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Putins Fernostoffensive

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Putins Fernostoffensive

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Russlands Präsident Wladimir Putin ist bei seinem zweitägigen Staatsbesuch in China mit seinem Amtskollegen Xi Jinping zusammengetroffen. Putin wirbt für engere Beziehungen zwischen Russland und China.

Dutzende Abkommen hat Russlands Präsident im Gepäck. Insgesamt sollen bei Putins China-Reise rekordverdächtige 43 Abkommen unterzeichnet werden. Besonders wichtig ist ein Gasabkommen. Aber um die Details wird noch gerungen.

Auch militärisch wollen Russland und China enger
zusammenarbeiten. Die Kooperation zwischen beiden Ländern sei ein wesentlicher Faktor für Sicherheit in der Welt, sagte Putin.

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Die aktuelle Reise von Wladimir Putin nach China ist die erste von zwei für dieses Jahr geplanten. Russlands Beziehungen mit Europa und den Vereinigten Staaten werden kälter als je zuvor in den letzten 25 Jahren und Russland hat deutlich gemacht, dass es mit Peking eine Art “ anti- westliche Allianz “ zu schaffen versucht.
Wird dem Kreml das gelingen? Wir sprechen darüber mit Fjodor Lukjanow, politischer Analyst und Chefredakteur der Zeitschrift “ Russia in Global Affairs” .
Fjodor, wie stehen nach Ihrer Meinung Moskaus Chancen, mit diesen Plänen Erfolg zu haben?

Fjodor Lukjanow
Zunächst spricht niemand offiziell über ein
“ anti- westliche Bündnis . “ Dieses Wort wird weder in Moskau noch in Peking ausgesprochen. Vielmehr betonen beide Seiten die ganze Zeit, dass diese neue Phase der Annäherung nicht gegen den Westen gerichtet ist, dass sie nichts mit dem Westen zu tun hat. Es gehe nur um zwei Länder, zwei wichtige Akteure in der Region Asien-Pazifik, die ihre Kräfte bündeln. Und ich glaube wirklich, dass die “ anti-westliche” Komponente hier nicht ausschlaggebend ist. Vor allem China hat kein Interesse daran, in all diese Streitigkeiten zwischen Russland und Amerika verwickelt zu werden.
Zumindest nicht offiziell. In Russland spricht man von Annäherung an China, seit Jahren schon.
Aber erst jetzt unter dem Einfluss der sich ändernden Bedingungen gewinnen diese Gespräche an Βedeutung. Dass Moskau nun endlich der wachsenden Bedeutung Asiens Rechnung trägt, dafür gibt es einfach keine Alternativen .

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Glauben Sie wirklich, dass es in Moskau keine “anti- westlichen” Motive für diese Annäherung an China gibt?

Fjodor Lukjanow
Ich denke, es handelt sich nicht um anti-westliche Motive, wohl aber gibt es anti-westlichen Ursachen.
Zwischen Russland und den Vereinigten Staaten ist eine Atmosphäre entstanden, die von einigen Kommentatoren “der zweite Kalte Krieg “ genannt wird. Die Vereinigten Staaten zeigen Russland schon mal die Instrumente, vor allem auf dem Gebiet der Wirtschaft. Sie machen sehr deutlich, dass Russland von den globalen Wirtschafts-und Finanzmärkten abgeschnitten werden könnte.
In dieser Situation muss Russland nach Alternativen suchen.

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Ist dieses vom Kreml jetzt angestrebte Bündnis wirklich für Russland von Vorteil? Könnte Russland dabei nicht der schwächere Partner werden?

Fjodor Lukjanow
China fühlt sich in der Pazifikregion dem wachsenden Druck aus den Vereinigten Staaten ausgesetzt. Deshalb dieser Versuch, die eigene Position durch ein Bündnis mit einem so großen Land wie Russland zu stärken. Es stimmt, in wirtschaftlicher Hinsicht ist Russland kleiner als China, hier müssen wir aufpassen und vorsichtig sein, um nicht abhängig zu werden. Ich denke, dass Russland versuchen wird, seine wirtschaftliche Schwäche durch seine politische Tätigkeit und seinen höheren politischen Status zu kompensieren. Wie es das im Moment auch gegenüber dem Westen versucht. Denn in dieser Hinsicht hat Russland China einiges voraus. Ausserdem wird sich Russland darum bemühen, seine wirtschaftlichen Verbindungen nach Asien zu diversifizieren.

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Können die EU und die USA die Annäherung zwischen Moskau und Peking torpedieren ?

Fjodor Lukjanow
Meiner Meinung nach nicht. Und warum sollten sie das wollen? Welche Gründe hätten sie, die Zusammenarbeit der beiden großen Nachbarstaaten mit einer langen Geschichte der Beziehungen zu stören ? Eine andere Sache ist, dass die USA und Europa andererseits auch nicht in der Lage sind, diese Entwicklung zu fördern. Sie können weder so noch so Einfluß nehmen auf Russlands Politik in Richtung Ferner Osten.