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Spekulationen kurz vor Stichwahl in Tunesien

In Tunesien wird an diesem Sonntag bei einer Stichwahl über den zukünftigen Präsidenten abgestimmt. Damit will das nordafrikanische Land den Übergang

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Spekulationen kurz vor Stichwahl in Tunesien

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In Tunesien wird an diesem Sonntag bei einer Stichwahl über den zukünftigen Präsidenten abgestimmt. Damit will das nordafrikanische Land den Übergang zur Demokratie vollenden, den es vor knapp vier Jahren begonnen hat. Es ist seitdem die erste Präsidentenwahl, bei der Tunesier demokratisch und direkt ihren Staatschef wählen dürfen.

Favorit ist der langjährige säkulare Regierungspolitiker Beji Caid Essebsi. Er gilt als erfahrener Vertreter des alten Regimes. Im Wahlkampf konnte er mit dem Thema Innere Sicherheit punkten. Als Mann des Wandels präsentiert sich der zweite Kandidat, Moncef Marzouki. Während der Diktatur Ben Alis lebte er im Exil. Nach seiner Rückkehr wurde er im Dezember 2011 von der verfassungsgebenden Versammlung zum Übergangspräsidenten gewählt. Kritiker werfen ihm vor, nicht entschieden genug gegen islamische Extremisten vorgegangen zu sein, die die Demokratie in dem Land gewaltsam bekämpfen. Für die fünf Millionen Tunesier präsentieren beide Kandidaten bei der Stichwahl also die Entscheidung – Alt oder Neu. Die Anhänger der stärksten islamistischen Kraft, Ennahda, werden wohl das Zünglein an der Waage sein. Um die hatte Marzouki bereits intensiv im Wahlkampf geworben.

Seit dem Arabischen Frühling hat sich Tunesien eine neue, demokratische Verfassung gegeben. Die Parteienlandschaft ist noch sehr zersplittert, im Parlament war es aber säkularen und religiösen Parteien bisher gelungen, unüberbrückbare Streitigkeiten zu vermeiden. Auf dem Weg zur Demokratie ist Tunesien im Vergleich zu seinen Nachbarn eindeutig das Land, das am weitesten vorangekommen ist.

Überschattet wird die Stichwahl von Terrorängsten. Etwa 100.000 Soldaten und Polizisten werden im Einsatz sein.