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Die WISE Awards 2014

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Die WISE Awards 2014

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Seit 2009 werden auf dem Bildungsgipfel WISE (World Innovation Summit for Education) in Doha, Katar Preise für Projekte verliehen, die Leben verändern.

Ägypten: Chancen für Straßenkinder

Viele Kinder leben auf der Straße, kämpfen alltäglich mit Gewalt und haben keinen Zugang zu Bildung. In Kairo, einer der meist bevölkertsten Hauptstädte in der arabischen Welt, sind es nach offiziellen Angaben etwa eine Million. Sie sind nachts überall zu sehen. Es sind vor allem wirtschaftliche und soziale Bedingungen, die sie dazu zwangen, ihr Zuhause gegen die Straße einzutauschen. Sie verkaufen Waren, waschen Autos und helfen beim Einparken, all das für einen kleinen Lohn.

Das Projekt “Face” nimmt sich dieser Kindern an. Sei Team ist darauf spezialisiert, Straßenkinder mittels Bildung wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Jede Nacht gehen vier bis fünf “Face”-Mitarbeiter auf die Straße. Sie sitzen dort und warten, dass die Kinder zu ihnen kommen. Sie laden sie zum spielen ein, plaudern, machen Witze…in diesen Momenten können sie wieder einfach Kinder sein, auch wenn es oft nur 15 Minuten dauert. Diese Treffen sollen Vertrauen schaffen.
Ist dies einmal geschafft, sollen die Kinder überzeugt werden ins “Al-salaam Center” zu kommen. Dort kann besser auf die grundlegenden Bedürfnisse eingegangen werden. Die Situation jedes Kindes wird individuell untersucht, um ihm die beste Hilfe angedeihen lassen zu können. Hier können sie essen, sich selbst und ihre Kleidung waschen. Außerdem natürlich spielen und lernen.

Die Zusammenarbeit mit der Regierung wird immer enger. Die ägyptische Sozialministerin Ghada Wali berichtet:
“Im Ministerium haben wir 37 Mitarbeiter, die sich in der ganzen Republik um Straßenkinder kümmern. Momentan arbeiten wir an einer Evaluierung dieses Programms. Wir benötigen aber mehr ausgebildetes Personal, das mit den Kindern arbeiten kann.”

Die “Face”-Gründerin Flavia Shaw-Jackson sieht vor allem den Bedarf an Aufklärung auf Seiten der Kinder:
“Sie bekommen von uns keine formale Ausbildung, sondern wir bringen ihnen Dinge bei, die ihnen auf der Straße helfen können. Außerdem klären wir sie über Hygiene, Gesundheit, Sexualität, Organhandel und Kinderrechte auf.”

Im Zentrum scheinen die Kinder aufzublühen. Das Umfeld, das sich um sie kümmert, scheint ihnen Hoffnung auf ein besseres Leben zu geben. Hier lernen sie auch, was Bildung bedeutet, um später vielleicht in die Schule zurück zu gehen.

Seit 2007 hat dieses Projekt in Kairo etwa 30.000 Kinder betreut. 113 von ihnen haben den Weg in sogenannte “kinderfreundliche Schulen” gefunden und 33 konnten sogar ins öffentliche Schulsystem integriert werden.

Lebensverändernde Erfahrungen für zehntausende, aber noch viele brauchen Hilfe.

Australien: Das Musikzimmer

Kreative Fächer wie Musik, Kunst, Theater oder Tanz haben gezeigt, welch positiven Einfluss sie auf Lernerfolge haben können. Aber nicht alle Kinder können solche Fächer belegen.

Der elfjährige Akot kam vor ein paar Jahren aus dem kriegserschütterten Sudan nach Australien. Heute geht er in die örtliche Schule. In dem Viertel von Melbourne, in dem er wohnt, leben Familien mit niedrigen Einkommen und Migrationshintergrund. Wie viele öffentliche Schulen kann auch die “Sacred Heart Primary” keinen Musikunterricht anbieten. Dies möchte die NGO “The Song Room” ändern.

Die Geschäftsführerin Caroline Aebersold sagt über das Projekt:
“Es gibt uns, weil wir wirklich daran glauben, dass alle Kinder während ihrer Ausbildung Zugang zu Kunst, Musik, Theater und Tanz haben sollten. Leider ist das in Australien momentan nicht der Fall. Drei von vier Kindern fehlt in ihrer Schule diese Möglichkeit.”

Seit drei Jahren nimmt die Schule an dem Programm teil. Der Unterricht ist kostenlos und wird von professionellen Lehrern bestritten. Durch die Musik sollen sich die Kinder entdecken können. Sie sollen sich entspannen und wieder fähig werden, sich zu wundern.

Die anderen Lehrer der “Sacred Heart Primary” konnten den Einfluss des Musikunterrichts auf die übrigen Fächer deutlich spüren. Caroline Aebersold sagt dazu:

“Wir haben jetzt Gewissheit, dass unser Programm einen Einfluss auf die Leistungen der Kinder hat. Bei denen, die an dem Programm teilnehmen, merkt man das deutlich. Im mathematischen wie im literarischen Bereich, aber auch beim Wohlbefinden können Wirkungen nachgewiesen werden. Sie haben Vertrauen und gewinnen an Selbstwertgefühl.”

Das Programm startet mit einem Tag pro Woche und das während sechs Monaten. Es kann auf 18 Monate ausgeweitet werden. Der Höhepunkt ist das Abschlusskonzert, zu dem auch alle Eltern eingeladen werden.

“Song Room” hat über 350.000 Schülern geholfen. Das Programm erreicht während seiner wöchentlichen Workshops 15.000 Kinder.

www.songroom.org.au

http://www.shsfitzroy.catholic.edu.au/learning-and-teaching/18/p/donate-to-the-song-room/

http://www.theaustralian.com.au/arts/performing-arts-instrumental-in-school-success/story-e6frg8n6-1226224429285

Indien: Schulbildung für Mädchen

In vielen Ländern helfen Mädchen noch immer im Haushalt, während Jungen in die Schule gehen. In Indien gehen über 3,7 Millionen Mädchen nicht zur Schule. Damit liegt das Land im internationalen Vergleich auf Platz drei.

In einer patriarchalen Gesellschaft, in der Mädchen traditionellerweise zu Hause bleiben, ist es nicht so einfach, die Meinungen zu ändern. Aber eine Gruppe junger Freiwilliger, bekannt unter dem Namen “Balika”, nehmen sich den Mädchen an. Sie werden von“Educate Girls” unterstützt. Die NGO kämpft für den Zugang der Mädchen zu Bildung. Dafür versuchen sie private, öffentliche und kommunale Unterstützung zu bekommen. Navlikumari Gharasia von “Educate Girls” berichtet über die Reaktion in den Dörfern:

“Mir schlägt viel Widerstand in den Dörfern entgegen. Die geläufigste Entschuldigung ist, dass sonst niemand zu Hause wäre, um die Arbeit zu erledigen.”

Kreative Lerntechniken sollen den Kindern dieser staatlichen Schule auf spielerische Art und Weise Spaß am Lernen bringen. Mit Hilfe von Karten und Diagrammen lernen die Kameraden Mathematik- und Sprachkonzepte. Kommunikationstraining und andere Hilfen sollen es den Mädchen leichter machen einen anerkannten Platz in der Gesellschaft zu bekommen. Das Balika-Team ermutigt die Mädchen auch Führung zu übernehmen, damit sie mehr Selbstvertrauen bekommen und Probleme selbstständig lösen.

Seit 2005 konnten etwa 60.000 Mädchen im Alter zwischen vier und sechs in Schulen untergebracht werden. Mehr als 5000 kamen die Initiativen von Educate Girls zugute.

http://www.wise-qatar.org/educate-girls-india