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Bank von England: Zinsen hoch oder runter?

Willkommen zu Business Middle East, in dieser Woche lesen wir zwischen den Zeilen des jüngsten Inflationsberichts der Bank von England. Und ein

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Bank von England: Zinsen hoch oder runter?

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Willkommen zu Business Middle East, in dieser Woche lesen wir zwischen den Zeilen des jüngsten Inflationsberichts der Bank von England. Und ein Schnappschuss von der türkischen Lira, die gegenüber dem Dollar an Wert verliert.

Die jüngste Erklärung der britischen Zentralbank ist nicht ganz klar. Der Inflationsbericht von Gouverneur Mark Carney enhält Widersprüche. Er spricht von der Möglichkeit gegen Ende des Jahres die Zinsen anzuheben. Gleichzeitig bestätigt er, das die Bank falls nötig dazu bereit ist, die Zinsen zu senken.

Für Investoren in Europa und Nahost wirft der Bericht viele Fragen auf. Mit welchen Trends können wir rechnen, wenn wir eine niedrige Inflation berücksichtigen?

Bank von England: Anleger rätseln

Bislang sah es so aus, als ob die Bank von England ihre expansive Geldpolitik beibehält. Doch nach dem Inflationsbericht, der am vergangenen Donnerstag herauskam, scheint das nicht mehr sicher zu sein.

Die britische Zentralbank hat eine niedrigere Inflation und einen möglichen Abschwung im Laufe des Jahres angedeutet.

Gouverneur Mark Carney sagte: “Die Inflation ist auf ihrem tiefsten Wert seit der Einführung der direkten Inflationssteuerung vor zwei Jahrzehnten. Sie wird vielleicht im Frühjahr in den negativen Bereich rutschen und sich dann um die 0 einpendeln.” Die Inflation war auf einem Stand, den man zuletzt 2009 gesehen hatte. Carney erklärte dies mit dem Fall des Ölpreises.

Die jüngsten Statistiken zu den Verbraucherpreisen senden gemischte Signale. Carney sprach davon die Zinsen anzuheben. Er betonte jedoch zugleich, dass die Bank falls nötig bereit sei die Zinsen zu senken.

Die meisten Wirtschaftswissenschaftler halten eine baldige Erholung der Inflationswerte für unwahrscheinlich. Das macht es schwierig für die Bank, die Kreditkosten zu erhöhen.

Die Analyse von Nour Eldeen Al-Hammoury

Für eine genauere Analyse des Inflationsberichts der Bank von England sprechen wir mit Nour Eldeen Al-Hammoury, dem leitenden Marktexperten bei ADS Securities in Abu Dhabi.

euronews, Daleen Hassan:
“Im vergangenen Dezember erwog die Bank von England eine Zinserhöhung, aber vergangene Woche sagte sie, dass sie die Zinsen senken könne, falls nötig. War diese Aussage also eine Warnung von Gouverneur Mark Carney?”

Nour Eldeen Al-Hammoury:
“Solche unsicheren Bemerkungen von der Bank von England und allgemein von Zentralbanken sind nicht überraschend. Aber Mark Carney war, seit er Amt ist, nie klipp und klar mit den Investoren.
Aber wenn man sich die Inflationsrate Großbritanniens ansieht, merkt man, dass sie um 0,5 Prozent gesunken ist und den tiefsten Wert seit dem Jahr 2000 erreicht hat. Einen solchen Wert gab es nicht einmal 2004. Dieses Jahr waren die Inflationserwartungen erneut sehr niedrig. Damit setzt sich der Abwärtstrend von 2013 und 2014 fort. Dieses Jahr wird die Inflation weiter auf 0.9 Prozent sinken.
Die Inflationsrate sank vor kurzem auf den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2000. Die Schätzungen für 2015 sind auch mit 0.9 Prozent auf einem Rekordtief. Der Zielwert der Bank von England ist zwei Prozent. Das bedeutet, dass wir weit von dem Ziel der Bank entfernt sind. Es gibt also keinen Grund die Zinsen zu erhöhen. Es ist ist sogar so, dass die Bank möglicherweise die Zinsen weiter senkt, wenn die Inflation schneller als erwartet in den negativen Bereich rutscht. Eine Stabilisierung der Wirtschaft und einen Anhebung der Löhne führten zu Andeutungen einer Zinserhöhung. Doch diese Wirtschaftszahlen können auch wieder sinken.”

euronews:
“Werfen wir einen Blick auf den Devisenhandel. Wie ist der Stand des Pfunds, auch im Vergleich mit Währungen in Nahost? Was könnte das für Auswirkungen auf Anleger in der Region haben?”

Nour Eldeen Al-Hammoury:
“Das Britische Pfund hatte eine gute Woche. Der Britische Pfund-US-Dollar-Kurs fiel auf 1.5214 nach den Andeutungen einer Zinssenkung. Doch dann erholte sich der Kurs und pendelte sich über 1.54 ein als der Vorsitzende der Bank von England erklärte, dass ein Zinsanstieg weiter möglich sei. Das Britische Pfund hat sich unterdessen stabilisiert auch in Bezug auf die Währungen der Region Nordafrika-Nahost. Der Wechselkurs Britisches Pfund zum Dirham der Vereinigten Arabischen Emirate betrug z.B. 5.66 und erholte sich so von dem Tiefstand 5.50 im Januar. Auch der Wechselkurs britisches Pfund zu ägyptischem Pfund erholte sich. Ein Anstieg des britischen Pfunds könnte negativ für den Import in der Region sein. Aber die Situation ist besser als im vergangenen Jahr als das Britische Pfund auf einem Rekordhoch im Verhältnis zu diesen Währungen war.”

Türkische Lira im freien Fall

In unserem Business Schnappschuss bleiben wir bei den Wechselkursen. Es war eine historische Woche für die türkische Lira. Sie fiel gegenüber dem US-Dollar auf ein Rekordtief: Unter 2.50 pro Dollar.

Wirtschaftswissenschaftler weisen darauf hin, dass mehrere Faktoren zusammenkommen. Die Politik der Federal Reserve und die Pläne den US-Zinssatz anzuheben, haben den US-Dollar gegenüber anderen Währungen nach oben getrieben.

Zudem hat Präsident Recep Tayyip Erdogan Druck auf die türkische Zentralbank ausgeübt. Er will, dass sie die Zinsen senkt, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

Bislang hatte die Zentralbank sich geweigert die Kreditkosten zu senken, solange die Inflation nicht auf Werte gesunken ist, die sie akzeptabel findet.

Am 24. Februar findet das Treffen der türkischen Zentralbank statt. Vielleicht wird sie Erdogan nachgeben. Das würde eine Unbeständigkeit der Lira zur Folge haben