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Ägyptischer Großmufti verurteilt islamistischen Terrorismus

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Ägyptischer Großmufti verurteilt islamistischen Terrorismus

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Angesichts der barbarischen Akte der Organisation “Islamischer Staat” im Nahen Osten hat der Großmufti von Ägypten, Schawki Ibrahim Allam, an die Europäer appelliert, die Terroristen der Justiz zuzuführen. In Brüssel sprach er mit unserem Kollegen Charles Salamé, um seine Position gegenüber dem Terror der Gruppe darzulegen.

euronews: “Eure Eminenz, herzlich willkommen bei euronews.”

Schawki Ibrahim Allam: “Guten Tag.”

euronews: “Derzeit wird Menschen im Namen der Religion die Kehle durchgeschnitten. Glauben Sie, dass diese Organisationen, die den Terror in die arabischen Gesellschaften tragen, das Recht haben, dies im Namen der Religion zu tun?”

Schawki Ibrahim Allam: “Wer diese Organisationen beobachtet – allen voran den ‘Islamischen Staat im Irak und der Levante’ -, wird feststellen, dass sie mit der wahren Religion, dem Islam, nichts zu tun haben. Alle Rechtfertigungen im Namen der Religion, die diese Organisationen geben, haben nichts mit der echten und wissenschaftlichen Auslegung der fundamentalen Texte des Islam zu tun. Deshalb haben wir von Anfang an, als diese Organisationen entstanden, gesagt, dass sie in keiner Weise den Namen ‘Islamischer Staat’, den sie sich selbst gegeben haben, verdient haben. Wir haben das den Medien bereits mitgeteilt, dass sie diese Beschreibung ändern und diese Organisationen der Terrorgruppe al-Qaida zuordnen sollen.”

euronews: “Für Sie agieren diese Organisationen also im Namen des Islam, sie haben jedoch nichts mit dem muslimischen Glauben zu tun?”

Schawki Ibrahim Allam: “Diese Organisationen handeln nicht im Namen des Islam. Der Islam respektiert den Menschen und die Zivilisation. Er ruft nicht zu Zerstörung, zu Massakern oder zu Vertreibungen auf.”

euronews: “Kommen wir auf ein wichtiges Thema in Europa zu sprechen, den Terrorismus. Welche Botschaft haben SIe für diejenigen, die kämpfen wollen, hier oder an der Seite dieser terroristischen Organisationen?”

Schawki Ibrahim Allam: “Es gibt zahlreiche Gefahren angesichts der derzeitigen Geschehnisse, die man erkennen kann. Für diejenigen, die glauben, dass nach ihrer Auffassung das, was sie tun, der Dschihad, ein ‘Heiliger Krieg’, ist. Ihre Auffassung ist eine ganz andere als die, die der Dschihad nach den legalen, juristischen und wissenschaftlichen Erklärungen der Scharia tatsächlich ist. Was dort geschieht, ist alarmierend für Europa. Wir wünschen, dass man sich dieses gefährlichen Problems bewusst ist, denn der Terrorismus bedroht nicht nur eine bestimmte Region, sondern alle Nationen.”

euronews: “Außer, dass Sie empfehlen, aufmerksam zu sein; was raten Sie den Europäern? Wie sollen sie handeln?”

Schawki Ibrahim Allam: “Die Europäer müssen sich Institutionen zuwenden, die sich mit dem Islam befassen, etwa der al-Azhar-Universität in Kairo. Das ist der richtige Weg. Diese in der Geschichte verwurzelten Institutionen werden Erklärungen liefern und zu einem echten Verständnis des Islam führen.”

euronews: “Glauben Sie, dass die Legitimität der al-Azhar die Imame in Europa beeinflussen kann?”

Schawki Ibrahim Allam: “Wir haben die Aufmerksamkeit der Europäer bereits, sie müssen wissen, wie sie die Situation beurteilen. Die Berichte, die wir erhalten, sind aber sehr besorgniserregend.”

euronews: “Eure Eminenz, wie kann man die Fatwas, die islamischen Rechtsurteile, die junge Europäer dazu bringen sich den Dschihadisten anzuschließen, eingrenzen?”

Schawki Ibrahim Allam: “Unsere Institutionen in Ägypten, wie die al-Azhar-Universität, versuchen die Ideen aufzuspüren, die sich in den Medien verbreiten und die zu Gewalt, Zerstörung oder Verwüstungen aufrufen. Wir tun unsere Pflicht und entlarven diese Ansichten in jedem einzelnen Fall.”

euronnews: “Glauben Sie, dass diese Jugendlichen aus religiösen oder politischen Gründen getäuscht werden?”

Schawki Ibrahim Allam: “Es gibt eine Gesamtheit von Faktoren, die zu dieser Situation beitragen. Ignoranz, Armut, das Bedürfnis, zu einer Macht – welchen Einflusses oder welcher politischen Linie auch immer – etwas beizutragen. Sie verführen die Jugendlichen. Es kann auch sein, dass manche von ihnen von einer präzisen religiösen Idee überzeugt sind, sie aber nicht richtig verstanden haben. Es gibt mehrere komplexe Faktoren, die tiefgründige Studien und Forschungen nötig machen.”

euronews: “Was ist Ihre Botschaft an diese Leute?”

Schawki Ibrahim Allam: “Wir verurteilen jeden terroristischen Akt, der im Namen des Islam begangen wird. Wir erkennen diese Akte nicht an und akzeptieren sie nicht. Diese Akte liegen vollkommen außerhalb der Realität des muslimischen Glaubens und seines Verständnisses. Ich habe es bereits zu Beginn dieses Gesprächs gesagt: Alle Akte, die zu Zerstörung, Mord, Vertreibung und Vernichtung aufrufen, sind mit der wahren Auffassung des Islam nicht vereinbar.”