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Wahlen in Nigeria: "Die ganze Welt blickt auf uns"

Knapp 70 Millionen Nigerianer sind heute aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Der 57 Jahre alte christliche Amtsinhaber Goodluck Jonathan

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Wahlen in Nigeria: "Die ganze Welt blickt auf uns"

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Knapp 70 Millionen Nigerianer sind heute aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen.

Meinung

Tatsächlich gibt es eine Bedrohungslage

Der 57 Jahre alte christliche Amtsinhaber Goodluck Jonathan bewirbt sich um eine weitere Amtszeit als Präsident des bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes.

Beobachter räumen seinem 15 Jahre älteren muslimischen Herausforderer Muhammadu Buhari jedoch sehr gute Chancen ein, die Wahl zu gewinnen.

Aussagekräftige Ergebnisse werden nicht vor Montag erwartet. Die Wähler müssen sich vor der eigentlichen Stimmabgabe registrieren lassen.

Jonathan sagte zum Abschluss des Wahlkampfes:

“Wir alle – also die Vorsitzenden der politischen Parteien, Parteimitglieder, Unterstützer und die einfachen Wähler – sollten uns der Tatsache bewusst sein, dass die ganze Welt auf uns blickt.”

Aus Furcht vor Terroranschlägen der islamistischen Boko Haram findet die Wahl unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Eine starke Präsenz der Sicherheitskräfte soll ferner Ausschreitungen zwischen den politischen Lagern verhindern.

Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2011 waren bei gewaltsamen Zusammenstößen Schätzungen zufolge rund 1000 Menschen ums Leben gekommen.

Euronews-Redakteurin Faiza Garah führte anlässlich der Wahlen ein Experten-Gespräch:

“In Rabat in Marokko ist uns Mohammed Benhammou zugeschaltet, der Präsident der Afrikanischen Gesellschaft für strategische Studien. Rechnen Sie mit Sabotage der Wahlen durch die Boko Haram?”

Mohammed Benhammou:

“Ich glaube nicht, dass die Boko Haram die Wahlen sabotieren können. Sicherlich haben sie es vor allem im Norden Nigerias mehr oder weniger geschafft, die Wahlen zu behindern. Aber sie werden die Wahlen wohl nicht stoppen können. Tatsächlich gibt es eine Bedrohungslage und die Sicherheitsfragen haben die Wahlen überschattet. Die Boko Haram könnten Terrorattacken durchführen, um die Menschen von der Wahl abzuhalten, vor allem im Norden des Landes.”

Euronews:

“Können die nigerianischen Behörden die Sicherheit gewährleisten?”

Mohammed Benhammou:

“Die Behörden haben bereits außergewöhnliche Maßnahmen wie die Schließung der Grenzen zu Lande und auf See angeordnet. Außerdem wurden Fahrverbote erlassen nur noch offizielle Fahrzeuge sind unterwegs, und es wurden Hochburgen der Boko Haram eingekreist.”

Euronews:

“Wird es denjenigen Menschen, die so zahlreich vor dem Terror geflohen sind, möglich sein zu wählen?”

Mohammed Benhammou:

“Es gibt tatsächlich eine große Anzahl von Flüchtlingen, mehr als anderthalb Millionen. Die Wahlkommission wollte sich um das Problem kümmern. Aber es ist schwierig und deshalb könnten sich Unregelmäßigkeiten ergeben, die Auswirkungen auf das Ergebnis haben und möglicherweise Gewaltausbrüche nach sich ziehen.”

Euronews:

“Ist Präsident Goodluck Jonathan als Amtsinhaber der Favorit bei dieser Wahl?”

Mohammed Benhammou:

“Nein, das kann man nicht sagen. Umfragen vom Februar haben nicht für Jonathan gesprochen, weil er keine Sicherheit gewährleistet und in Bezug auf Boko Haram versagt hat, aber auch in anderen Bereichen.”

Euronews:

“Vielen Dank für das Gespräch, Herr Benhammou.”