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Kurden und türkischer Staat auf friedlichem Wege

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Kurden und türkischer Staat auf friedlichem Wege

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Diesen Konflikt gibt es seit mehr als 30 Jahren – und die meiste Zeit schwelte er nicht nur, er brannte lichterloh. Wurde von beiden Seiten gewaltsam ausgefochten. Kurdisches Autonomiestreben gegen türkische Machtansprüche. Noch 2011 setzte der NATO-Staat Türkei seine hochgerüste Armee gegen die rebellischen Kurden ein. Selbst in ihren westeuropäischen Gastländern bombten die Kurden gegen türkischen Einrichtungen wie 1993 in Bonn. Auf 40.000 bis 45.000 wird die Zahl der Opfer in diesem Kampf geschätzt.

Der türkische Präsident Abdullah Gül sagte bei seinem Staatsbesuch in Schweden vor zehn Tagen: “Die Terroristen sind ein spezielles Problem. Bisher haben wir sie bekämpft. Nun aber hoffe ich, dass sie erkannt haben, dass der bewaffnete Kampf keine Lösung bringt. Die Türkei ist entschlossen, auf eigene Initiative hin Maßnahmen zur Entwicklung unserer Demokratie zu ergreifen. Nur so kann auch die Kritik beendet werden, die an uns geübt wurde.” Die Türkei kann international nur gewinnen, wenn sie einem Ausweg aus der Spirale der Gewalt findet, wenn sie statt auf Gewalt auf Demokratie setzt. So sieht es auch die Leitartiklerin Asli Aydintasbas von der liberalen türkischen Zeitung “Milliyet”.

Sie verweist auf die türkischen Ambitionen auf eine Führungsrolle in der Region, womöglich im gesamten sunnitischen Teil der islamischen Welt. “Und wenn man im Nahen Osten in dieser Rolle anerkannt werden will”, so betont sie, “dann sieht es sehr häßlich aus, wenn man im eigenen Land so einen blutigen Kampf führt.”

Ganz ohne Risiko ist dieser Weg für die Regierung nicht. Es sind aber inzwischen so viele Menschen der Gewalt überdrüssig, dass immer mehr Türken und Kurden lieber aufeinander zugehen wollen – wie der Türke Sabahattin Ertin in Istanbul, der seine Regierung dafür lobt. Er spricht von der Angst der vielen Eltern um ihre Kinder, die nicht als Feinde auswachsen sollen. Darum, so meint, unterstützte eine Mehrheit diesen Weg.

Diyarbakir ist mit 1,5 Millionen Einwohnern die größte kurdische Stadt im Osten der Türkei. Hier hoffen sie nicht nur auf Frieden und ein Ende der Unterdrückung – sondern auch auf garantierte Rechte als Minderheit wie die Pflege ihrer eigenen Sprache.