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Interview mit Rebellenkommandeur in Aleppo

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Interview mit Rebellenkommandeur in Aleppo

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euronews- Reporter Farouk Atig arbeitet mit seinem Kameramann derzeit in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo. Er dokumentiert nicht nur das alltägliche Leid der Zivilbevölkerung. Es ist ihm auch gelungen, im Hauptquartier einer Brigade der “Freien syrischen Armee” mit einem der Kommandeure zu sprechen. Farouk Atig sagt über seinen Weg zu diesem Interview:
«Den Kommandanten des Militärrates in Aleppo zu treffen ist alles andere als einfach. Denn Abdelkader el-Hadji, der 6.000 Mann kommandiert, steht auf den Fahndungslisten des Assad-Regimes ganz oben. Der 32jährige, im Zivilberuf Geschäftsmann, versucht für seine Männer, die ihn respektieren, die Risiken so gering wie möglich zu halten.”
Kommandeur Abdelkader el-Hadji befehligt die Brigade “el Tawhid”, die in den Kämpfen der letzten Tage hohe Verluste hinnehmen musste. Dieser Kommandeur, nach euronews-Informationen einer von dreien in der Region Aleppo, hat nie eine militärische Ausbildung erhalten. Nachdem er dem euronews-Reporter an der Karte die militärische Lager gezeigt hat, beantwortet er auch die Fragen von Farouk Atig:
Gibt es Schwierigkeiten an den verschiedenen Fronten?

Kommandant Abdelkader el Hadji:
“Nein nein, wir sind nicht geschwächt, im Gegenteil, wir sind stärker als zuvor. Die Armee von Assad ist reduziert und seine Soldaten sind demoralisiert. Seine Armee ist nicht fähig, an mehr als einer Front zu kämpfen. Das zeigt sich bei Arkoub, Saba Bahrat, in der Altstadt von Aleppo und in Salah Eddine. Seit sich dort zahlreiche Kämpfe entwickelt haben, zeigt sich, dass sie nicht mehr so stark ist wie früher. Die Armee von Assad ist auch nicht mehr so gut bewaffnet, jedenfalls nicht ausreichend, um an mehreren Fronten gleichzeitg zu kämpfen. Und in dieser Situation haben wir die Absicht, den Kampf an mehreren Fronten gleichzeitg zu eröffnen, um sie so zu schwächen. Die Assad-Leute wissen nicht mehr weiter, sie sind wirklich geschwächt.

euronews Farouk Atig:
Woher kommen Ihre Waffen und haben Sie Kämpfer der Dschihadisten in ihren Reihen?

Kommandant Abdelkader el Hadji:
Die Antwort liegt schon in der Frage.
Wir haben weder Waffen noch internationale Hilfe bekommen. Sie können feststellen, dass andere Länder nichts für uns tun. Die Waffen, über die wir jetzt verfügen, haben wir der Assad-Armee abgenommen. Derzeit gehören dazu einige Panzer. Was stellen Sie sich denn vor, woher wir Panzer haben? Die haben wir von der Assad-Armee erbeutet. Niemand hat uns Panzer gegeben, wir haben sie uns erkämpft. Wie glücklicherweise noch weitere Waffen, Kalaschnikows zum Beispiel.
Dafür danken wir Gott, aber wir brauchen noch mehr, noch modernere Waffen, um uns gegen Luftangriffe zu verteidigen. Aber wie Sie sehen, schaut die internationale Gemeinschaft zu und tut nichts für uns. Was sich im UN-Sicherheitsrat abspielt ist eine Schande. Das syrische Volk wird jeden Tag aufs Neue massakriert, jeden Tag gibt es Tote, werden Frauen und Kinder getötet, werden Häuser und Moscheen zerstört. Eine Schande ist das für den Sicherheitsrat. Sie schauen zu und tun nichts, eine Schande!!! Wo die Assad-Armee sich auf dem Boden nicht mehr halten kann, da bombardiert sie uns von ihren Hubschraubern und MIGs aus. Aber im Gelände kann die Assad-Armee keine Fortschritte mehr machen, sie muss sich wahrlich sehr vorsichtig bewegen.

euronews Farouk Atig:
Haben Sie Kämpfer aus anderen Ländern in Ihren Reihen?

Kommandant Abdelkader el Hadji:
Im Namen meiner Brigade, der El Tawhid, kann ich sagen, bei uns gibt es keine nicht-syrischen Kämpfer. Unsere sind alle aus Aleppo und seinen Vororten, aus Homs, aus Hama und Latakia.
Vielleicht gibt es in anderen Brigaden arabische Kämpfer, aber nicht viele. Wir danken ihnen natürlich dafür. Aber wir brauchen keine Soldaten von aussen, wir brauchen Waffen. Jenen, die da sind, können wir nur danken, weil sie sich wirklich von ganzem Herzen für uns einsetzen. Sie opfern sich für Syrien. Wir kämpfen vereint als Muslime für das syrische Volk. Jene, die da sind, kämpfen für das syrische Volk. Zahlreich sind sie aber nicht.