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Kann das neue Eldorado Myanmar die Erwartungen erfüllen?

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Kann das neue Eldorado Myanmar die Erwartungen erfüllen?

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Für Geschäfte und Tourismus gilt Myanmar als das neue Eldorado. Doch kann die junge Demokratie, kann das Land, das ein halbes Jahrhundert lang isoliert war, die Erwartungen erfüllen?

“Politik ist nie leicht, Politik hat kein Ende. Sie geht immer weiter, so lange es Menschen gibt. So lange die Welt besteht, wird es Politik geben”, sagte die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Der Mönch U Pyi Kyaw berichtet: “Sondereinheiten der Polizei überwachen vielerorts die Gebetshandlungen, darunter die Hasstiraden des extremistischen Mönchs Ashin Wirathu.” Vicky Bowman, die eine regierungsunabhängige Organisation leitet, meint:
“Welche Regierung wir bekommen, wird sich nach den Wahlen zeigen. Die Risiken sind zweifellos hoch, die Möglichkeiten ebenfalls.”
Zoe Zaw Latt, Journalist, sagte uns über die politische Lage im Land: “Vor kurzem wurden die Strompreise angehoben, die Leute gingen auf die Straße und die Regierung musste ihr Vorhaben verschieben.” “Erst vor zwei Jahren ging hier ein halbes Jahrhundert Militärdiktatur zu Ende und nun öffnet sich Myanmar der Welt”, erläutert unsere Korrespondentin Isabel Marques da Silva. “Doch sind die Risiken einer neuen Welle der Repression gegen politische Aktivisten, darunter gegen die Mönche und Nonnen der sogenannten Safran-Revolution beseitigt?”

Immer wieder kam es zu ethnisch begründeten Gewaltausbrüchen, es gibt mehr als einhundert Minderheiten und zahlreiche Gruppen von Rebellen. Opfer waren in den vergangenen beiden Jahren vor allem Muslime, mehr als 200 kamen dabei ums Leben. Unser Gesprächspartner U Pyi Kyaw war mehr als 15 Jahre in Haft: “Die Regierung ist es, die zur Gewalt anstiftet. Dabei geht es um die für 2015 geplante Wahl. Auch unter den Bauern und Arbeitern werden Spannungen geschürt. Nicht zuletzt geht es um die aggressive Aneignung von Land.” Die frühere Hauptstadt Rangun ist nach wie vor das politische und wirtschaftliche Herz des Landes. Auch die Medien sind hier angesiedelt. Den Rundfunk- und Fernsehsender Demokratische Stimme Burmas gibt es erst seit einem Jahr. Ethnische Gewalt ist ein Dauerthema. Der Journalist Zoe Zaw Latt sagte uns dazu: “Es wird immer schwieriger. Gibt es Gewalt, werden die Straßen gesperrt. Wir stehen diesbezüglich vor einem physischen Hindernis. Auch haben wir zu einigen Minderheiten in entlegenen Regionen kaum Zugang. Einer unserer Journalisten wurde misshandelt, weil er mit der Kamera Gewaltszenen festgehalten hatte. Seine Kamera wurde beschlagnahmt.” Früher befand sich der Sitz des Senders im Ausland, die Journalisten durften sich nicht zu erkennen geben. Das hat sich geändert, trotzdem sind die für 2015 geplanten Wahlen eine große Herausforderung. Und sein Kollege Than Win Htut meint: “Über die landesweite Abstimmung zu berichten, wird sehr schwierig sein. Es fehlt an Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten, es gibt keine Infrastruktur.”

Die EU hilft beim demokratischen Aufbau. Die Sanktionen wurden aufgehoben, Mitte November nahm eine Expertengruppe aus Brüssel ihre Arbeit hier auf. “Jeder weiß, dass wir uns verpflichtet haben, die Wirtschaft des Landes zu unterstützen, wir wollen dafür sorgen, dass die Menschen eine Arbeit finden. Wir wollen eine wirkliche Partnerschaft aufbauen, was bereits in dem Arbeitskreis Business ein Thema war”, so die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Auch die Oppositionsführerin wurde dazu eingeladen, die weltweit bekannte Friedensnobelpreis-Trägerin. Inzwischen ist sie Abgeordnete und kämpft für eine Verfassungsänderung. Sie strebt das Amt der Landeschefin an: “Wir setzen uns dafür ein, dass die Politik die richtigen Ziele verfolgt. Das geschieht nicht von selbst, auch ist die Arbeit nie getan, man muss immer dran bleiben, Tag für Tag, Jahr für Jahr, über die Jahrzehnte und die Generationen hinweg.”

Das Land gilt als wirtschaftliches und touristisches Eldorado, es hat riesige Öl- und Gasreserven, ist reich an Rohstoffen. Vicky Bowman kämpft mit ihrer Organisation dafür, dass auch die 55 Millionen Menschen und nicht nur Konzerne von dem Reichtum profitieren: “Wenn Investoren Land erwerben, gehen sie große Risiken ein. Denn es muss klar sein, wer die Vorbesitzer waren, ob es möglicherweise vor zwanzig Jahren enteignet worden ist. Geht es um ein Projekt, das es nötig macht, Menschen umzusiedeln, muss man dafür sorgen, dass internationale Standards respektiert und die Menschen entschädigt werden. Zur Zeit aber ist das nicht der Fall.” Der Reichtum eines Landes seien die Menschen, lehrt Buddha. Die Einwohner von Myanmar hoffen, dass der Wirklichkeitsgehalt dieser Worte mit jedem Tag wächst.