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Gebrselassie will Olympisches Gold

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Gebrselassie will Olympisches Gold

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Leichtathletik-Star Haile Gebrselassie hat den renommierten Prinz-von-Asturien-Preis bekommen. Euronews sprach mit ihm über Leben und Karriere.

Haile Gebrselassie rannte als kleiner Junge jeden Tag zur Schule, um den Weg schneller zu schaffen. Heute ist er einer der erfolgreichsten Athleten der Geschichte. Letztes Jahr schockte er die Welt als er seinen Rücktritt bekanntgab. Glücklicherweise änderte er schnell seine Meinung, nächstes Jahr will er in London Olympisches Gold gewinnen.

Bruno Sousa – euronews:

“Haile, als kleines Kind rannten Sie jeden Tag zehn Kilometer zur Schule. Wann haben Sie realisiert, dass Sie damit Ihr Einkommen bestreiten können, dass Sie ein großes Talent haben und für den Rest Ihres Lebens laufen können?”

Haile Gebrselassie:

“Das war 1987 in der Oberstufe. Da gewann ich ein 1500-Meter-Rennen. Die Schule wählte dafür drei Läufer aus, und ich machte viel Druck, um dabei sein zu dürfen. Die hatten etwas Angst, weil ich noch sehr jung war. Schließlich nahmen sie mich aber. Sie sagten: “O.K., versuch Dein Bestes!” Und ich gewann das 1500-Meter-Rennen. Danach dachte ich mir: Warum sollte ich nicht weitermachen? So fing ich mit der Leichtathletik an und bemerkte, dass ich richtig gut laufen kann.

euronews:

“Zwanzig Jahre später haben Sie jetzt den Prinz-von-Asturien-Preis bekommen. Wie fühlt sich das an?”

Gebrselassie:

“Ganz ehrlich, dieser Preis ist für mich der Nobelpreis des Sports. Da braucht man sich ja nur mal die Namen derjenigen anzuschauen, die diesen Preis in den vergangenen Jahren erhalten haben. Dieses Jahr habe ich davon geträumt, diesen Preis zu bekommen. Das Komitee sieht auch, was ich in Äthiopien tue, was ich für meine Leute tue.”

euronews:

“2010 haben sie uns mit ihrer Rücktrittsankündigung ziemlich schockiert. Was ging in ihnen vor?”

Haile Gebrselassie:

“Da war ich auch selbst geschockt! Wenn ich heute daran denke, frage ich ich mich, ob das wirklich ich war. Das war alles zu emotional, nachdem ich beim New-York-Marathon ausgeschieden war. Ich hatte mich so gut auf das Rennen vorbereitet. Dann schied ich aus und musste zur Pressekonferenz. Ich war zu fertig, um mit den Medien zu sprechen. Wenn Sport so ist, dachte ich, muß ich aufhören. Und dann weinte ich.”

euronews:

“Denken Sie denn jetzt über den Zeitpunkt ihres Rücktritts nach?”

Gebrselassie:

“Nein. Im Sport sollte alles von allein passieren. Wenn ich jetzt etwas plane, kommt der Plan doch wieder durcheinander. Ich sage nicht morgen oder nächstes Jahr oder in zwei Jahren. Nein, ich muß weiterlaufen.”

euronews:

“Mit 38 Jahren werden Sie nicht jünger. Glauben Sie, es reicht noch für Olympisches Gold in London?”

Gebrselassie:

“Der nächste Schritt sind natürlich die Olympischen Spiele. Das ist der Traum eines jeden Athleten, und ich wünsche mir einen Sieg. Wenn nicht, dann macht das nichts. Aber ich werde alles dafür tun.”

euronews:

“Vor kurzem hat Patrick Makau ihren Marathon-Weltrekord geknackt. Er ist viel jünger als Sie. Können Sie den Rekord zurückholen?”

Gebrselassie:

“Warum nicht? Im Ernst! Sie vergessen, dass ich ihn an jenem Tag zu dem Rekord getrieben habe. Ich rechnete alles genau durch und sagte zu meinen Tempomachern: “Macht weiter Dampf für zwei Stunden drei Minuten, sonst gibt es keinen Rekord.” Ich wollte einfach nur rennen. Ich hatte vorher klasse trainiert, aber dann klappte es nicht, und Makau profitierte. Was ich jetzt mache? Jetzt versuche ich eben, das Unmögliche zu schaffen.”

euronews:

“Sie sind in der Sportwelt der größte Repräsentant ihres Landes. Fühlen Sie Druck, wenn Sie laufen?”

Gebrselassie:

“Sie haben recht. Natürlich erwarten die Leute viel. Sie wollen Haile Gebrselassie nicht verlieren sehen. Das ist schwierig für mich geworden. Der Druck ist spürbar.”

euronews:

“Wenn Sie merken, dass Sie nicht mehr gewinnen können, hören Sie dann auf?”

Gebrselassie:

“Wenn Du zum Wettbewerb antrittst, willst du gewinnen. Wenn du oft verlierst, warum solltest Du dann noch antreten? So muss man den Wettkampf sehen. Natürlich gewinnt und verliert man mal. Aber wenn man immer verliert, hört man besser auf.”

Das Interview führte Bruno Sousa.