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Lernen in Georgien: Geht die Gleichung auf?

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Lernen in Georgien: Geht die Gleichung auf?

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Vom Kindergarten zur Uni – wie sieht das georgische Bildungswesen aus? Brüssel hat Tiflis im letzten Jahr mit 27 Millionen Euro unterstützt. Ein Teil der Summe war für Reformen im Bildungswesen vorgesehen. Gibt es Fortschritte?

Seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion hat Georgien viele Reformen durchgeführt, darunter auch im Bildungswesen. Aber die schlecht besuchten Kindergärten und Vorschulen, die verpasste Integration ethnischer Minderheiten und die hohe Arbeitslosigkeit stellen weiter ein großes Problem dar.

Kirse im Kindergarten

Frühes Lernen in der Vorschule stellt oft die Weichen für späteren Unterricht. Aber nur die Hälfte der Kinder in Georgien geht zur Vorschule oder in den Kindergarten. Liegt es daran, dass es für die Familien nicht wichtig ist ? Oder weil es nicht genügend Plätze gibt? Obwohl viele alte Schulfassaden einen neuen Anstrich bekommen haben und neue Lehrmethoden auf dem Stundenplan stehen, gehen gerade mal nur die Hälfte aller georgischen Kinder in den Kindergarten oder die Vorschule. Aber es liegt nicht nur an fehlenden Plätzen, dass viele Kinder in Georgien erst in der Grundschule das erste Mal die Schulbank drücken. Für einen Teil der berufstätigen Eltern sind Vorschule und Kindergärten allenfalls praktisch – aber kein Ort, an dem frühes Lernen im Vordergund steht. Um das zu ändern, hat die Regierung mit Hilfe von UNICEF Reformen eingeleitet und ein Vorschulgesetz auf den Weg gebracht, um das System zu verbessern, um das es in der Sowjetära nicht zum besten stand. In vielen ländlichen Gegenden ist die Lage noch schlechter: Dort bleiben 70% der Kinder vor der Grundschule zu Hause, weil es keine Kindergärten gibt. UNICEF hat in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen wie Civitas alternative Zentren eröffnet, um den Kindern zu helfen. Aber schlechte Beleuchtung, kalte Winter und fehlende Mittel erschweren das Vorhaben. Laut UNICEF haben zwei Drittel der Unter-15-Jährigen Probleme beim Lesen, Rechnen oder in den Naturwissenschaften – das schlechteste Ergebnis in Europa.

Georgisch, Aserbaidschanisch, Russisch: Lost in Translation?

Die offizielle Sprache in Georgien ist Georgisch. Viele Jahre lang war Russisch die erste Fremdsprache. Seit kurzem soll mehr Englisch unterrichtet werden. Aber was bedeutet das für Georgier, die weder die eine noch die andere Sprache zu Hause sprechen? Das staatliche Projekt “Unterrichten und Lernen mit Georgien” soll mehr englischsprachige Lehrer nach Georgien holen, damit diese den Kindern Englisch beibringen. Aber traditionell ist Russisch die am meisten gesprochene Fremdsprache. Hinzu kommen viele ethnische Minderheiten, wie können diese besser integriert werden? Die meisten Schulen in einem Umfeld mit ethnischen Minderheiten lehren die Sprache der Minderheit und Georgisch als Zweitsprache. AGs bieten Zusatzstunden für die Schüler, die Georgisch nicht früher lernen konnten.

Universitäten im Zugzwang

Die staatliche Unversität in der georgischen Hauptstadt blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie ist hoch angesehen und hat ehrgeizige Ziele. Die Uni wurde 1918 errichtet. Sie ist die älteste im Kaukasus und wird als beste der gesamten Region gehandelt. Doch auch frisch Diplomierte von dort haben Probleme, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Niedrige Gehälter und Arbeitslosigkeit machen vor allem jungen Georgiern zu schaffen. 2010 schätzte das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, dass rund 80% der arbeitslosen Georgier das Abitur oder sogar einen Hochschulabschluss in der Tasche haben. Finanzielle Engpässe und Personalmangel hemmen das Fortkommen der Universität. Die Regierung versucht derzeit, die Studiengänge besser an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes anzupassen.

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