. Für die Anhänger der Religion war das Feuer eine Art Kommunion mit Gott. Für uns hingegen ist das Feuer etwas Heiliges, das uns mit der Vergangenheit verbindet.”

Vor kurzem erklärte die UNESCO das Novruz-Fest zu einem multiethnischen Frühlingsfest und zum Kulturerbe der Menschheit. Dazu die UNESCO-Expertin Sanubar Bagirowa: “Zu dem Fest gehört der Jahrmarkt, das Volksfest. Die Organisatoren versuchen, dessen Traditionen zu wahren, obwohl das Ursprüngliche der Volkskunst nie erhalten bleibt. Volkskunst entwickelt und verändert sich unaufhörlich.”

Volksbräuche sind immer auch mit gastronomischen Festen verbunden. Zum Novruz-Fest gehört daher auch eine ganze Reihe von Spezialitäten. “In Aserbaidschan ist dies einer der besten und köstlichsten Festtage”, erklärt uns Afag Gasijewa, künstlerische Leiterin des Mugam Clubs. “Zu unserem Menü gehören zahlreiche Reis- sowie Fleischgerichte. Teil des Festessens sind auch traditionelle Süßspeisen und Trockenfrüchte. Das Menü ist reichhaltig, schmackhaft und – nun, reich an Kalorien.” Die Tagundnachtgleiche, der Frühlingspunkt wird in jedem Dorf und in jeder Stadt mit Novruz-Feuern begangen, die auf den Straßen entzündet werden. “In jedem Hof wird ein Feuer entfacht”, erfahren wir von der Reiseleiterin Nabijewa. “Die Mitglieder einer Familie reichen sich die Hände, tanzen, springen über das Feuer und sagen dabei: ‘Unser Unglück geben wir den Flammen preis.”