Eilmeldung

Eilmeldung

ITALK zu den Rechten von Tieren

Sie lesen gerade:

ITALK zu den Rechten von Tieren

Schriftgrösse Aa Aa

Alex Taylor fragt in dieser Woche:
“Haben Tiere auch Rechte? Und wenn JA – welche?
Wer verteidigt sie und was riskieren Menschen, die diese Rechte verletzen? Machen wird uns schuldig, wenn wir Fleisch essen? Wenn wir Pelz tragen? Wenn wir in den Zoo gehen?”
Auf all diese Fragen antwortet in Italk
Michel Vandenbosch, Präsident von GAIA, (Aktionsgruppe im Interessse der Tiere).

Alex Taylor
Haben Tiere auch Rechte? Und wenn JA – welche?
Wer verteidigt sie und was riskieren Menschen, die diese Rechte verletzen? Machen wird uns schuldig, wenn wir Fleisch essen? Wenn wir Pelz tragen? Wenn wir in den Zoo gehen?
Auf all Ihre Fragen antwortet heute in Italk
Michel Vandenbosch, Präsident von GAIA.
Was ist GAIA?
Michel Vandenbosch
GAIA – (Aktionsgruppe im Interessse der Tiere) ist ein Tierschutzverein, der in Belgien gegründet wurde. Wir beteiligen uns aber auch an der “Eurogroup for animals”…
Alex Taylor
… einer europäische Bewegung. Kommen wir gleich zur ersten Frage.
Thibaut, Belgium
“Ich bin Thibaut aus Brüssel. Ich habe eine Frage zur Gefügel-Intensivhaltung in Käfigen. Ist das immer noch erlaubt oder wie ist jetzt die Rechtslage?”
Alex Taylor
Eine echt europäische Frage, wobei die Rechtslage sich verändert.
Michel Vandenbosch
“ Ja, aber das betrifft die Legehennen. In den Legebatterien. Käfige in den koventionellen Batterien sind seit dem 1. Januar 2012 verboten.
Nicht aber die sogenannten “ausgebauten Käfige”..
Alex Taylor
Was genau ist das?
Michel Vandenbosch
Das sind etwas größere Käfige mit einem Nest. Aber auf dem Weg zum Nest müssen die Hennen Schlage stehen. Sie haben auch viel zu wenig zu picken, zu scharren. Wir wollen eine Gesetzgebung, die alle Arten von Käfigen verbietet, wir wollen ein System ohne Käfige.
Alex Taylor
Uns wird aber immer gesagt, das ist zu teuer.
Michel Vandenbosch
Nein, nein, ich sage ihnen, wir haben schon große Firmen wie UNILEVER überzeugt, es gibt die Mayonaise “Calvé”, und in Belgien gibt es schon viele Supermärkte, die keine Eier aus Käfighaltung mehr anbieten oder in ihren Produkten verarbeiten.
Alex Taylor
So ist es in Belgien, aber nicht überall in Europa, sagen sie.
Michel Vandenbosch
In Großbritannien gibt es das auch schon, aber man muss es noch weiter auszubauen versuchen.
Alex Taylor
Nun eine weitere Frage:
Gaspard, Belgium
Guten Tag, ist bin Gaspard aus Brüssel.
Wenn ich weiß, dass mein Nachbar ein Tier quält, kann ich ihn dann bei der Polizei anzeigen?
Wird er laut Gesetz bestraft?
Alex Taylor
Gibt es eine EU-Gesetzgebung zur Tierquälerei?
Michel Vandenbosch:
Nein, das wird auf der Ebene der einzelnen Mitgliedsländer entschieden. In Begien gibt es so ein Gesetz, in einigen anderen Ländern der EU auch.
Alex Taylor
Ich kann also zur Polizei gehen und sagen, mein Nachbar quält seinen Hund?
Michel Vandenbosch:
Ja, das geht. Aber sie sollten gleich Beweise mitbringen.
Alex Taylor
Was für welche?
Michel Vandenbosch
Welche? Es kann sein, dass auf der Grundlage der Anzeige die Polizei ermittelt. Die Regeln sind nicht überall gleich. In Belgien z. B. riskiert man höchsten 6 Monate Gefängnis, in Frankreich bis zu zwei Jahre. Was die Art von Tierquälerei anbelangt, so ist im Lissabon-Vertrag festgelegt, dass Tiere innerhalb der Europäischen Union als “sensible Wesen” angesehen werden und dass sie folglich in vielen Bereichen – beim Transport, in der Landwirtschaft – entsprechend als sensible Wesen behandelt werden müssen.
Alex Taylor
Eine andere Frage zum Recht der Tiere
Manolo, Spain
Guten Tag, ich heisse Manolo und komme aus Spanien. Ich möchte fragen, wie die europäische Gesetzgebung das Wohlergehen der Zootiere schützt.
Alex Taylor
Das dürfte etwas komplizierter sein. Schließlich sollte die gute Behandlung der Tiere doch in geschäftlichen Interesse der Zoos liegen.
Michel Vanderbosch
Es existiert dazu tatsächlich eine EU-Richtlinie, die im Großen und Ganzen vorgibt, wie gute Behandlung von Zootieren aussehen sollte.
Alex Taylor
Heisst das, in den europäischen Zoos werden die Tiere gut behandelt.
Michel Vanderbosch
Das Gesetz ist immer die eine Sache. Eine andere ist es, ob es gut umgesetzt, ob die Tiere gut behandelt werden. In den Zoos gibt es die Entwicklung, die immer mehr davon wegkommt, wilde Tiere in Käfigen zu zeigen, es wird mehr und mehr versucht, die Tiere in einem entsprechenden Biotop zu zeigen, wie in der Natur. Das ist viel besser. Aber vor allem in Osteuropa gibt es noch viele Probleme, wo Tiere wirklich gequält werden. Wo nicht für ihr Wohlbefinden gesorgt wird.
Alex Taylor
Die nächste Frage via Web-cam:
Guten Tag, ich heisse Maria und komme aus Spanien. Ich bin Mitglied der Tierschutzorganisation “La Guardia”. Ich möchte fragen, was macht die Aktionsgruppe GAIA konkret gegen den Stierkampf in Europa?
Alex Taylor
Das ist eine speziell spanische Frage. Das bewegt sich etwas, besonders in Katalonien.
Michel Vanderbosch
Katalonien hat den klassischen Stierkampf verboten.
Das fing in Barcelona an, wo die “corrida” zuerst verboten wurde. Ich finde es absolut positiv, das es die Spanier selber sind, die anfingen, sich zu sammenzutun, um gegen den Stierkampf zu kämpfen. Das ist eine sehr gute Sache. Und dabei werden sie von Vereinigungen wie GAIA unterstützt, auch von anderen. Es geht darum, den Spanier beizustehen, die diesem wirklich schandbaren Spektakel ein Ende machen wollen, das sich da “la corrida” nennt.
Alex Taylor
Eine weitere Frage zu den Rechten der Tiere bei ITALK
Guten Tag, ich heisse Felix und komme aus Brüssel. Gibt es eigentlich Gesetze für den Kampf gegen die Pelzindustrie in Europa?
Alex Taylor
Ich gehe mal davon aus, Sie sind gegen Pelzkleidung.
Michel Vanderbosch
Na Klar. Großbritannien hat seit 2003 die Zucht von Pelztieren verboten, Österreich ebenfalls 2005.
Wir in Belgien kämpfen noch für ein Verbot der Pelztierhaltung. Alex Taylor
Wollen Sie dann auch Pelzmäntel verbieten?
Das wäre doch die nächste Etappe?
Ist das realistisch?
Michel Vanderbosch..
Das ist eine Frage der Zeit. Klar ist, es gibt schon eine große Mehrheit. Ich spreche jetzt nicht von den skandinavischen Ländern. Das sind die Ländern, die Pelze produzieren. Da ist der Kampf etwas schwierig. Aber auch meine finnischen Kollegen führen so einen Kampf, um ein Gesetz zu erreichen. Nochmal klar – das wird auf der Ebene der Mitgliedsländer geregelt. Wir kämpfen weiter dafür, dass es einmal überall verboten wird.
Alex Taylor
Unsere nächste Frage bei ITALK
Solèle Leroy aus Belgien. Wenn Vereinigungen wie GAIA für die Rechte der Tiere kämpfen, werden sie dann auch von den Politikern erhört?
Alex Taylor
Sie machen doch selber bei der EU Lobbyarbeit?
Michel Vanderbosch..
Natürlich. Wie machen das in der “Euro-group for animals”. Wir gehen an die Parlamentarier heran, um sie zu sensibilisieren.
Alex Taylor
Wie machen sie das?
Michel Vanderbosch
Wie Sie wissen, hat die EU 2009 den Handel mit Fellen von Seehundbabies verboten. Als erstes Mitgliedsland hat Belgien das schon 2007 gemacht. Die EU folgte dann. Niemals wäre es zu diesem Verbot gekommen, wenn nicht die europäischen Organisationen zusammengearbeitet hätten.
Ich mag wirklich nicht, was in Kanada geschieht. Aber immerhin konnte seit 2009 das Leben von Hunderttausenden von Robbenbabies gerettet werden, die eben nicht mehr auf so grausame Weise abgeschlachtet wurden.
Alex Taylor
Noch eine letzte Frage
Guten Tag, Ich heiss Jean, ich bin Franzose aus der Bretagne. Meine Frage an GAIA: Wie arbeiten sie mit anderen europäischen Vereinigungen zusammen? Zum Beispiel mit SPA in Frankreich, mit anderen in England, Spanien, Portugal, um ein Netzwerk zu schaffen und Lobbyarbeit bei den europäischen Institutionen zu leisten?
Alex Taylor
Es heisst, das Netz gibt es bereits.
Michel Vanderbosch
Genau so ist es und der Herr hat Recht. Man muss gemeinsam handeln. Gemeinsam mus man immer stärker werden.
Alex Taylor
Michel Vanderbosch, vielen Dank.
Die Themen für die nächste Ausgabe von ITALK finden Sie auf der website von euronews und Sie können alle Fragen stellen. Ich werde dafür sorgen, dass Sie gute Antworten bekommen.
Bis bald – aus dem Europaparlament hier in Brüssel.