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Geldsucher in Davos: Hilfsorganisationen umschwärmen Unternehmen


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Geldsucher in Davos: Hilfsorganisationen umschwärmen Unternehmen

Das Weltwirtschaftsforum ist nicht nur ein Treffen der Mächtigen, sondern auch eine willkommene Gelegenheit für Hilfsorganisationen, Werbung in eigener Sache zu betreiben. Unternehmen sollen vom guten Zweck verzeugt und zur finanziellen Unterstützung bewegt werden.

Das Hungerhilfswerk der Vereinten Nationen ist zum zehnten Mal in Folge in Davos dabei. Schätzungen zufolge leiden eine Milliarde Menschen an Unternährung – fast ein Siebtel der Weltbevölkerung. Das Hungerhilfswerk will diese Zahl auf Null drücken. Dafür benötigt die Organisation massive Unterstützung der Privatwirtschaft, erklärt die Direktorin Ertharin Cousin: “Deshalb ist es so wichtig, dass wir hier sind, dass wir präsent sind. Nicht nur, um persönlich bei Wirtschaftsvertretern zu werben, sondern mit diesen auch darüber zu sprechen, was sie machen können und wie sie helfen können, den Hunger auf der Welt zu stillen”, sagt Cousin.

Kritiker des Weltwirtschaftsforums meinen, die elitäre und abgeriegelte Veranstaltung verstärke das weltweite Ungleichgewicht nur und sei eher ein Teil des Problems als ein Teil der Lösung. Einige Hilfsorganisationen, darunter das Hungerhilfswerk der Vereinten Nationen, sind anderer Meinung. Sie sagen, Davos könne einen echten Unterschied ausmachen.

Goldie Hawn: Hollywood-Diva mit sozialem Gewissen

euronews hat Schauspielerin Goldie Hawn zum Interview getroffen. Die US-Amerikanerin vertritt in der Schweiz ihre Stiftung, die sich für Kinder und Jugendliche einsetzt.

Isabelle Kumar
euronews:
“Ihre Bildungsinitiative versucht, Kindern gefühlsbetonte und soziale Kompetenzen zu vermitteln, um sie fit fürs Leben zu machen. Was sind Ihre Ziele in Davos?”

Goldie Hawn:
“Vorneweg: Unsere Arbeit in den vergangenen zwölf Jahren war sehr, sehr erfolgreich. Unsere Konzeption basiert auf Fakten und nicht mehr auf Schätzwerten. Die Kinder lernen, wie ihr Gehirn funktioniert, und dass man dem Gehirn auch mal eine Pause geben muss. Sie bekommen ein Gespür für Stress und für sich selbst. Ihre Gefühle stehen nun in einem Kontext. Also können sie ihre Emotionen steuern, mit Stress umgehen. Und sie lernen, in ihrer Schulklasse einfühlsam zu handeln und sich einzubringen.”

euronews:
“Sie sagten, dass Sie sich seit zwölf Jahren engagieren. Wie kamen Sie dazu, was war der Auslöser?”

Goldie Hawn:
“Der Auslöser waren die Symptome, die unsere Kinder hatten. Die Kinder haben in ihrem Klassenzimmer Feuer gelegt, Depressionen kamen auf, es gab mehr Selbstmorde als es geben sollte, wenn kleine Kinder involviert sind. Den Kindern wurden zahlreiche Psychopharmaka verabreicht, um sie zu beruhigen. Ich bin mir nicht sicher, was Langzeitstudien zu diesem Thema hergeben und ob es überhaupt Studien gibt, die zeigen, was diese Stoffe für die Entwicklung des Gehirns bedeuten. Viele Kinder gehen dann nicht mehr zur Schule, sie fühlen sich unwohl. Es stürzt heutzutage so viel auf sie ein, so dass diese Dinge untergehen. Aber wir können das nicht mehr ignorieren, denn wir können unsere Kinder nicht unter Drogen setzen, nur weil sie ungezogen sind. Wir müssen das Problem angehen, nicht das Symptom.”

euronews:
“Sie beschäftigen sich also mit den Fähigkeiten, die Kinder haben sollten, wenn sie die Schule verlassen. Welches sind die grundlegenden Fähigkeiten, die Kinder brauchen, um in einer sich schnell ändernden Welt erfolgreich zu sein?”

Goldie Hawn:
“Die Dinge auf diese Weise zu betrachten, wäre sehr optimistisch, aber tatsächlich wirkt sich das weniger darauf aus, wie man mit einer Situation umgeht, wie man einen Konflikt löst und auf welche Weise man Mitgefühl und Verständnis für einen Mitmenschen hat. Es geht um die Bildung einer Gemeinschaft, das Lösen von Problemen – das kann Frieden schaffen. Wenn wir also Friedensstifter wollen, dann müssen wir ihnen die Fähigkeiten geben, ihre Gefühle zu steuern, die Gefühle anderer Menschen zu verstehen und die Fähigkeit, das große Ganze zu betrachten, um die eigentlichen Probleme zu lösen.”

euronews:
“Wie aufgeschlossen ist die Wirtschaft und sind die Politiker hier vor Ort für diese neuen Ideen?”

Goldie Hawn:
“Das Wunderbare, das sich in Davos ereignet, zeigt, wie sehr sich alles entwickelt hat, so dass wir mittlerweile mit vielen Firmen zusammenarbeiten, um unsere Aufmerksamkeitstechniken umzusetzen. Mittlerweile haben wir die Fakten, um uns von dem Stigma zu befreien, dass es sich hier um etwas merkwürdig Religiöses handelt. Das stimmt nicht. Es handelt sich um ein neurologisches Konstrukt. Das Gehirn ist anpassungsfähig, wenn man sich für ein gesünderes und glücklicheres Leben entscheidet. Es gibt Wege, das zu erreichen.”

euronews:
“Ihre Bildungsinitiative füllt Sie ganz offensichtlich sehr aus. Es gibt aber auch Gerüchte über ein Hollywood-Comeback. Ist da etwas dran?”

Goldie Hawn:
“Ja, ich bin auf der Suche und habe bereits Projekte. Aber die vergangenen zwölf Jahre haben mich voll in Anspruch genommen. Ich habe sehr lange in diesem Geschäft gearbeitet und bin dadurch in Welten vorgestoßen, die in mir großes Glück ausgelöst haben. Ich spüre, dass meine Bildungskonzeption funktioniert. Wir gehörten zu den Ersten, die diese Konzeption auf Kinder angewendet haben, wir gehörten zu den Ersten, die sich wirklich mit Kindern beschäftigt und sie in dieser Hinsicht untersucht haben. Ihre Cortisolspiegel und Führungsqualitäten wurden gemessen. Wir haben so viel getan. Das inspiriert mich sehr, weil man dadurch Dinge verändert. Ich kann einen Film machen und jemanden zum Lachen bringen, ich kann jemanden glücklich machen. Das ist eine Dienstleistung und anders als das, was ich tue.

Geschäftsabschlüsse im Bus

Nicht der offizielle, sondern der inoffizielle Teil der Veranstaltungen von Davos ist für viele Teilnehmer von großer Bedeutung. In ungezwungener Umgebung verhandelt es sich mitunter leichter, wie etwa im Bus. euronews ist mitgefahren. Eines der Kernthemen in diesem Jahr war der Weg aus der Wirtschaftskrise. Aber kann Davos tatsächlich etwas ändern oder sogar den entscheidenen Schritt in die richtige Richtung initiieren?

“Wenn Sie nach Mitgefühl suchen, finden Sie es hier auch. Und wenn Sie Geld suchen, können Sie ebenfalls versuchen, es hier zu finden. Meiner Meinung nach ist Davos die beste Trainingsstätte für Körper und Geist. Wir sollten alle versuchen, das Beste herauszuholen”, meint Dan Gillerman von Blackstone.

Kathleen Lacey von der Firma Teneo Strategy sagt: “Unternehmen zeigen ihr Mitgefühl durch Geld. Das sieht man an den finanziellen Zusagen, die jedes Jahr in Davos gemacht werden und die im weiteren Verlauf des Jahres dann fortgesetzt werden.”

Davos lockt mit den großen Themen, mit den großen Fragen. Aber auch der gesellschaftliche Faktor ist nicht zu unterschätzen: “Es ist so, wie ich erwartet habe, und noch besser… Es ist großartig: Die vielen Leute, die vielen Veranstaltungen… Die Stimmung und die Energie… Einfach fantastisch!”, findet Janet Payne von Leighton Holdings. Angelo Pauperio, Mitarbeiter des Unternehmens Sonae, sagt: “Der schönste Moment war wohl der, als ich einen alten Freund getroffen habe, von dem ich nie erwartet habe, das ich ihn hier treffen würde. Er ist jetzt Direktor einer großen Firma. Wir leben inzwischen in verschiedenen Welten, aber das war ein sehr emotionaler Moment.”

Wenn Sie einen unserer Berichte vom Weltwirtschaftsforum 2014 noch einmal anschauen möchten, besuchen Sie unsere Wirtschaftsseiten im Internet.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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