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Vergewaltigung als Waffe: Erstmals internationale Konferenz in London

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Vergewaltigung als Waffe: Erstmals internationale Konferenz in London

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Sexualisierte Gewalt ist eine Kriegswaffe: In Bosnien sollen 50.000 Frauen betroffen gewesen sein. Im Kongo werden Vergewaltigungen systematisch eingesetzt. In dem zentralafrikanischen Land wurden laut UN in den vergangenen Jahren mehr als 3600 Menschen Opfer von Übergriffen durch Sicherheitskräfte oder Rebellen. Auch in Syrien ist sexualisierte Gewalt eine Waffe, die die Moral des Gegners schwächen soll. Erstmals beschäftigt sich jetzt eine internationale Konferenz mit dem Thema. Prominentes Flagschiff ist US-Schauspielerin Angelina Jolie. Die Unicef-Sonderbotschafterin und der britische Außenminister William Hague leiten die viertägige Konferenz in London.

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Hague bezeichnete die Vergewaltigung von Frauen durch Soldaten als “eines der großen Massenverbrechen des 20. und 21. Jahrhunderts”. Tatsächlich sind vor allem Frauen Opfer der Übergriffe. Hilfsorganisationen riefen dazu auf, den Ursachen für die Gewalt auf den Grund zu gehen. Eines der größten Probleme sei die Straflosigkeit. Zudem müssten Frauen auch in Friedenszeiten respektiert werden, so die UN-Sondergesandte für sexuelle Gewalt, Zainab Hawa. Sonst könne man sie auch nicht im Krieg beschützen. Dazu kommen Korruption, Armut und ein fehlendes Bewusstsein dafür, dass sexualisierte Gewalt ein schweres Verbrechen ist, so Monika Hauser, Gründerin der Hilfsorganisation “medica mondiale” im Interview mit Deutschlandradio Kultur.

Aber auch Männer sind Opfer: Im Osten des Kongo ist jedes vierte Opfer laut Schätzungen von Hilfsorganisationen männlich. Das Thema ist tabu, in Gesellschaften, in denen Männer als überlegen gelten müssen und Analsex als abartig gilt. Laut Einschätzung von Beobachtern trauen sie sich nicht, zu ihrer Familie zurückzukehren. Bei den Frauen würden die Angreifer laut Berichten von Aktivisten häufig die Genitalien verletzten, so dass sie keine Kinder mehr bekommen können. Massenvergewaltigungen könnten so systematisch Gemeinschaften zerstören.

“Vergewaltigung im Krieg hat nichts mit Sex zu tun”, sagte Angelina Jolie bei der Eröffnung der Konferenz am Dienstag. Es gehe den Tätern um Macht. Sie und Hague arbeiten seit zwei Jahren zum Thema sexualisierte Kriegsgewalt zusammen und haben eine Reihe von Krisengebieten bereist. Hague stellte ein “Protokoll zur Dokumentation und Untersuchung sexualisierter Gewalt in Konflikten” vor. Ziel sei es, internationale Standards bei der Dokumentation von Übergriffen und deren Strafverfolgung in Konfliktgebieten zu definieren, so der Außenminister. Zudem sollten die Armeen in aller Welt gezwungen werden, ihre Soldaten zu Gewaltfreiheit gegen Frauen zu erziehen.

An der Konferenz nehmen Vertreter von 117 Nationen sowie von Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen teil. Am Freitag wird auch US-Außenminister John Kerry erwartet.